Rettungsschiff der Kirche

„Man lässt keine Menschen ertrinken. Punkt.“ Dieser Satz aus der Schlußpredigt des Dortmunder Kirchentags gellt mir noch in den Ohren. Offenbar hat er bei vielen Leuten Aktivitäten ausgelöst und bei der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) die Idee geboren, ein eigenes Rettungsschiff ins Mittelmeer zu senden. Ein Bündnis „United for Rescue“ (Vereint für Rettung) setzt nun diese Idee um.

Die württembergische Reformgruppe „Offene Kirche“ (OK)  ist dem Bündnis beigetreten und unterstützt damit das Projekt der EKD ein weiteres Rettungsschiff auszurüsten. Sie möchte dazu beitragen, dass die gesellschaftliche Mehrheit für Menschlichkeit wieder sichtbar wird. Politisch Verantwortliche in Europa werden aufgefordert, überzeugende Lösungen umzusetzen und Menschenleben zu schützen.

Darum war es eine gute Idee, den Sprecher dieses Bündnisses, Pastor Joachim Lenz, zum Jahresempfang der Tübinger OK-Gruppe am 24. Januar einzuladen. Er berichtete aus erster Hand über den Stand der Planungen und  die teilnehmenden Organisationen, aber auch über Widerstand konservativer und rassistischer Kreise.

Entgegen manchen Kritikern war  immer klar, dass die Kirche  das Schiff nicht selbst betreiben wird. Sie hat mit „Sea Watch“ einen erfahrenen Partner gefunden. Das Bündnis ist natürlich offen für  weitere Organisationen. Aber zunächst ist es wichtig, dass möglichst viele Gemeinden und Kirchen sich finanziell beteiligen. Darum wird unter #wirschickeneinschiff zu Spenden aufgerufen. Kirchensteuern gehen von der EKD nur in den Aufbau des Bündnisses United4Rescue, nicht aber unmittelbar in das Schiff.

Aktuell soll das ehemalige Forschungsschiff „Poseidon“ ersteigert werden, das auf 1 Million Euro geschätzt wird. Dann kommen Kosten für Umbau und Unterhalt hinzu. Auch die Crew muss bezahlt werden.

Es kommt also darauf an, möglichst viele Unterstützer zu finden. Vielleicht kann man auch Evangelikale und Katholiken „ins Boot holen“. Schließlich hat der Vatikan seit 1951 ein eigenes Schiffsregister. Papst  Franziskus predigt in dieser Frage seit  einiger Zeit sehr ähnlich wie der Ratsvorsitzende der EKD Bischof Heinrich Bedford-Strohm.

https://www.united4rescue.com/

Dass noch  viele Fragen zu  klären  sind, zeigte die engagierte Diskussion. Mir scheint, dass die „Offene Kirche“ durch die letzte Kirchenwahl frischen Schwung bekommen hat. Jedenfalls arbeitet man sich  nicht mehr an konservativen Positionen des Pietismus ab, sondern bringt neue Ideen voran. Darum ist es sehr erfreulich, dass viele junge Leute zu dem (erstmaligen) Empfang gekommen waren, der vom neuen Sprecher Martin Ulrich Merkle humorvoll moderiert und mit einer fröhlichen Gesangseinlage eingeleitet wurde.

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