Hospiz

Gestern nahm ich an der Grundsteinlegung des Tübinger Hospiz teil. Schließlich hatten wir uns im Verwaltungsrat des Deutschen Instituts für ärztliche Mission (Difaem) lange genug damit befasst. Vor allem quälte die Frage, wie man nach dem Neubau des Paul-Lechler-Krankenhauses noch diesen weiteren Neubau  stemmen sollte. Doch unsere Difaem-Direktorin Dr. Gisela Schneider ist in ihrem unverwüstlichen Glauben zuversichtlich, dass wir auch die restlichen zwei Millionen Euro noch einsammeln können. Diese Zuversicht strahlte gestern gewissermaßen mit der Sonne um die Wette, als hundert engagierte Spender und Förderer den „Grundstein“ legten, der allerdings noch nicht den Baubeginn anzeigt. Baugenehmigung und Bauunternehmer fehlen noch. „Wir sind ready to go!“, sagte Schneider trotzdem in ihrer Begrüßung.

Als ich Ende der sechziger Jahre in Tübingen Theologie studierte, wunderte ich mich, dass man von der wichtigen Arbeit des Difaem kaum etwas mitbekam. Das Sterben war auch in der Theologie tabuisiert, obwohl ich an einer Sozietät mit Professor Jüngel teilnahm, der gerade ein Buch über den Tod geschrieben hatte. Erst als ich einen Missionsarzt in unsern „Weltladen“ einlud,  um über  die Befreiung der portugiesischen Kolonien zu  sprechen, lernte ich das Difaem kennen. Damals war uns das das Sterben in Afrika wichtiger als das in Deutschland. Doch als Pfarrer am Sterbebett wird man schnell mit den hiesigen Problemen konfrontiert. Gleichzeitig hatte man den Eindruck, dass auch Mediziner schlecht vorbereitet sind und den Tod nur als Niederlage ihrer ärztlichen Kunst verstehen.

Darum organisierte ich als Studentenpfarrer in den 80iger Jahren mit Christoffer Grundmann vom Difaem Seminare für Theologie-  und Medizinstudenten zum Thema „Umgang mit Sterbenden“. Es war die Zeit, als die „Sterbeforscherin“ Elisabeth Kübler-Ross auch in Württemberg die Massen begeisterte und bei einem Vortrag in Tübingen gleich vier Hörsäle gleichzeitig füllte.

In jenen Jahren hörte ich im Difaem einen frommen englischen Arzt, der als erster eine „Sterbeklinik“ in London führte.  Dieses Wort fanden wir abschreckend, weshalb man später das schönere altchristliche Wort Hospiz benutzte.

Die weitere Entwicklung musste ich von Afrika aus verfolgen, wo Sterben und Tod nicht verdrängt werden können, sondern für die meisten Menschen eine tägliche Erfahrung bleiben.

Inzwischen ist die Entwicklung der Palliativmedizin weitergegangen und auch die Seelsorge an Sterbenden wurde professioneller. Gern spricht man heute von „Begleitung in Würde“, vergisst aber oft, dass wir letztlich die Sterbenden einem Größeren anvertrauen müssen und (vorerst) zurückbleiben.

http://www.difaem.de

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