„Wir sind das Klima“

Es gibt nicht viele politische Diskussionskreise, in denen einigermaßen sachlich und überparteilich über Zukunftsfragen gesprochen wird. Der „Politische Gesprächskreis“ in unserer Stadtbibliothek gehört dazu.  https://www.foerderverein-stadtbibliothek-rottenburg.de/index.php/de/veranstaltungen/politischer-gespraechskreis

Gestern ging es das Buch Jonathan Safran Foer, Wir sind das Klima! Wie wir unseren Planeten schon beim Frühstück retten können, Verlag Kiepenheuer & Witsch, Köln 2019

Leider gibt es immer Leute, die den menschengemachten Klimawandel grundsätzlich anzweifeln und die ganze Debatte wieder zurückdrehen. Wer das tut, braucht natürlich kein Buch zu lesen oder zu diskutieren, das nun nach  unseren Konsequenzen fragt. Dabei hatte Ulrich Urban in seinem Impuls schon die richtigen Voraussetzungen genannt.

 Am 5.11.2019 verweist SPIEGEL ONLINE auf einen Bericht, in dem weltweit 11.000 Wissenschaftler dringend zu grundlegenden Änderungen im Klimaschutz aufrufen, ansonsten drohe unsägliches menschliches Leid“.
Es gibt keinen Mangel mehr an Sachdaten zur Klimakrise. Wir wissen, was da gerade passiert, aber wir handeln nicht entsprechend. Jonathan Foer, einer der profiliertesten amerikanischen Romanautoren, zeigt in seinem Buch ‚Wir sind das Klima‘ auf, mit welchen Verdrängungsmechanismen wir Menschen auf diese nicht fassbare Größenordnung des Klimaproblems reagieren. Danach sind nicht die Klima-Leugner das größte Problem, sondern die Klima-Agnostiker. Diese rechtfertigten ihr Nichtstun mit unterschiedlichen Ausreden.
Wir wollen anhand einiger seiner Thesen die folgenden Kernfragen diskutieren: Wie können wir ehrlich mit unserer Überforderung angesichts der drohenden Katastrophe umgehen? Wie kommen wir vom Wissen zum Handeln? Was kann der konkrete Beitrag jedes einzelnen Bürgers sein? Und in die Zukunft gerichtet: Wie sieht gutes Leben aus, das klimaneutral ist?

Natürlich ist es – vor allem für Rentner – viel bequemer, sich allen Herausforderungen zu einer Änderung des eigenen Verhaltens zu entziehen. Das gilt vor allem, wenn selbst die Regierung, die es besser weiß, ein sehr zaghaftes „Klimapaket“ vorlegt.

Foer beschreibt weniger  die politischen Forderungen, die zu stellen sind. Sein Interesse ist das private Verhalten, das jeder Einzelne verändern kann. Im Blick sind da vor allem die Ernährungsgewohnheiten mit der dazugehörigen Nutztierhaltung. Nur ein  Beispiel: Knapp 60% des verfügbaren Lands weltweit wird für Tierfutteranbau verwendet, 35% des Süßwassers werden für Tierzucht verwendet. Tiere sind Hauptproduzenten für Methan und Stickoxide, die nah CO2 die zweit- und dritthäufigste Treibhause sind. Methan hat ein 28-fach höheren Treibhaus-Effekt als CO2, Stickoxide einen noch wesentlich höheren CO2 Effekt. Kurz: Um eine Fleischkalorie zu produzieren werden 26 Futterkalorien benötigt. Die Massentierhaltung ernährt nicht die Welt, sondern lässt sie verhungern.

In unserer Debatte fiel mir auf, dass es den meisten schwer fiel, zu den vorgetragenen Thesen zu sprechen. Jeder hatte irgendwas anderes gelesen, was ihm derzeit wichtiger erscheint. Die Wissenschaftsskeptiker offenbarten ungewollt paradox eine Art Wundererwartung an die Wissenschaft. „Der wird schon etwas einfallen, um die Probleme technisch zu lösen.“ Mich erinnerte das an den verzweifelten Glauben vieler Deutscher 1945 an die Wunderwaffe.

Vielleicht sollten auch Senioren von  den jungen Leuten bei „Fridays  for Future“ lernen. Zufällig veröffentlicht unsere Lokalzeitung, die „Südwest-Presse“ heute ein eindrucksvolles Interview mit Luisa Neubauer.

https://www.swp.de/fridays-for-future-aktivistin-luisa-neubauer-_23_-_ich-bin-zu-jung-fuer-zynismus_-40913430.html

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