Kirchenwahlkandidaten

Die Vorbereitungen zur Kirchenwahl in der Evangelischen Württembergischen Landeskirche am 1. Dezember haben unsere Kirchengemeinde Rottenburg erreicht. Immerhin können dort über 6000 Gemeindeglieder (ab 14 Jahren) den Kirchengemeinderat (KGR) und die Landessynode wählen. Allerdings dürfte das Interesse nicht besonders groß sein, fürchte ich.

Die lokalen Kandidaten stellten sich deshalb am Gemeindefest vor, wo gewöhnlich noch am meisten Leute zusammenkommen. Wer sich am Gemeindeleben beteiligt, dürfte die meisten schon kennen. Es ist sehr erfreulich, dass mehr Kandidaten als die zwölf nötigen sich zur Verfügung stellen. Erfreulich auch, dass etliche wiederholt kandidieren. Also scheint die Mitarbeit sehr gut zu sein. Natürlich betonten die meisten, was sie bisher schon für die Gemeinde und sonst für die Gesellschaft tun. Der Kirchengemeinderat ist aber ein Leitungsgremium, der die Finanzen und Gebäude verantwortet, Personal einstellt und womöglich Pfarrer/innen und über die Bezirkssynode eine(n) neue(n) Dekan/in wählt.

Da ständig neue Aufgaben und Projekte angefangen werden, muss der KGR auch die unbequemen Entscheidungen treffen, welche bisherigen Arbeitsgebiete aufgegeben werden.

Damit  die Wahl nicht zur Lotterie wird, muss die Gemeinde nun offensive Öffentlichkeitsarbeit betreiben. Da sollte denn auch die Homepage aktualisiert werden.

www.evangelisch-in-rottenburg.de.

Gleichzeitig wird die neue Landessynode Württemberg gewählt. Die ist für viele noch immer wenig bekannt, obwohl die Sitzungen inzwischen im Internet verfolgt werden können. Bei der Vorstellung der acht Kandidaten für den Kirchenbezirk Tübingen kamen deswegen gestern Abend – kaum überraschend – nur wenige Interessierte.  Da jede(r) zwar nur fünf Minuten für seine Vorstellung benötigte, blieb für die inhaltliche Darstellung grundsätzlicher Probleme nur noch der halbe Abend. Obendrein fanden die Veranstalter es sinnvoll, Fragen nur schriftlich einzusammeln, die dann mehr oder weniger ausführlich beantwortet wurden. Das trug zwar zu großer  Sachlichkeit bei, verhinderte aber Nachfragen oder kontroverse Diskussionen. Die zwei Kandidatinnen und sechs Kandidaten argumentierten im Wesentlichen Im Rahmen ihrer jeweiligen Gesprächskreise, die in der Synode partout nicht Kirchenparteien genannt werden sollen. Deren Grundsatzprogramme lagen gedruckt auf einem Schriftentisch aus. Ob sie auch gelesen werden?

Man kann fragen, ob die württembergische Kirchenverfassung noch zeitgemäß ist. So werden jeweils „Pfarrer und Laien“ getrennt gewählt. Besser würde man von „Ordinierten“ und „Nichtordinierten“ sprechen, denn letztere sind manchmal recht kompetente Theologen. Das jetzige System schafft aber entgegen dem protestantischen Prinzip vom „Priestertum aller Gläubigen“ doch eine Art Klerus, der das Kirchenparlament beherrscht. Eine Frage lautete gestern Abend: „Die Synode wird demokratisch gewählt, der Oberkirchenrat (OKR) aber  nicht. Was halten Sie davon?“ Tatsächlich wirken Oberkirchenräte und Prälaten meistens unbefristet und haben schon deswegen eine überstarke Stellung. Man spricht dann gern von Dienstgemeinschaft, um den Eindruck von Konflikten gar nicht erst aufkommen zulassen. Voller Konfliktscheu erscheinen mir auch die meisten öffentlichen Tagungen, in denen die Synodalen stundenlang Berichte sich anhören müssen, Streitfragen in die Ausschüsse verlagert und politisch anstößige Entscheidungen oder Verlautbarungen vermieden werden.

Doch vielleicht überraschen uns die Kandidaten ja mit neuen Ideen.

https://www.elk-wue.de/22102019-165-kandidaten-fuer-die-landessynode

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