Friedensklima

In den 8oiger Jahren habe ich in Tübingen den Shalom-Gottesdienst mitbegründet. In der damaligen Friedensbewegung wollten wir in der Tradition  des Politischen Nachtgebet (Dorothee Sölle) einen Ort schaffen, in dem Kampf und Kontemplation für den Frieden zusammenkommen. Gestern war ich einmal wieder dabei. Es ging um das Thema „Friedensklima“ der diesjährigen Friedensdekade.

Es ist erfreulich, dass viele Veranstalter dieses Motto aufgenommen haben. Allerdings beobachte ich besonders in den Kirchengemeinden die Tendenz, Orgelkonzerte, Andachten und Gottesdienste, die ohnehin stattfinden, flugs unter das Motto zu stellen. Politische Aktionen werden dann eher vermieden, notwendige  Auseinandersetzungen auch.

Mit dem Motto „friedensklima“ wollen die Trägerorganisationen der Ökumenischen FriedensDekade zum einen auf die Zusammenhänge des bereits eingetretenen Klimawandels und dessen Konsequenzen für den Frieden aufmerksam machen. „Was hat der von uns Menschen verursachte Klimawandel mit dem Frieden zu tun und inwieweit wird er mitverantwortlich sein für zukünftige Kriege und Konflikte?“, brachte Jan Gildemeister, Vorsitzender des Vereins Ökumenischen FriedensDekade e.V. und Geschäftsführer der Aktionsgemeinschaft Dienst für den Frieden (AGDF), das Anliegen auf den Punkt. In den Arbeitsmaterialien sollen diese Zusammenhänge aufgezeigt, insbesondere aber Chancen und Möglichkeiten sichtbar gemacht werden, wie klimabedingte Konflikte verhindert werden können. Zum anderen wirft das Motto die Frage nach der zunehmenden Individualisierung in unserer Gesellschaft auf, die sich auch in einem Mangel an Mitmenschlichkeit und Empathie ausdrückt. „Im Umgang miteinander, im Umgang mit gesellschaftlichen Minderheiten ebenso wie in der Sprache kommt eine zunehmende Respektlosigkeit dem Anderen und dem Fremden gegenüber zum Ausdruck – auch in der politischen Auseinandersetzung. Von einem friedlichen Klima im Miteinander sind wir weit entfernt“, fasste Marina Kiroudi, Vertreterin der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) aus Frankfurt, eine der Trägerorganisationen der Ökumenischen FriedensDekade, den zweiten Aspekt des Mottos zusammen

https://www.friedensdekade.de/

Gestern abend allerdings betonte Pfarrer Karl-Theodor Kleinknecht die verheerende Rolle des Militärs bei der Umweltverschmutzung.

Armeen weltweit verursachen enorme Mengen an klimaschädlichen Emissionen, indem sie mit Rüstungsproduktion und Rüstungsexport Kriege vorbereiten, bei Manövern und schließlich im Einsatz selbst, aber auch bei anschließenden Besatzungen. Krieg und Militär gehören zu den größten Verbrauchern von Energie und anderen Ressourcen und verschlingen weltweit 1,8 Billionen Dollar an Rüstungsausgaben.

So ist der Treibstoff-Verbrauch beispielsweise von Kriegsflugzeugen und Kriegsschiffen enorm, entsprechend hoch sind auch die Emissionen. Ein Eurofighter verbraucht ca. 70-100 Liter Kerosin pro Minute. Allein auf der Base Ramstein finden jährlich 30.000 Starts und Landungen statt. Dabei werden 1,35 Milliarden m³ klimaschädliche Abgase freigesetzt. Der fliegende Großraumtransporter Galaxy verbraucht bei einem Start 3.500 Liter Treibstoff.

Das US-Militär – einer der größten Klimasünder in der Welt. „Das US-Verteidigungsministerium ist mit einem Anteil von 77 bis 80 Prozent am gesamten Energieverbrauch der US-Regierung der größte Verbraucher fossiler Brennstoffe.

Am 26. Juni 2019 schreibt Andreas Krebs in Telepolis: „Das US-Militär ist einer der größten Klimasünder in der Geschichte, es verbraucht mehr flüssige Kraftstoffe und emittiert mehr Kohlenstoff als die meisten Länder. Das Pentagon kann als weltweit größter Endverbraucher fossiler Brennstoffe angesehen werden.

Interessant ist, dass die militärischen Emissionen bewusst, sowohl aus dem Kyoto Protokoll und den anderen UN-Klimadokumenten einschließlich der Charta von Paris auf Druck der NATO-Staaten, ausgeklammert wurden.

Der US-Friedensaktivist Barry Sanders schreibt: „…der jährliche CO² Ausstoß des US-Militärs beträgt 73 Mill Tonnen CO², die den übrigen Mengen der Treibhausgasemissionen der USA hinzugerechnet werden müssen.“

Auch der Einsatz chemischer Kampfstoffe schädigt Menschen und Umwelt gleichermaßen. In seinem Buch weist Sanders auch darauf hin, dass nach dem Napalm-Einsatz der USA in Vietnam dieser Kampfstoff zwar von der UNO geächtet ist, jedoch haben die USA diese Konvention nie unterzeichnet.

Stattdessen setzten sie in der irakischen Stadt Falludscha statt Napalm weißen Phosphor gegen die Zivilbevölkerung ein, ein Luftschadstoff, der ganze Regionen auf Jahrzehnte unbewohnbar macht. Es geht aber auch um die Folgen z.B. des Einsatzes von Uranmunition wie im Irak oder im Krieg gegen Jugoslawien. Da das in dieser Munition enthaltene angereicherte Uran eine Halbwertzeit von 4,7 Milliarden Jahren hat, werden irreparable Umweltlasten für die Ewigkeit verursacht. Mehr als 1000 Tonnen dieser Munition wurden von den USA im Irakkrieg eingesetzt.

ICAN (Internationale Kampagne zur Abschaffung von Atomwaffen – (bekam den Friedensnobelpreis) schätzt, dass seit Beginn des atomaren Zeitalters im Juli 1945 über 2000 Atomwaffentests durchgeführt wurden. Oberirdisch, unterirdisch und unter Wasser. Diese Tests haben inzwischen die gesamte Weltbevölkerung verstrahlt. Die oberirdischen Atomwaffentests seit 1945 hatten eine Sprengkraft von 29.000 Hiroshimabomben. IPPNW (Ärzte für die Verhütung des Atomkriegs) schätzt, dass an den Folgen oberirdischer Atomwaffentests 2,4 Millionen Menschen gestorben sind. Kriegsschiffe wie Flugzeugträger und Atom-U-Boote sind schon in „Friedenszeiten“ schwimmende Zeitbomben. Würden sie in militärische Konflikte involviert, hätte das unabsehbare Folgen für Menschen und Natur.

Ein weiteres Problem kommt hinzu: Noch immer stellen Munition, Bomben, Granaten, Minen, Torpedos und chemische Kampfstoffe aus dem zweiten Weltkrieg eine tödliche Gefahr dar. Man schätzt, dass noch immer 1,6 Millionen Tonnen davon auf dem Grund von Nord- und Ostsee liegen. Die metallischen Hüllen dieser Kampfstoffe sind heute teilweise durchgerostet. Geraten diese Substanzen ins Meereswasser, ist es kaum möglich, sie unschädlich zu machen.

Das Verhältnis Militär: Umweltbelastung: Klimawandel: Klimakriege stellt einen Teufelskreis dar. „Aufgrund knapper werdender Ressourcen muss sich die Welt in Zukunft auf Rohstoff-Kriege einstellen“, heißt es in einer Studie der Transatlantic Academy zur Ressourcen-Knappheit aus dem Jahr 2012. Rohstoffe seien häufig nicht die einzige, aber eine entscheidende Ursache von Konflikten. 20% der Weltbevölkerung verbrauchen heute 80% der globalen Ressourcen und verursachen 80% der weltweiten Abfallmenge. Um diesen Zustand aufrecht zu erhalten werden Kriege geführt. Mit katastrophalen Folgen für Mensch, Klima und Umwelt.

Fazit

Klimaschutz braucht Abrüstung! Damit würden die materiellen und finanziellen Mittel frei für eine sozialverträgliche Rüstungskonversion, und damit verbunden ergäbe sich eine Reduktion des CO² Ausstoßes. Mit einem Bruchteil der 1,8 Billionen Dollar weltweiter Rüstungsausgaben könnte nicht nur Hunger und Unterentwicklung weltweit beseitigt werden. Mit dem Aufbau regenerativer Energiesysteme in Entwicklungsländern könnte ein Teil der Klimaschulden der kapitalistischen Metropolen gegenüber diesen Ländern beglichen werden. Mittel würden frei für die Erforschung und Entwicklung von Umwelttechnologien; klimafreundliche Massenverkehrssysteme für eine sozialökologische Transformation.

Siehe auch https://www.isw-muenchen.de/2019/07/militaer-und-krieg-als-klimakiller-nummer-eins/.

Ich wünsche mir, dass Christen ihre Harmlosigkeit überwinden und sich  endlich diesen Herausforderungen stellen.  Infantile Meditationen betrachte ich als Gotteslästerung.

Ein Kommentar zu „Friedensklima

  1. So klar habe ich das noch nie gelesen.Vielen Dank.
    Im kommenden Jahr werden bei der Übung „Defender 2020“ 20 000 Soldaten von Amerika nach Europa verlegt werden.In der Luft, nicht mit Segelbooten. Die klimaschädlichen Auswirkungen militärischer Aktionen sollte von der Klimabewegung mehr in den Blickpunkt gerückt werden.

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