Das Versprechen

Überraschende Wende in einem der spektakulärsten transatlantischen Kriminalfälle der vergangenen Jahrzehnte: Der wegen Doppelmordes in den USA verurteilte deutsche Diplomatensohn Jens Söring (53) kommt nach Jahrzehnten im Gefängnis auf Bewährung frei.

Dieser Fall hat mich aus verschiedenen Gründen bewegt: Der Student Jens Söring, damals ganze 18 Jahre alt,  ist nur um ein Todesurteil herumgekommen, weil die britische Justiz ihn sonst nicht ausgeliefert hätte. Die Gerichtsverhandlung in den USA ließ große Zweifel an der Rechtsstaatlichkeit des Verfahrens  aufkommen. Man denkt unwillkürlich an den Klassiker „Die 12 Geschworenen“, in dem eine einzige Stimme das Todesurteil abwenden konnte. (In Deutschland kommen „Lebenslängliche“ bei guter Prognose nach 15 Jahren frei.) Viele Fragen des Doppelmordes sind weiterhin nicht geklärt. Freigesprochen oder begnadigt ist Söring noch nicht. Die ARD ließ es sich nicht nehmen, den Dokumentarfilm „Das Versprechen“ von 2016 noch einmal auszustrahlen. Man muss dem Filmemacher Marcus Vetter für die überzeugende Sachlichkeit danken. Die Geschichte hätte auch ein blutrünstiger Thriller werden können. Die Zeitung mit der großen Auflage und den großen Buchstaben hat es sich schon nicht nehmen lassen, ein paar unappetitliche Details aus den dreißig Jahre  alten Akten wieder zu verbreiten. „Sex and Crime sells“.

https://www.ardmediathek.de/swr/player/Y3JpZDovL3N3ci5kZS8xODM4ODcxOA/

Neben dem eigentlichen Drama interessiert mich wegen meiner ehrenamtlichen Tätigkeit in einer Justizvollzugsanstalt ein theologischer und seelsorgerlicher Aspekt. Offenbar hat Söring in der Haft eine Art Bekehrung erlebt und dazu publiziert. Nicht unwichtig war dabei wohl der Gefängnisseelsorger, der  sich um ihn jahrelang gekümmert hat. Offenbar hat der sich derartig stark engagiert, nicht zuletzt durch Briefe, dass ihm die Gefängnisleitung den Zugang verwehrt hat. Da würde ich doch gern mehr  Einzelheiten wissen. Wo ist die Grenze der Gefängnisseelsorge? Gibt es da Unterschiede zwischen der  Praxis in den USA und Deutschland? Vielleicht werden wir dazu mehr erfahren, wenn Söring endlich in Deutschland frei sprechen kann. Es heißt, dass er wohl weiter schriftstellerisch tätig sein wird. Er betreibt bereits eine eigene Homepage: https://www.jenssoering.de/

Seine bisherigen Themen waren zur Meditation Gebet und Rechtsprechung: Wiederhole schweigend ein Wort, Gütersloh 2009.

Richtet nicht, damit ihr nicht gerichtet werdet, Würzburg 2008.: „Als Gott Mensch wurde, wurde er kein Priester oder Mönch, kein König oder General, kein Dichter und kein Philosoph. Nein! Er wurde ein zum Tod verurteilter Gefangener. Als ein Verbrecher wurde er zwischen zwei Kriminellen hingerichtet. Daran ist nicht zu rütteln: Das lebendige Bild des unsichtbaren Gottes konnte keine wahrhaftigere Form annehmen als die eines bereits zu Lebzeiten Toten, die Form des Niedrigsten der Niedrigen.“
Diese zentrale, immer wieder verdrängte Wahrheit des Glaubens ist Grundlage und Ausgangspunkt des Buches. Er konfrontiert  den Alltag im (US-amerikanischen) Gefängnis mit der Botschaft des Evangeliums von Gnade, Mitleid und Verzeihen. Er fordert dazu heraus, mit den Augen Jesu auf die in der Gesellschaft wirklich unten Stehenden, die Ausgestoßenen und Ausgeschlossenen, zu schauen und sich unbequem-heilsamen Fragen zu stellen. Ausgezeichnet mit dem Catholic Press Award 2007

Ein Tag im Leben des 179212, Gütersloh 2008. Nicht schuldig! – Wie ich zum Opfer der US-Justiz wurde, 2012. The Church of the Second Chance. A Faith-Based Approach to Prison Reform. Lantern Books, New York 2008.

https://de.wikipedia.org/wiki/Jens_S%C3%B6ring

 

 

 

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