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Die Klugen und die Dummen

Sechs Posaunenbläser vom Kiebinger Musikverein unterstützen mich im Gefängnisgottesdienst und helfen dem schwachen Gesang auf. Großer Beifall belohnt ihre Mühe. Ob meine Predigt auch Beifall findet, weiß ich nicht. Einer schreibt immerhin mit. Ein anderer  findet. „Ich  habe was zum Denken.“

Diesmal hat  mir der vorgelegte Bibeltext besondere Mühe gemacht. Es geht um das Gleichnis von den zehn klugen und dummen jungen Frauen nach Matthäus 25,1-13.

Ich hätte gern so viel Zeit wie der Arzt und Komiker Eckart von Hirschhausen, der 2015 auf dem Stuttgarter Kirchentag vor zehntausend Leuten eine stundenlange Bibelarbeit hielt. Schon mit dem ersten Satz hatte er die Lacher auf seiner Seite: „Dass ich ausgerechnet in der Porsche-Arena über eine Geschichte spreche, bei der das Öl ausgeht, ist schon ein besonderer Witz.“ Ich habe höchstens zehn Minuten. Länger kann ich hier die Spannung nicht halten. Deswegen verteile ich meine „Predigt“ schon häppchenweise über die ganze Liturgie zum „Ewigkeitssonntag“.

Beginnen wir mit dem Positiven: Mir gefällt, dass es eine Ewigkeit gibt. Dass darüber nicht analytisch gesprochen wird,  sondern symbolisch in einem Gleichnis. Dass hier einmal junge Frauen im Mittelpunkt stehen; dass es um eine Hochzeit geht. Dass Warten eine Chance hat. Dass Klugheit belohnt wird. Dass ein waches Leben empfohlen wird.

Mir missfällt, dass sich die  Klugen asozial verhalten und nichts abgeben. Dass der Bräutigam auf sich warten lässt und  dann die Tür zuknallt. Dass er auch noch sagt: „Ich kenne euch nicht.“

Mir missfällt obendrein die Wirkungsgeschichte dieses Gleichnisses. Jahrhundertelang hat man sie an den Portalen mittelalterlicher Kirchen in Stein gemeißelt, damit auch der Analphabet begreift: „Es gibt ein Drinnen und ein Draußen“. Daran hat auch die Reformation wenig geändert. Sie hat nur die Chancen erhöht, dass „wir“ zu denen „Drinnen“ gehören.

Ja, da würde  ich gern in einer Bibelarbeit diese  Themen abarbeiten. Dann hätte ich die Chance, die spezielle Theologie des Matthäus zu erörtern und klarzustellen, dass es sich nicht um eine Rede Jesu handelt, die dieser so gehalten  hat. Doch in zehn Minuten?

Ich konzentriere mich auf das „Öl“, das ich als Lebensenergie übersetze. Und die kann ich tatsächlich nicht teilen. Ich kann mich bemühen, meine Kinder gut zu erziehen und hoffentlich ein Vorbild sein.  Aber Lebensenergie müssen sie in sich selber entwickeln. Ich kann als Pfarrer vom gelingenden, aber oft auch scheiterndem Leben erzählen, aber das Evangelium bleibt ein Angebot, das man auch ablehnen kann. Ich kann klar machen, dass diese Geschichte missbraucht wird, wenn wir Mauern zwischen „Drinnen“ und „Draußen“ hochziehen. Das Verhalten der jungen Frauen ist kein Beispiel für christliche Nächstenliebe.

Darum sage ich den Leuten, vor denen so viele Türen zugeschlossen sind, durch die ich wieder in meine bürgerliche Komfortzone zurückkehren kann, dass sie die Zwangszeit im Gefängnis nutzen können, um ihr Leben neu zu sortieren und positive Energie aufzuladen. Klugheit und Dummheit mischen sich ja normalerweise in einem. Das Leben ist zu schade, um die geschenkte Zeit mit allem möglichen Blödsinn zu „vertreiben“.

Ich wünsche mir eine Kirche, die diese Leute aufnimmt, wenn sie wieder „draußen“ sind. Sie fürchten sich davor, ein für allemal abgestempelt zu  sein.

Dass „Drinnen“ und „Draußen“ überwunden werden müssen, zeigt mir auch die heutige Zeitungslektüre. Eine weitere Reformation ist nötig.

Religionen sind nicht als Phänomene zu begreifen, denen es in irgendeiner Weise um „Frieden“ geht, schreibt der Historiker Wolfgang Reinhard in der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ Das gilt auch für die eigentlich so friedfertigen Christen: „Weil sich alle Völker immer für besser als die anderen halten, hatte sich daraus historisch ein besonders penetrantes, weil doppeltes Überlegenheitsbewusstsein der Christen ergeben. Auf der einen Seite verachteten sie wie die antiken Griechen und Römer immer noch den Rest der Welt als Barbaren. Auf der anderen Seite verachteten sie wie die Juden und die Muslime als Bekenner monotheistischer Religionen den Rest der Welt als Ungläubige. Auf diese Weise verknüpften die Christen beides zu besonders brisanter Arroganz.“

Possibilisten

„Vom Ende der Klimakrise“ schreiben die mittlerweile durch die Medien recht bekannten Luisa Neubauer (geb. 1996) und Alexander Repenning (geb.1989). Der Untertitel „Eine Geschichte unserer Zukunft“ weist sie als Futurologen aus. Man mag einem alten Mann verzeihen, der schon manche Bewegung hat kommen und gehen sehen, dass er „Fridays for Future“ skeptisch sieht. Ähnlich enthusiastisch 1968 zum langen verändernden Marsch durch die Institutionen angetreten, musste meine Generation erleben, dass diese eher die Marschierer verändert als umgekehrt. Andererseits liest sich dieses Buch wie eine Verjüngungskur. Schließlich wird der Leser gleich geduzt. Imponierend sind insbesondere die in den jeweils eingestreuten Seiten persönlichen Erfahrungen. „Wir haben den größten Teil unseres Lebens noch vor uns. Und wir befürchten das Schlimmste. Doch wir haben nicht vor, uns unsere Zukunft nehmen zulassen.“ S.11.

Und darum schreiben sie, deren Generation angeblich nur noch 280 Zeichen Twitter aufnehmen kann, ein respektables Buch von über 300 Seiten. Mögen auch die Inhalte zur Klimakatastrophe den Kennern längst vertraut sein, so ist ihnen doch  gleichsam ein Handbuch gelungen, mit dem die jungen Demonstranten von „Fridays for Future“ vielleicht auf Dauer mehr bewirken als mit allen phantasievollen Aktionen. Sie machen nämlich Lust, für den Klimaschutz zu kämpfen. Dafür haben sie bei Jakob von Ueküll ein schönes Wort gefunden, das ich in meinen Sprachschatz aufnehmen werde, weil es die müde Resignation der Pessimisten ebenso überwindet wie die ahnungslose Blindheit der Optimisten. Sie wollen „Possibilisten“ sein, also „Ermöglicher“. Der Initiator des „Alternativen Nobelpreises“ ist darüber hinaus ein wichtiger Impulsgeber. Viele Preisträger gehören zu den Gewährsleuten einer besseren Politik. „Wir wissen, dass es Lösungen für die großen gesellschaftlichen Probleme unserer Zeit gibt. Ihre Umsetzung ist nicht einfach und vielleicht noch nicht einmal wahrscheinlich  aber sie ist möglich. Und solange diese Möglichkeit besteht, solange lohnt   es sich, für sie zu kämpfen, von ihr zu erzählen und Menschen zu ermutigen, Teil dieser Lösungen zu werden.“ S.25

Jemand, der schon  länger sich mit diesen Fragen beschäftigt und versucht, verantwortlich zu leben, liest mit gemischten Gefühlen, dass sie die Generation ihrer Eltern anklagen, verantwortungslos geworden zu sein. Dabei geben sie zu, dass sie zu der privilegierten Klasse der Weltbevölkerung gehören. Aber es geht ja darum, gemeinsam gewissermaßen das Ruder herumzuwerfen. Sie haben recht, dass dies nicht nur durch Änderung des eigenen Lebensstils gelingen kann.

Wenn ich an die Debatten in  meiner Kirche denke, dann sind uns die Fakten mehr  oder weniger seit Anfang der siebziger Jahre vertraut. Aber wir haben vor allem Denkschriften, Predigten und Vorträge verfasst. Es kostete Jahre ermüdender Überzeugungsarbeit, um z.B. bloß fair gehandelten Kaffee im  kirchlichen Alltag durchzusetzen. Die „ewige“ Rede, dass es „fünf vor zwölf“ sei, hatte sich abgenutzt. Man hatte sich gewissermaßen an die kommende Apokalypse gewöhnt. Sie motivierte nicht zum öffentlichen Handeln.

Wissenschaftliche Erkenntnisse liegen schon länger vor. Dass aber schon 1896 der schwedische Chemiker Svante Arrhenius vor der Erderwärmung durch den Verbrauch fossiler Brennstoffe warnte, war mir neu. Da kann man schon ungeduldig werden. Bei der Klimakrise wird die Dringlichkeit  von der Geophysik diktiert. „Auch deshalb haben sich zehntausende Wissenschaftler*innen als Scientists For Future zusammengekommen, um unser Drängen zu unterstützen.“ S.62

Die Autoren wissen aber auch, dass Wissenschaftler käuflich oder gewissen Interesse verbunden sind. Sie kennen die Energiekonzerne und davon abhängigen Institute, die „alternative Fakten“  zur Verfügung stellen, um die Öffentlichkeit zu verwirren. „Auch Deutschland  kennt Institutionen, die sich bewusst in die Klimadebatte einmischen, um die  Agenda  ihrer Geldgeber durchzusetzen, zum Beispiel die Initiative  Neue Soziale  Marktwirtschaft. Sie sehen darin eine Kommunikationskrise. Ist es aber nicht eher eine Frage der Macht? Eine „Krise des fossilen Kapitalismus“?

Die Autoren sprechen lieber von einer „Wohlstandskrise“. „Investiert werden sollte in Sektoren, die eine große gesellschaftliche und individuelle Zufriedenheit erzeugen und dabei möglichst emissionsarm sind. Das sind zum Beispiel Bildung, Soziales, Gesundheit und Natur.“ S.182 Wie aber sollen diese Ziele finanziert werden? Ist eine nötige Vermögenssteuer durchsetzbar? Schon kommen wir zur „Gerechtigkeitskrise“. Eine gewisse „Klima-Apartheid“ gibt es schon. Noch sind es nur Nachrichten aus fernen Regionen, aber die Krise rückt näher: „Eben deswegen sind wir jungen Menschen die erste Generation, die den Klimaschutz aus unmittelbarem Eigeninteresse einfordert: Wir sind die ersten, die erleben werden, welche Wirkung Klimaschutz hat, oder im schlimmsten Fall, welche Katastrophen ein unterlassener Klimaschutz mit sich bringen wird.“ S.191

Zum Schluss gibt es reichlich Appelle, „moralische Streckübungen“. Durchaus sympathisch, aber leider nicht neu.

„Informiert euch“, rufen Luisa Neubauer und Alexander Repenning Leserinnen und Lesern gleich welcher Altersgruppe zu, „organisiert euch, fangt an zu träumen, fragt nach dem wirklich lebenswerten Leben und habt keine Angst davor, Privilegien aufzugeben.“ Vor allem aber gelte es, politisch zu denken. Gebetsmühlenartig werde sie nach jeder Podiumsdiskussion gefragt, was denn nun der Einzelne für den Klimaschutz tun könne. „Ja“, entgegnet Luisa Neubauer dann, „ein ökologisches Leben kann großartig sein und Spaß machen. Ich ermutige alle, es auszuprobieren. Aber entscheidend ist, dass gemeinsam Druck aufgebaut wird, die Strukturen zu verändern.“

Es ist zu wünschen, dass dieses kluge Buch auch von älteren Menschen gelesen wird. Der jugendliche Schwung ist sehr sympathisch. Die Autoren wissen, dass Ungeduld in Gewalt umschlagen kann. Bislang hält die Erkenntnis, dass gewaltfreie Bewegungen schlussendlich mehr erreicht haben als gewalttätige.

https://www.klett-cotta.de/buch/Tropen-Sachbuch/Vom_Ende_der_Klimakrise/110718

Volkstrauer

In meiner ersten Predigt als Vikar 1975 am „Vorletzten Sonntag des Kirchenjahrs“ sprach ich – wie auch morgen – über den von unserer Kirche vorgegebenen Bibeltext. Hinterher beschwerte sich eine Kriegswitwe, dass ich den „Volkstrauertag“ wohl vergessen hätte: „Da hat man seinen Mann verloren  und dann ist dies keine Erwähnung wert.“ Der Vorwurf  traf mich, denn ich wollte es ja gut machen. Und ich meinte, dass Bibel und Gebete die angemessene Reaktion für alles Leid, auch für Kriege und seine Folgen sind. Das Evangelium wäre doch eine froh machende Botschaft. Sie gilt insbesondere in Kriegszeiten, da sich die Hiobsbotschaften häufen.

Es mag aber sein, dass jene Frau Feiern zum Volkstrauertag gewohnt war, die ich auch noch aus meiner Schulzeit kannte. Weil ich  so schön Gedichte aufsagen konnte, wählte mich unser Deutschlehrer aus, um bei einer staatlichen Feier im großen Festsaal unserer Stadt „Hyperions Schicksalslied“ von Friedrich Hölderlin zu deklamieren. Mit meinen 14 Jahren verstand ich den Text nicht gut und war nur aufgeregt bedacht, nicht stecken zu bleiben. Hölderlin stellt in diesem berühmten Gedicht der schicksallosen Ruhe und seligen Heiterkeit der Götterwelt das Leben des menschlichen Daseins gegenüber. Da heißt es zum Schluss:

„Doch uns ist gegeben, / Auf keiner Stätte zu ruhn, / Es schwinden, es fallen / Die leidenden Menschen / Blindlings von einer / Stunde zur andern, / Wie Wasser von Klippe / Zu Klippe geworfen,  / Jahr lang ins Ungewisse hinab.“

Die  Rede vom „Schicksal“ hat Hölderlin nicht erfunden. Das ist quasi ein gottloser Glauben, wenn man sich hilflos ausgeliefert fühlt. Das Schicksal ist an die Stelle Gottes getreten, weil man nicht mehr glauben kann, dass ER „alles so herrlich regieret“. Es gibt kein DU mehr, dem gegenüber man sich zu verantworten hat, in dem man antwortet auf  die Fragen Gottes: „Wo warst du, wer bist du, was tust du?“ Ich war zu jung, um zu bemerken oder gar zu protestieren, dass die Töne dieser Feier die Absurdität des Krieges kaschieren. Sie tragen mit dazu bei, dass verdrängt wird, dass junge deutsche Männer in einen verbrecherischen Krieg zogen. Es wird verdrängt, dass sie nicht „fallen“ wie Blätter im Herbstlaub, sondern zerbombt, zerfetzt, vergast werden. Und Frauen und Kinder gleich mit. Kriege sind kein unabwendbares Schicksal. Sie nutzen bestimmten Machtinteressen. Das haben wir doch gelernt seit 1945: Kriege werden von Menschen geplant, vorbereitet und durchgeführt. Und seit 1945 hat die Kirche (zumindest die Evangelische!) endlich aufgehört, den alten heidnischen Satz des römischen Dichters Horaz zu wiederholen:  Dulce et decorum est pro patria mori: „Süß und ehrenvoll ist es, fürs Vaterland zu sterben.“ Den Satz haben Generationen von Lehrern ihren Schülern eingetrichtert und damit Kriege geistig vorbereitet. Und das wurde auch noch „humanistische Bildung“ genannt. Schluss damit! Stattdessen gilt das Bekenntnis des Ökumenischen Rats der Kirchen von 1948: „Krieg soll nach Gottes Willen nicht sein.“ Und unsere Evangelische Kirche ersetzt die heidnisch-antike Lehre vom gerechten Krieg durch die Zielbestimmung des gerechten Friedens.

Um mit dem fragwürdigen Kult am Volkstrauertag zu brechen, haben wir nach niederländischem Vorbild 1975 mit einer Friedenswoche begonnen, aus der dank der DDR-Kirchen dann  eine Friedensdekade geworden ist. Ohne diese Übung wäre die friedliche Revolution in der DDR nicht möglich gewesen.

Fairerweise muss ich anerkennen, dass mittlerweile sich die kommunalen Feiern auf den Friedhöfen und vor Kriegermalen verändert haben. Aber wird wirklich über Kriegsursachen und ihre  Überwindung nachgedacht?

Eine Pfarrerin sagte mir, dass sie niemanden findet, der in ihrer Gemeinde die Aufgabe eines „Friedensbeauftragten“ übernehmen möchte. Ist die allgemeine Verdrängung  der Kriegsursachen nicht viel bequemer?

Immerhin hat das „Parlament“ der Evangelischen Kirche (EKD) kürzlich eine eindrucksvolle Kundgebung zum Frieden verabschiedet. In welchen Gemeinden wird sie gelesen? In welchen Gruppen wird sie diskutiert?

„Eine neue friedensethische Herausforderung stellen automatisierte, teilautonome und unbemannte Waffensysteme dar, die auch zur Gefahrenabwehr und damit zum Schutz nicht nur von Soldatinnen und Soldaten, sondern auch von Zivilisten und Zivilistinnen eingesetzt werden. Gleichzeitig gibt es vielfältige Risiken: ein Absinken der Hemmschwelle zum militärischen Einsatz, eine Entgrenzung des Krieges oder auch die völlig ungelösten Fragen der Kontrolle und Verantwortung für die Folgen einer militärischen Aktion. Mit steigendem Autonomisierungsgrad werden diese Risiken größer und beträfen im Falle autonomer und teilautonomer Systeme auch elementare Fragen der Menschenwürde.“

https://www.ekd.de/kundgebung-ekd-synode-frieden-2019-51648.htm

Ich fürchte, meine Predigt morgen in der Evangelischen Kirche zu Rottenburg wird recht lang.

Friedensklima

In den 8oiger Jahren habe ich in Tübingen den Shalom-Gottesdienst mitbegründet. In der damaligen Friedensbewegung wollten wir in der Tradition  des Politischen Nachtgebet (Dorothee Sölle) einen Ort schaffen, in dem Kampf und Kontemplation für den Frieden zusammenkommen. Gestern war ich einmal wieder dabei. Es ging um das Thema „Friedensklima“ der diesjährigen Friedensdekade.

Es ist erfreulich, dass viele Veranstalter dieses Motto aufgenommen haben. Allerdings beobachte ich besonders in den Kirchengemeinden die Tendenz, Orgelkonzerte, Andachten und Gottesdienste, die ohnehin stattfinden, flugs unter das Motto zu stellen. Politische Aktionen werden dann eher vermieden, notwendige  Auseinandersetzungen auch.

Mit dem Motto „friedensklima“ wollen die Trägerorganisationen der Ökumenischen FriedensDekade zum einen auf die Zusammenhänge des bereits eingetretenen Klimawandels und dessen Konsequenzen für den Frieden aufmerksam machen. „Was hat der von uns Menschen verursachte Klimawandel mit dem Frieden zu tun und inwieweit wird er mitverantwortlich sein für zukünftige Kriege und Konflikte?“, brachte Jan Gildemeister, Vorsitzender des Vereins Ökumenischen FriedensDekade e.V. und Geschäftsführer der Aktionsgemeinschaft Dienst für den Frieden (AGDF), das Anliegen auf den Punkt. In den Arbeitsmaterialien sollen diese Zusammenhänge aufgezeigt, insbesondere aber Chancen und Möglichkeiten sichtbar gemacht werden, wie klimabedingte Konflikte verhindert werden können. Zum anderen wirft das Motto die Frage nach der zunehmenden Individualisierung in unserer Gesellschaft auf, die sich auch in einem Mangel an Mitmenschlichkeit und Empathie ausdrückt. „Im Umgang miteinander, im Umgang mit gesellschaftlichen Minderheiten ebenso wie in der Sprache kommt eine zunehmende Respektlosigkeit dem Anderen und dem Fremden gegenüber zum Ausdruck – auch in der politischen Auseinandersetzung. Von einem friedlichen Klima im Miteinander sind wir weit entfernt“, fasste Marina Kiroudi, Vertreterin der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) aus Frankfurt, eine der Trägerorganisationen der Ökumenischen FriedensDekade, den zweiten Aspekt des Mottos zusammen

https://www.friedensdekade.de/

Gestern abend allerdings betonte Pfarrer Karl-Theodor Kleinknecht die verheerende Rolle des Militärs bei der Umweltverschmutzung.

Armeen weltweit verursachen enorme Mengen an klimaschädlichen Emissionen, indem sie mit Rüstungsproduktion und Rüstungsexport Kriege vorbereiten, bei Manövern und schließlich im Einsatz selbst, aber auch bei anschließenden Besatzungen. Krieg und Militär gehören zu den größten Verbrauchern von Energie und anderen Ressourcen und verschlingen weltweit 1,8 Billionen Dollar an Rüstungsausgaben.

So ist der Treibstoff-Verbrauch beispielsweise von Kriegsflugzeugen und Kriegsschiffen enorm, entsprechend hoch sind auch die Emissionen. Ein Eurofighter verbraucht ca. 70-100 Liter Kerosin pro Minute. Allein auf der Base Ramstein finden jährlich 30.000 Starts und Landungen statt. Dabei werden 1,35 Milliarden m³ klimaschädliche Abgase freigesetzt. Der fliegende Großraumtransporter Galaxy verbraucht bei einem Start 3.500 Liter Treibstoff.

Das US-Militär – einer der größten Klimasünder in der Welt. „Das US-Verteidigungsministerium ist mit einem Anteil von 77 bis 80 Prozent am gesamten Energieverbrauch der US-Regierung der größte Verbraucher fossiler Brennstoffe.

Am 26. Juni 2019 schreibt Andreas Krebs in Telepolis: „Das US-Militär ist einer der größten Klimasünder in der Geschichte, es verbraucht mehr flüssige Kraftstoffe und emittiert mehr Kohlenstoff als die meisten Länder. Das Pentagon kann als weltweit größter Endverbraucher fossiler Brennstoffe angesehen werden.

Interessant ist, dass die militärischen Emissionen bewusst, sowohl aus dem Kyoto Protokoll und den anderen UN-Klimadokumenten einschließlich der Charta von Paris auf Druck der NATO-Staaten, ausgeklammert wurden.

Der US-Friedensaktivist Barry Sanders schreibt: „…der jährliche CO² Ausstoß des US-Militärs beträgt 73 Mill Tonnen CO², die den übrigen Mengen der Treibhausgasemissionen der USA hinzugerechnet werden müssen.“

Auch der Einsatz chemischer Kampfstoffe schädigt Menschen und Umwelt gleichermaßen. In seinem Buch weist Sanders auch darauf hin, dass nach dem Napalm-Einsatz der USA in Vietnam dieser Kampfstoff zwar von der UNO geächtet ist, jedoch haben die USA diese Konvention nie unterzeichnet.

Stattdessen setzten sie in der irakischen Stadt Falludscha statt Napalm weißen Phosphor gegen die Zivilbevölkerung ein, ein Luftschadstoff, der ganze Regionen auf Jahrzehnte unbewohnbar macht. Es geht aber auch um die Folgen z.B. des Einsatzes von Uranmunition wie im Irak oder im Krieg gegen Jugoslawien. Da das in dieser Munition enthaltene angereicherte Uran eine Halbwertzeit von 4,7 Milliarden Jahren hat, werden irreparable Umweltlasten für die Ewigkeit verursacht. Mehr als 1000 Tonnen dieser Munition wurden von den USA im Irakkrieg eingesetzt.

ICAN (Internationale Kampagne zur Abschaffung von Atomwaffen – (bekam den Friedensnobelpreis) schätzt, dass seit Beginn des atomaren Zeitalters im Juli 1945 über 2000 Atomwaffentests durchgeführt wurden. Oberirdisch, unterirdisch und unter Wasser. Diese Tests haben inzwischen die gesamte Weltbevölkerung verstrahlt. Die oberirdischen Atomwaffentests seit 1945 hatten eine Sprengkraft von 29.000 Hiroshimabomben. IPPNW (Ärzte für die Verhütung des Atomkriegs) schätzt, dass an den Folgen oberirdischer Atomwaffentests 2,4 Millionen Menschen gestorben sind. Kriegsschiffe wie Flugzeugträger und Atom-U-Boote sind schon in „Friedenszeiten“ schwimmende Zeitbomben. Würden sie in militärische Konflikte involviert, hätte das unabsehbare Folgen für Menschen und Natur.

Ein weiteres Problem kommt hinzu: Noch immer stellen Munition, Bomben, Granaten, Minen, Torpedos und chemische Kampfstoffe aus dem zweiten Weltkrieg eine tödliche Gefahr dar. Man schätzt, dass noch immer 1,6 Millionen Tonnen davon auf dem Grund von Nord- und Ostsee liegen. Die metallischen Hüllen dieser Kampfstoffe sind heute teilweise durchgerostet. Geraten diese Substanzen ins Meereswasser, ist es kaum möglich, sie unschädlich zu machen.

Das Verhältnis Militär: Umweltbelastung: Klimawandel: Klimakriege stellt einen Teufelskreis dar. „Aufgrund knapper werdender Ressourcen muss sich die Welt in Zukunft auf Rohstoff-Kriege einstellen“, heißt es in einer Studie der Transatlantic Academy zur Ressourcen-Knappheit aus dem Jahr 2012. Rohstoffe seien häufig nicht die einzige, aber eine entscheidende Ursache von Konflikten. 20% der Weltbevölkerung verbrauchen heute 80% der globalen Ressourcen und verursachen 80% der weltweiten Abfallmenge. Um diesen Zustand aufrecht zu erhalten werden Kriege geführt. Mit katastrophalen Folgen für Mensch, Klima und Umwelt.

Fazit

Klimaschutz braucht Abrüstung! Damit würden die materiellen und finanziellen Mittel frei für eine sozialverträgliche Rüstungskonversion, und damit verbunden ergäbe sich eine Reduktion des CO² Ausstoßes. Mit einem Bruchteil der 1,8 Billionen Dollar weltweiter Rüstungsausgaben könnte nicht nur Hunger und Unterentwicklung weltweit beseitigt werden. Mit dem Aufbau regenerativer Energiesysteme in Entwicklungsländern könnte ein Teil der Klimaschulden der kapitalistischen Metropolen gegenüber diesen Ländern beglichen werden. Mittel würden frei für die Erforschung und Entwicklung von Umwelttechnologien; klimafreundliche Massenverkehrssysteme für eine sozialökologische Transformation.

Siehe auch https://www.isw-muenchen.de/2019/07/militaer-und-krieg-als-klimakiller-nummer-eins/.

Ich wünsche mir, dass Christen ihre Harmlosigkeit überwinden und sich  endlich diesen Herausforderungen stellen.  Infantile Meditationen betrachte ich als Gotteslästerung.

Frieden stiften

Im Knast ist wohl kaum ein Satz so befremdlich wie der Wochenspruch aus Jesu Bergpredigt: „Selig sind die Friedfertigen…“ Die alltägliche Erfahrung ist durch Unfrieden geprägt, Misstrauen ist die gewöhnliche Erfahrung. Wer nicht zurückschlägt, geht schnell unter. Auch meine – wie ich denke – präzisere Übersetzung ändert daran nichts: „Glücklich sind, die Frieden machen…“ Es geht nicht  nur um eine innere Haltung, sondern um ein aktives Tun. Die Verheißung zielt nicht nur auf ein seliges Jenseits, sondern auf ein befriedigendes Leben in unserer Zeit. Das gilt auch dann, wenn Friedensstifter oft zwischen die Fronten geraten. Glücklich wollen sie ja alle werden. Aber eben gern auch auf Kosten anderer.

Abstrakte Appelle nutzen wenig, sind gleich wieder vergessen. Kleine Geschichten aber bleiben haften. So erzähle ich vom Martinus von Tours, der in der Katholischen Kirche als Heiliger verehrt wird. In unserer Stadt gibt es einen Umzug mit vielen Kindern, wo seine Legende nachgespielt wird. Ein Reiter auf dem Marktplatz teilt seinen Mantel mit dem bedürftigen Bettler. Ich denke, auch ohne Heiligenverehrung gehört diese Episode zu unserer gemeinsamen Kirchengeschichte.

Leider wird  die Fortsetzung der Geschichte oft nicht erzählt. Martin war  ein heidnischer Soldat und hat erst später den christlichen Glauben angenommen. Das sollte ein Hinweis sein, dass Nächstenliebe kein christliches Monopol ist.

Übrigens ist Martinus da ein ziemliches Risiko eingegangen: Die Ausrüstung der römischen Soldaten gehörte schließlich dem Kaiser; und war ein staatliches Symbol der Macht. Den Mantel zu zerreißen, das war ein Staats-Vergehen.

Nach dieser Tat der Nächstenliebe erst  hat er den christlichen Glauben kennengelernt und hat sich taufen lassen. Sehr konsequent war es, dass er sich dann auch von seinem Beruf getrennt hat: Nach fünfundzwanzig Jahren im römischen Heer  wirft er dem Kaiser den Bettel hin –  kurz vor einer Schlacht bei Worms (356 n. Chr.).  Dem Kaiser Julian sagt er: „Bis heute habe ich dir gedient;  gestatte nun, dass ich jetzt Gott diene.  Ich bin ein Soldat Christi, es ist mir nicht erlaubt, zu kämpfen“.  Klar, dass ihm das als Feigheit vor dem Feind ausgelegt wurde. Aber damit hatte Martinus wohl gerechnet. Er bietet nämlich an, ohne Waffen in die Schlacht zu gehen, gern auch in der ersten Reihe.

Gott sei Dank blieb ihm der Beweis erspart, wie sehr er auf Gottes Schutz vertrauen kann: Vor Tagesanbruch schickten die Germanisch-Gallischen Gegner Unterhändler; es gab einen Waffenstillstand und keine Schlacht. Martins einziger Schaden war:  er musste auf das geschenkte Landgut verzichten, das der Kaiser jedem Veteranen zum Abschied schenkte –  zum Dank für treue Dienste bei der Truppe und zur Altersversorgung.

Aber da war er sowieso schon auf einem anderen Weg. Der Soldat Martinus wird Mönch;  aber sein Ruf verbreitet sich schnell im Land. Als die Stadt Tours einen neuen Bischof braucht, entführen sie ihn aus dem Kloster  und geleiten ihn mit Sprechchören bis in die Kathedrale.“  (Altfried G. Rempe)

Wenn ich solche Geschichten im Gefängnis erzähle, spüre ich eine ungeheure Skepsis. Gleichwohl hoffe ich, dass die Saat einmal aufgeht. Ich vertraue darauf, dass Menschen sich ändern können.

Böse von Jugend auf?

Predigen im Gefängnis ist eine besondere Herausforderung. Da kommen viele mit einer schwierigen Biografie, die ich aber in der Regel nicht kenne. Darunter sind überdurchschnittlich viele Ausländer, teilweise Muslime. Jede Woche sehe ich neue Gesichter. Evangelisch sind die wenigsten. Was sie zur Teilnahme am Gottesdienst motiviert, kann ich nur ahnen.

Um überhaupt Aufmerksamkeit zu erhalten und zu halten, muss ich von der Begrüßung an ein Thema so einführen, dass die Spannung bleibt. Dann aber können immer noch schwierige Bibel- oder Gesangbuchtexte wie eine Fremdsprache wirken.

Die Geschichte von der Arche Noah kennt jedes Kind, sollte man meinen. Eine andere Fassung steht sogar im Koran. Aber wie wird sie verstanden? Von der Mehrheit vermutlich als Märchen, das uns nichts angeht. Von einer Minderheit als historischer Bericht, den man wörtlich zu glauben hat als Christ. Beides führt in die Irre. Wie kann ich deutlich machen, dass die Bibel oft ihre Botschaft in Bilder einer vergangenen Zeit kleidet. Die Botschaft gleichwohl aktuell ist?

  1. Mose 8, 20-22: „Noah aber baute dem HERRN einen Altar und nahm von allem reinen Vieh und von allen reinen Vögeln und opferte Brandopfer auf dem Altar. Und der HERR roch den lieblichen Geruch und sprach in seinem Herzen: Ich will hinfort nicht mehr die Erde verfluchen um der Menschen willen; denn das Dichten und Trachten des menschlichen Herzens ist böse von Jugend auf. Und ich will hinfort nicht mehr schlagen alles, was da lebt, wie ich getan habe. Solange die Erde steht, soll nicht aufhören Saat und Ernte, Frost und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht.“

„Böse von Jugend auf“ – das ist ein gefährlicher Satz. Macht man ihn zum Dogma, ergibt es eine finsteres Menschenbild, das nur zur Resignation führen kann. Und er hat wohl mit dazu beigetragen , dass man in der Christenheit bis in die jüngste Vergangenheit geglaubt hat, man könne „das Böse“ aus den Kindern herausprügeln. Ich weiß, dass viele Zuhörer eine solche Kindheit durchlitten haben. Sie konnten weder Gott- noch Menschenvertrauen entwickeln. Tief sitzender (Selbst-)Hass ist die Folge. Und ich appelliere an die Väter unter meinen Zuhörern, doch nun – um Gottes willen –  diese Erfahrung den eigenen Kindern zu ersparen. Wie oft geben wir in der Erziehung unbewusst weiter, was wir selbst erlebt haben.

„Um Gottes willen“ – denn diese Geschichte mutet uns einen lernenden, ja reuevollen Gott zu. Er kann „das Böse“ nicht ausrotten, wenn er „die Bösen“ ausrottet. Und doch versuchen das unzählige Machthaber in allen Zeiten immer wieder. Das heißt dann „Säuberung“. Wie mal ein Kind in der 4. Klasse zu mir sagte: „Das Böse wächst doch immer nach.“ Man kann aber, wie wir in der Lesung (Römerbrief 12,21) gehört haben, das Böse mit Gutem überwinden.

Es ist seltsam, dass wir oft sogar in der Kirche zu einem pessimistischen Menschenbild neigen, weil das vielleicht unseren Erfahrungen entspricht. Ob vielleicht manche Psychologen eher etwas vom Evangelium verstanden haben?

„Es ist nicht wahr, dass das Böse, Destruktive, Perverse notwendig zur menschlichen Existenz gehört, auch wenn dies immer wieder behauptet wird. Es ist aber wahr, dass das Böse ständig neu produziert und mit ihm ein Meer an Leid für Millionen geschaffen wird, das ebenfalls vermeidbar wäre. Wenn einst die aus der Verdrängung der Kindheit entstandene Ignoranz aufgehoben sein wird und die Menschheit erwacht ist, kann sie diese Produktion des Bösen einstellen.“                                                                                    Alice Miller, Das verbrannte Wissen, Suhrkamp Verlag Frankfurt am Main 1988, S.183

Diese Psychotherapeutin hoffte auf die bessere Zukunft der Menschheit und arbeitete daran. Das erfordert starken Einsatz und einen langen Atem. Wenn wir uns daran beteiligen, mag uns der Segen beflügeln, der sich im letzten Satz ausdrückt: „Während aller Tage der Erde sollen Saat und Ernte, Kälte und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht niemals ausbleiben.“

Mit diesem guten Vorzeichen gehen wir in die Zukunft und singen getrost: „Vertraut den neuen Wegen / und wandert in die Zeit! / Gott will, dass ihr ein Segen / für seine Erde seid.“ EG 395,2

Kirchenwahlkandidaten

Die Vorbereitungen zur Kirchenwahl in der Evangelischen Württembergischen Landeskirche am 1. Dezember haben unsere Kirchengemeinde Rottenburg erreicht. Immerhin können dort über 6000 Gemeindeglieder (ab 14 Jahren) den Kirchengemeinderat (KGR) und die Landessynode wählen. Allerdings dürfte das Interesse nicht besonders groß sein, fürchte ich.

Die lokalen Kandidaten stellten sich deshalb am Gemeindefest vor, wo gewöhnlich noch am meisten Leute zusammenkommen. Wer sich am Gemeindeleben beteiligt, dürfte die meisten schon kennen. Es ist sehr erfreulich, dass mehr Kandidaten als die zwölf nötigen sich zur Verfügung stellen. Erfreulich auch, dass etliche wiederholt kandidieren. Also scheint die Mitarbeit sehr gut zu sein. Natürlich betonten die meisten, was sie bisher schon für die Gemeinde und sonst für die Gesellschaft tun. Der Kirchengemeinderat ist aber ein Leitungsgremium, der die Finanzen und Gebäude verantwortet, Personal einstellt und womöglich Pfarrer/innen und über die Bezirkssynode eine(n) neue(n) Dekan/in wählt.

Da ständig neue Aufgaben und Projekte angefangen werden, muss der KGR auch die unbequemen Entscheidungen treffen, welche bisherigen Arbeitsgebiete aufgegeben werden.

Damit  die Wahl nicht zur Lotterie wird, muss die Gemeinde nun offensive Öffentlichkeitsarbeit betreiben. Da sollte denn auch die Homepage aktualisiert werden.

www.evangelisch-in-rottenburg.de.

Gleichzeitig wird die neue Landessynode Württemberg gewählt. Die ist für viele noch immer wenig bekannt, obwohl die Sitzungen inzwischen im Internet verfolgt werden können. Bei der Vorstellung der acht Kandidaten für den Kirchenbezirk Tübingen kamen deswegen gestern Abend – kaum überraschend – nur wenige Interessierte.  Da jede(r) zwar nur fünf Minuten für seine Vorstellung benötigte, blieb für die inhaltliche Darstellung grundsätzlicher Probleme nur noch der halbe Abend. Obendrein fanden die Veranstalter es sinnvoll, Fragen nur schriftlich einzusammeln, die dann mehr oder weniger ausführlich beantwortet wurden. Das trug zwar zu großer  Sachlichkeit bei, verhinderte aber Nachfragen oder kontroverse Diskussionen. Die zwei Kandidatinnen und sechs Kandidaten argumentierten im Wesentlichen Im Rahmen ihrer jeweiligen Gesprächskreise, die in der Synode partout nicht Kirchenparteien genannt werden sollen. Deren Grundsatzprogramme lagen gedruckt auf einem Schriftentisch aus. Ob sie auch gelesen werden?

Man kann fragen, ob die württembergische Kirchenverfassung noch zeitgemäß ist. So werden jeweils „Pfarrer und Laien“ getrennt gewählt. Besser würde man von „Ordinierten“ und „Nichtordinierten“ sprechen, denn letztere sind manchmal recht kompetente Theologen. Das jetzige System schafft aber entgegen dem protestantischen Prinzip vom „Priestertum aller Gläubigen“ doch eine Art Klerus, der das Kirchenparlament beherrscht. Eine Frage lautete gestern Abend: „Die Synode wird demokratisch gewählt, der Oberkirchenrat (OKR) aber  nicht. Was halten Sie davon?“ Tatsächlich wirken Oberkirchenräte und Prälaten meistens unbefristet und haben schon deswegen eine überstarke Stellung. Man spricht dann gern von Dienstgemeinschaft, um den Eindruck von Konflikten gar nicht erst aufkommen zulassen. Voller Konfliktscheu erscheinen mir auch die meisten öffentlichen Tagungen, in denen die Synodalen stundenlang Berichte sich anhören müssen, Streitfragen in die Ausschüsse verlagert und politisch anstößige Entscheidungen oder Verlautbarungen vermieden werden.

Doch vielleicht überraschen uns die Kandidaten ja mit neuen Ideen.

https://www.elk-wue.de/22102019-165-kandidaten-fuer-die-landessynode

In memoriam Erhard Eppler

Zur Erinnerung an Erhard Eppler, der gestern verstorben ist,  lese ich noch einmal das Buch, das mich  am meisten beeindruckt hat: „Ende oder Wende. Von der Machbarkeit des Notwendigen“, (Kohlhammer Verlag 1975). Es erschien, als ich in den württembergischen Kirchendienst trat. Als frischgebackener Vikar lud ich sogleich  Eppler zu einem Vortrag „Was ich von der Dritten Welt für unser Land gelernt habe“ in unsere Gemeinde. Er war  damals als Spitzenkandidat der SPD  mitten im Landtagswahlkampf. Sein Gegner war der  aalglatte Hans Filbinger, später der umtriebige Lothar Späth. Beide Wahlen gingen krachend verloren.

Nachträglich wundere ich mich, auf welch hohem Niveau Eppler in jenen turbulenten Zeiten argumentierte. Bei meinem Praktikum in Indien 1972 hatte ich schon sein Buch „Wenig Zeit für die Dritte Welt“ (Stuttgart 1971) im Gepäck und überlegte ob ich  nicht seinetwegen in die Entwicklungspolitik gehen sollte. Damals war ich noch Mitglied der SPD. Ich entschied mich anders, blieb aber auch als Pfarrer dem globalen Süden und seinen Problemen verpflichtet. Ich begegnete ihm noch einmal sehr persönlich, als ich die Trauung seine Tochter gestaltete. Vater Eppler kam frisch von einem Berliner Parteitag, wo er mit Helmut Schmidt einmal mehr aneinander geraten war.

In den achtziger Jahren konnte  ich als Dozent in Tansania Epplers Thesen auf den Prüfstand stellen und musste manche seiner Illusionen begraben. Die Evangelische Akademie Bad Boll war damals die entscheidende Ideenschmiede für entwicklungs- und friedenspolitische Fragen. Von 1999 bis 2012 erlebte ich ihn dort als Tagungsreferent immer wieder. Später kam die Ökologie hinzu. Eppler hatte sich mittlerweile für den Kirchentag engagiert, wo er bedeutende Beiträge lieferte. Gleiches gilt für die Evangelische Akademikerschaft und „Offene Kirche“. Viele seiner weiteren Bücher habe ich verschlungen.

Bei meiner heutige Re-Lektüre von “Ende oder Wende“ fällt mir die alarmierende Sprache auf. Nach dem „Club of Rome“ mit seinen „Grenzen des Wachstums“ kam ja schon einmal das Gefühl des „5 vor 12“ auf, das natürlich mit den Jahren seine Wirkung verliert. Gleichwohl wäre uns viel erspart worden, wenn man Epplers Warnungen damals beherzigt hätte.

„Dass ein endlicher Erdball kein unendliches materielles Wachstum zulässt, ist eine Binsenweisheit. Dass diese Binsenweisheit erst zur Kenntnis genommen wurde, als Computer sie errechnet hatten, ist eine Parodie auf die Expertengläubigkeit unserer Zeit.“ S.9. Seine politische Forderung bleibt aktuell: Wir müssen entscheiden, was wachen soll und was nicht. Mehr Lebensqualität (damals ein neuer Begriff!) und weniger Müllberge z.B. Die damals prognostizierte Bevölkerungsexplosion ist längst eingetroffen. Nun drängen in unseren Tagen  die armen Massen zu den Wohlstandsinseln.

Prophetische Einsichten bald auf jeder Seite: „Je geringer der Spielraum nach innen, umso wahrscheinlicher die Betonung nationaler Interessen nach außen. Wer den Verteilungskampf im Innern nur mühsam in geordneten Bahnen halten kann, wird dazu neigen, im internationalen Verteilungskampf zwischen Rohstoffproduzenten und Industriestaaten eine harte Linie zu vertreten… Die Schwäche des Nationalstaats führt nicht zum Aufbau internationaler Entscheidungsstrukturen, sondern zum rücksichtslosen Gegeneinander nationaler Interessen und damit möglicherweise auch zur Krise internationaler Institutionen.“ S.17

Zwar mögen manche Daten veraltet sein, aber  die Grundrichtung der Epplerschen Analyse ist brandaktuell: „Was sich heute  als Reformmüdigkeit, als Nostalgie, als reaktionäre Welle oder gar als Neuauflage eines bornierten Nationalismus äußert, ist letztlich eine Krise der Hoffnung. … Wo die Zukunft überwiegend als Chance erlebt wird, dominiert Hoffnung. Wo die Zukunft überwiegend als Bedrohung empfunden wird, als etwas Undurchsichtiges, Undurchschaubares, Gefährliches, dominiert die Angst… Menschen klammern sich an die Sicherheiten der Vergangenheit, an Vorurteile, die wir längst für überwunden hielten.“ S.27

Im 3. Kapitel entwickelt Eppler die wichtige Unterscheidung von struktur- und wertkonservativ.  Die gilt gerade auch in der Kirche: „Wenn Kirchenaustritte ein Ausmaß erreichen, das schon auf mittlere Sicht die Volkskirche gefährdet, werden Strukturkonservative bei jedem Schritt ängstlich nach links und rechts schielen, um keinesfalls Anlass zu neuen Austritten zu bieten, während Wertkonservative es verständlich finden, dass Menschen, die seit langem nichts mit der Kirche im Sinn haben, ihr auch keine Steuer mehr entrichten. Sie werden fragen, wie die Botschaft, die der Kirche aufgetragen ist, so glaubwürdig ausgerichtet werden kann, dass sie in unserer Gesellschaft etwas bewirkt, auch auf die Gefahr hin, dass die Kirche neue Organisationsformen suchen muss.“ S. 31

Weitere Stichworte sind die Grundwerte, die fiskalischen Probleme und die Strukturpolitik. Seine Prognosen prüft er immer hinsichtlich der politischen Möglichkeiten. Er setzt sich mit Gesundheits- und Bildungspolitik auseinander. Immer wieder ist man erstaunt, wie lange wir schon die immer gleichen Probleme vor uns herschieben. Der „Machbarkeit des Notwendigen“ gelten seine damaligen Schlussüberlegungen. Immer wieder erwartet er Unterstützung von den Kirchen: „Es ist daher kein Zufall, dass gerade die Studentengemeinden bei der Studentenrevolte in der vordersten Front standen, dass die Bemühungen um Kriterien von Lebensqualität auch die Theologie erfasst haben, dass die Kirchen sich besonders des Umweltschutzes annehmen.“ S.123

Diese letzten Sätze lese ich mit Wehmut, denn in Württemberg hat der Oberkirchenrat einiges getan, um die Studentengemeinde ESG abzuwürgen. Dass heutige Studenten sich ohnehin pragmatischer orientieren, kommt noch hinzu. Mag sein, dass die jüngste Generation der „Fridays for Future“ diese Gedanken Erhard Epplers auch in der Kirche wieder anstößt.

14. Weltethos-Rede

Das „ Projekt Weltethos“ von Hans Küng habe ich von Anfang an unterstützt. Seine Verdienste für den interreligiösen Dialog sind immens. Darum konnte auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier in seiner Weltethos-Rede den krankheitshalber abwesenden Professor Küng in den höchsten Tönen als großen Gelehrten preisen. Auch die Universität Tübingen konnte sich noch einmal in diesem Glanz geehrt fühlen, wenn Steinmeier die Tübinger Professoren Ernst Bloch und Joseph Ratzinger in einem Atemzug, und die berühmten Stiftler Hölderlin, Schelling und Hegel bemühte. Lange ist es allerdings schon her. Trotzdem fühlten sich die meist  älteren Zuhörer im Uni-Festsaal sichtlich geschmeichelt. Aktuell bezog er sich in seinen Ausführungen zur Kommunikation der Religion  dann mehr auf das demnächst erscheinende Buch von Jürgen Habermas „Auch eine Geschichte der Philosophie.“ (Band 1: Die okzidentale Konstellation von Glauben und Wissen, Band 2: Vernünftige Freiheit. Spuren des Diskurses über Glauben und Wissen. 1752 Seiten, erscheint am 11.11.2019) Vielleicht sollte man gleich Habermas zur nächsten Weltethos-Rede einladen?

Man kann diese 14. Weltethos-Rede bequem im Internet nachhören, verzichtet dann aber auf die Freude des „Sehen und Gesehen werden“, die zu einer  solchen Veranstaltung nun einmal gehört.

https://www.weltethos.org/weltethos-rede/

Leute aus verschiedenen Berufen und wissenschaftlichen Disziplinen miteinander ins Gespräch zu bringen, ist gewiss ein wichtiger Effekt solcher Reden. Die „Stiftung Weltethos“ setzt dabei immer auf den „Promi-Faktor“, der für gehörige Aufmerksamkeit sorgt. Dies gilt besonders bei einem amtierenden Bundespräsidenten, obwohl der ja viele Reden hält und nicht jedes Mal etwas gänzlich Neues sagen kann.

Die Idee des Weltethos sei keinesfalls obsolet geworden, sagt Steinmeier, sie sei von historischer Dringlichkeit und enthalte einen kategorischen Imperativ, der die Menschen verpflichte zu Verständigung und Frieden, zum Aufeinanderhören, zum geduldigen Gespräch. Da hätte er den ehemaligen Tübinger Dozenten Philipp Melanchthon  (1512–1514) zitieren können, der schon vor Habermas feststellte: „Der Mensch ist zum Gespräch geboren.“

Küngs Engagement für Frieden und Verständigung unter den Religionen sei für ihn im August in Lindau bei der Weltversammlung von „Religions for Peace“ sichtbar geworden. „Hoffen wir alle zusammen, dass diese Saat weiter aufgeht.“

Tatsächlich hat man jetzt in der Bundesregierung die Bedeutung des Faktors Religion erkannt, vor  allem auch in den Krisen der Gegenwart. Allerdings sind die Schlussfolgerungen manchmal naiv. Das  wird das Küngsche Dictum „Kein Weltfrieden ohne Frieden der Religionen“ wie ein Mantra vorgetragen. Religionsdialoge auf höchster Ebene nutzen wenig, wenn manche Religionen eben nicht friedenswillig sind oder ein komplett anderes Verständnis von Frieden haben. Deswegen war es schade, dass Steinmeier den aktuellen Angriffskrieg der Türkei völlig ausgeklammert hat. Da kann man doch sehen, dass Muslime gegen Muslime kämpfen und die Religion einmal mehr Konflikt verschärfend wirkt. Dass wir dieses Phänomen auch aus der Christentumsgeschichte kennen, macht die Sache nicht besser.

Eine öffentliche Saaldiskussion ist in diesem Veranstaltungsformat leider nicht vorgesehen. Stattdessen gab es eine Art Podiumsdiskussion mit Eberhard Stilz und Anna Thomfeah von der „Stiftung Weltethos“. Hier zeigte der sonst so wohltemperierte Referent Emotionen, als er sich gegen die uninformierte „Quasselei“ in den Sozialen Medien wandte. Den jungen Leuten der Ökologie-Bewegung empfahl er Geduld, die die Demokratie nun einmal brauche. Man solle ihre Möglichkeiten nicht kleinreden. „Demokratie ist die Staatsform der Mutigen.“ Gedanken an eine „Ökodiktatur“ lehnte er darum ab und rief dazu auf, an einer verbesserlichen Welt zu arbeiten.

In meinen eigenen jahrelangen interreligiösen Dialogen musste ich die Erfahrung machen, dass insbesondere Vertreter von Islamverbänden solche Begegnungen für ihre Werbung nutzen, aber kein Interesse etwa an kritischen Anfragen haben. Ich fürchte, dass daran auch die Einrichtungen von Islam-Instituten wenig ändern. Dass der islamische Religionsunterricht beispielsweise die Friedensbereitschaft junger Muslime fördert, halte ich für ein Gerücht. Besser wäre es, wenn unsere Schulen kritische Rationalität im Sinne Habermas‘ in allen Fächern unterrichten.

Mir persönlich gab schon die erste Weltethos-Rede von Tony Blair einen Dämpfer. All die schönen Ausführungen zur Ethik hielten ihn ja nicht davon ab, zusammen mit den USA einen völkerrechtswidrigen Krieg gegen den Irak aufgrund von Lügen zu führen.

Vielleicht wäre es besser, wenn die „Stiftung Weltethos“ künftig weniger auf prominente Politiker setzt, sondern  mehr unbekannte Friedensaktivisten ins Rampenlicht bringt.

Wer versteht die Welt?

Dass ich in einem deutsch-amerikanischen Institut keinen USA-kritischen Vortrag erwarten kann, war mir klar, als ich kürzlich an der  Veranstaltung „Wir verstehen die Welt nicht mehr“ mit dem Berliner Journalisten Christoph von Marschall teilnahm. Im Wesentlichen referierte er die Thesen seines gleichnamigen, nicht mehr ganz neuen  Buches (Herder Verlag 2018). Angesichts der jüngsten Ereignisse hätte er treffender formulieren können. „Der amerikanische Präsident versteht die Welt nicht.“ Zwar sparte er nicht mit kritischen Bemerkungen über Donald Trump, verschwieg aber, dass für das Desaster im Nahen Osten schon frühere US-Präsidenten hauptverantwortlich sind, nicht zuletzt auch der von vielen deutschen Journalisten bejubelte Obama.

Stattdessen kritisierte Dr. von Marschall die deutsche Politik als zu risikoscheu und pazifistisch. Die Forderung nach mehr robuster Macht wird immer gern mit „mehr Verantwortung übernehmen“ verschleiert. Gemeint ist die Bereitschaft  zu  mehr militärischer Einsatzbereitschaft in aller Welt. Dass unsere Verfassung das nicht erlaubt, wird da großzügig übersehen. Um dieser Forderung Gewicht zu verleihen, wird sie als Stimmung der befreundeten Regierungen ausgegeben. Deutschland, das aufgrund der Last der Geschichte nach wie vor eine Sonderrolle beansprucht, habe mehr Verantwortung zu übernehmen, auch militärische. „Doch gerade in der Sicherheitspolitik ziert es sich.“

Alle Verbündete eine, dass sie den Deutschen den nicht unberechtigten Vorwurf machen, dass sie sich überall heraushalten wollen, wo sie Verantwortung übernehmen müssten; sei es wirtschaftlich, sei es in der Migrationsfrage, sei es militärisch. „Wir haben einen neuen deutschen Sonderweg, obwohl wir eigentlich keine Sonderwege mehr gehen wollten. Es gibt eine neue deutsche Frage unter umgekehrten Vorzeichen. Eine Frage an uns Deutsche: Wie wollt ihr eurer Verantwortung in der Welt gerecht werden?“

So mokiert er sich darüber, dass die Bundesregierung die 2%-Forderung der NATO nicht erfülle. Kein Wort verliert  er aber, dass die alte Forderung nach 0,7% für Entwicklungshilfe seit Jahrzehnten massiv verfehlt wird. Sollte man nicht die Fluchtursachen bekämpfen?

Mehr Prinzipientreue im Umgang mit der Türkei fordert der Tagesspiegel-Journalist. Die Erpressungspolitik in Ankara müsse ein Ende finden. Schließlich sei die Türkei als Nato-Mitglied ein Bündnispartner des Westens. „Sie verhält sich aber nicht wie ein Verbündeter, sondern sie macht ganz gezielt Politik gegen ihre Verbündeten, wenn es ihr regionalpolitisch in den Kram passt.“ Da müsse man dem türkischen Präsidenten Erdogan sagen, dass dies nicht gehe. „Entweder bist Du im Bündnis oder Du bist außerhalb des Bündnisses.“ Das ist ein frommer Wunsch! Die Türkei war nie ein Vertreter „westlicher Werte“. Sinnvoller wäre die Forderung, dieses Land, das gerade einen Angriffskrieg unternimmt, aus der NATO auszuschließen. Hier wäre  in der Tat mehr Prinzipientreue der EU (und nicht nur Deutschlands) angemessen.

Eingangs beklagte der Referent, dass dank der sozialen Medien die meisten Leute nur noch die eigene Meinung bestätigt finden wollen. Er wünschte sich, dass man öfter sich Positionen anhöre, mit denen man nicht übereinstimme. O.K., diesen Wunsch habe ich erfüllt.