Kirchen in Südafrika

In einem Kreis der pensionierten Pfarrer sprach Professor James Cochrane über aktuelle kirchliche Entwicklungen in Südafrika. Sein nüchternes Fazit lautet, dass die Kirchen ihre gesellschaftsverändernde Kraft verloren haben.

Viele erinnern sich an den tapferen Kampf vieler Christen und Kirchen gegen den rassistischen Apartheidsstaat Südafrika. Seit aber Widerstandsorganisationen wie der ANC Regierungsparteien geworden sind, scheint der  politische Elan erschöpft. Gegen die nach wie vor absolute Armut und nun grassierende Korruption scheint kein Kraut gewachsen. Resignation  und Fatalismus breiten sich aus. Die verschiedenen traditionellen Kirchen sorgen sich um ihren Bestand und werden durch charismatische Bewegungen bedrängt, die ein „Wohlstandsevangelium“ versprechen.

http://www.religion.uct.ac.za/religion/staff/academicstaff/jamescochrane

Als Ökumenereferent  der Evangelischen Akademie Bad Boll hatte ich zwischen 2000 und 2010  zweimal Gelegenheit verschiedene Kirchen und ihre Projekte zu besuchen. Dazu kamen diverse Tagungen mit Referenten aus Südafrika. Es zeichnete sich schon ab, dass die ehemals so aktiven Kirchen keine neue Perspektive finden konnten. Auch die damals noch zahlreiche Unterstützerszene in Deutschland  hatte Schwierigkeiten, sich auf die neue Realität einzustellen.

Der für den Kampf gegen die Apartheid so wichtige Ökumenische Rat der Kirchen (ÖRK) verlor nicht nur Finanzen, sondern auch politischen Einfluss. Man sieht das an dem jüngsten Besuch einer ÖRK-Delegation.

Am 9. Dezember hat sich eine Delegation unter der Leitung von Pastor Dr. Olav Fykse Tveit, Generalsekretär des Ökumenischen Rates der Kirchen (ÖRK), mit dem südafrikanischen Präsidenten Cyril Ramaphosa und Mitgliedern seines Kabinetts in Johannesburg in Südafrika getroffen.

Dieser Pilgrim Team-Besuch ist als eine Reise im Zeichen der Solidarität und Spiritualität gedacht, die zu Veränderungen der Menschen führt, sowohl der Besuchten als auch der Besuchenden auf ihrem gemeinsamen Pilgerweg der Gerechtigkeit und des Friedens. Der Südafrikanischen Kirchenrat (SACC) richtet diesen Besuch aus.

Der ÖRK möchte sich vor Ort über zwei wichtige Themen in Südafrika informieren: geschlechtsspezifische Gewalt und Morde an Frauen, und Gewalttätigkeiten gegenüber ausländischen Staatsangehörigen.

Zu der ÖRK-Delegation unter der Leitung des ÖRK-Generalsekretärs Dr. Olav Fykse Tveit und der stellvertretenden ÖRK-Generalsekretärin Prof. Dr. Isabel Apawo Phiri gehören Mitglieder der ÖRK-Kommission der Kirchen für Internationale Angelegenheiten mit ihrem Vorsitzenden Pastor Frank Chikane aus Südafrika.

Tveit sagte nach dem Treffen mit Ramaphosa und der Delegation: „Das Gespräch mit Präsident Cyril Ramaphosa bot die einmalige Gelegenheit, globale Themen anzusprechen, die auf der Agenda des Ökumenischen Rates der Kirchen stehen und die auch zu den großen aktuellen  Herausforderungen für die Kirchen und die Gesellschaft in Südafrika zählen.“

Tveit fügte hinzu: „Zusammen können wir unsere gemeinsame Geschichte bekräftigen, die auf die Zeiten des Kampfes gegen das ungerechte Apartheidsystem zurückgeht und die sich im ÖRK-Programm zur Bekämpfung des Rassismus heute fortsetzt. Der Rassismus ist nicht tot, sondern ein globales Phänomen mit zahlreichen neuen Gesichtern. Der ÖRK muss dagegen vorgehen und diesen Kampf gemeinsam mit unseren Kirchen und Partnern führen. Wir haben über unsere Arbeit zum Thema geschlechtsspezifische Gewalt berichtet und darüber, wie unsere Arbeit gegen Fremdenfeindlichkeit aussieht, und wir haben uns für ein erneutes Engagement und für Zusammenarbeit zu diesem Thema mit unseren Partnern hier in Südafrika stark gemacht.“

Tveit wies darauf hin, dass der Pilgerweg der Gerechtigkeit und des Friedens dem ÖRK dabei geholfen habe, sein Engagement im Kampf gegen Rassismus und damit verbundene Herausforderungen durch seelsorgerische Arbeit und öffentliche Advocacy-Arbeit fortzusetzen, aber auch durch Predigten und Lehre. „Das Treffen hat bestätigt, wie wichtig der Beitrag der Kirchen zu dieser Thematik ist, und wir haben gezeigt, dass wir bereit sind, die Wahrheit öffentlich und auch selbstkritisch gegenüber uns selbst auszusprechen“, sagte Tveit.

Minister Dr. Aaron Motsoaledi und eine Delegation des Innenministeriums waren ebenfalls zu einem Treffen mit der ÖRK-Delegation eingeladen, um über Themen wie Migration und Flüchtlinge und deren Rechte zu sprechen.

Dieser ÖRK-Besuch ist ein historisches Ereignis, denn es  ist das erste Mal seit vielen Jahren, dass eine Delegation des ÖRK offiziell zu einer  Gerechtigkeitsmission nach Südafrika gekommen ist.

Tveit fügte hinzu: „Südafrika nimmt einen sehr speziellen Platz in der Geschichte und im Herzen des ÖRK und seiner Führungskräfte ein, auch heute noch. Der Kampf für Gerechtigkeit, Menschenrechte und Menschenwürde im Rahmen des ÖRK-Programms zur Bekämpfung des Rassismus hat dazu beigetragen, die Realität in Ihrem Land zu verändern, und er hat auch die Kirchen weltweit verändert. Südafrika hat in der Welt eine Vorbildfunktion, wenn es um die Zusammenarbeit für Wahrheit, Gerechtigkeit und Frieden und um die Suche der Kirchen nach Einheit geht. Heute erleben wir, wie die Menschen in Südafrika und in den Nachbarländern wieder gegen Gewalt und wirtschaftliche Ungerechtigkeit und Benachteiligung aus ethnischen Gründen kämpfen.“

https://www.oikoumene.org/de/press-centre/en/press-centre/news/wcc-delegation-to-meet-president-ramaphosa-to-discuss-gender-based-violence-and-violence-on-foreign-nationals-in-south-africa

Im überaus empfehlenswerten Jahrbuch Mission 2018 „ Faszination Afrika“ (Missionshilfe Verlag Hamburg 2018, S.165ff) beschreibt Pastor Moss Nthla von der „South African Christian Leadership Initiative“ (SACLI) durchaus hoffnungsvoll die gegenwärtige Entwicklung: „In jüngster Zeit kommt das prophetische Zeugnis wieder voll zur Geltung und gibt den Südafrikanerinnen und Südafrikanern den Glauben zurück, dass der Kampf gegen die Korruption gewonnen werden kann. Auch in Bezug auf Armut, Arbeitslosigkeit und Ungleichheit haben die Kirchen ihre Rolle weitgehend wieder übernommen indem sie zur Bildung beitragen.“  www.sacli.org.za

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