Parents for Future

„Welterschöpfungstag“ ist heute. Das ist ein guter Grund für Demonstrationen, auch wenn nicht Freitag ist. https://utopia.de/ratgeber/earth-overshoot-day.

Da ich etwas abseits stehe, spricht mich ein Demonstrant an: „Machen Sie mit, das ist wichtig.“  Mir liegt auf der Zunge zu sagen: „Ich habe schon mehr Demos mitgemacht als Sie Lebensjahre zählen.“ Aber ich verkneife mir diese altkluge Bemerkung. Ich freue mich ja, dass die jungen Leute aktiv werden. Schließlich geht es vor allem um ihre Zukunft.

Mit einem grünen Ministerpräsidenten und ebenso grünem Oberbürgermeister in Tübingen sollten eigentlich die Schüler mit „Fridays for Future“-Bewegung offene Türen einrennen. Doch das täuscht. Noch immer bestimmen in Württemberg  die  Autokonzerne unsere Zukunft.

Am 8. April veröffentlichte “Fridays for Future“ einen Forderungskatalog ,mit Kurz- und Langfristzielen. Sie fordern eine Senkung der Treibgasemissionen in Deutschland bis 2035 auf null, die Umsetzung des Kohleausstiegs bis 2030 und 100 % erneuerbare Energien in der Energieversorgung bis 2035. Außerdem sollen folgende Ziele bis Ende 2019 umgesetzt werden: Abschaffung eines Viertels aller Kohlekraftwerke und Einführung einer CO2-Steuer auf alle Treibhausemissionen.

Georg Feulner vom Potsdam Institut für Klimaforschung: „Letztlich hat „Fridays for Future“ wahrscheinlich mehr bewirkt als 30 Jahre Klimaberichte schreiben“.

Die „Süddeutsche Zeitung“ (Nr. 173) widmet heute der Bewegung eine ganze Seite. Schließlich reagiert inzwischen sogar die bayrische Staatsregierung positiv. Die SZ erwähnt aber auch eine radikalere Bewegung, der das wöchentliche Demonstrieren nicht mehr reicht. Die „Extinction Rebellion“ (Rebellion gegen das Aussterben) greift aktiv in das Alltagsleben ein. Sie behindern Zufahrtswege zu Flughäfen, belagern Rathäuser oder legen Kreisverkehre lahm. Wann werden sie den SUVs in die Reifen stechen? Autos anzünden? Kreuzfahrtschiffe am Auslaufen hindern? Ansätze dazu gibt es schon.

Und die Kirche? Vierzehn Jahre habe ich in der Evangelischen Akademie Bad Boll mitgearbeitet, die in unzähligen Tagungen und Veranstaltungen Vorarbeit für ökologische Verantwortung  geleistet hat. Man fragt sich, was davon nun wirklich umgesetzt  wird. Predigen allein reicht ja sicher nicht.

1976 forderte ich als Vikar in einer Bezirkssynode, dass sich Christen und Kirchen auf eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf Straßen freiwillig verpflichten sollten. Wie immer, wenn es in der Kirche  konkret wird, wurde der Antrag abgelehnt. Jetzt (!) nach über 40 Jahren kommt der württembergische Landesbischof reichlich spät auf die gleiche Idee. Jetzt wäre doch wohl ein radikalerer Schritt angezeigt.

Ein zunehmend wichtiger Wirtschaftsfaktor ist der Tourismus. Urlauber müssen ebenso umdenken wie auch die Supermarktkunden. Es gibt Alternativen zum Massentourismus, wenn man nicht nur auf den Billigpreis schaut. Manche kirchlichen Veranstalter sind da Vorreiter. Im Grunde könnte jede lokale Kirchengemeinde auf entsprechende Gästehäuser hinweisen und so alternativen Urlaub propagieren. So kann man  einheimische Familien statt internationale Tourismuskonzerne fördern. In der Schweiz – so höre ich – haben Kinder schon manche Eltern von Flugreisen abgebracht.

https://parentsforfuture.de.

Irgendwie geht mir eine Zeile aus der Tübinger „Bauernoper“ von 1973 (Karsunke/Janssen) nicht aus dem Kopf: „Geschlagen ziehen  wir nach Haus, die Enkel fechten’s besser aus.“

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