Meine Mondlandung

Viele Leute erinnern sich an die Mondlandung 1969. Ich studierte damals in Heidelberg und hatte nur ein mieses Zimmer gefunden. Meine Vermieterin hockte stets in der kleinen Küche, von wo sie beobachten konnte, wer in die Wohnung kam. Damenbesuch war natürlich strikt verboten. Sie war geizig und sammelte die Miete bar  ein. Im Unterschied zu den beiden anderen Untermietern ließ ich mich immer auf ein Schwätzchen ein, weil ich mir davon eine Verbesserung der Stimmung im Haus versprach. Vielleicht lud sie mich deswegen ein, die Übertragung der Mondlandung im Fernsehen mit anzugucken. Bis dahin hatte ich nicht einmal bemerkt, dass ein Fernseher im Haus war. Ich staunte nicht schlecht, als sie mich in ihr durchaus luxuriöses Schlaf-Wohnzimmer führte, wo ein großer Farbfernseher stand, über den damals nur wenige verfügten.

Mein Amerika-Bild hatte durch den Vietnamkrieg einen gehörigen Knacks bekommen. Die Propaganda im West-Ost-Konflikt war leicht durchschaubar. Ich beurteilte die ganze  Raumfahrt als gigantische Geldverschwendung und fand, man sollte mit den Finanzen erst einmal den Hunger auf der Erde bekämpfen. Damals wusste ich  nicht einmal, dass das Unternehmen Apollo nach heutigen Gegenwert 150 Milliarden Dollar verschlang. Dennoch konnte ich meine gewisse Begeisterung über diese technische Leistung nicht verhindern. Als ich Jahre später in Cap Canaveral die vergleichsweise primitiven Mondfahrzeuge sah, steigerte sich meine Bewunderung für den Mut der Mondfahrer.

Bei den gegenwärtigen medialen Diskussionen fällt mir auf, dass man diese Begeisterung wiederbeleben will. Und der Wettkampf wird nun nicht mehr mit der verblichenen Sowjetunion durchgeführt, sondern mit der neuen Supermacht China.

Was nämlich völlig ausgeblendet wird, ist die Militarisierung des Weltalls.   „Der Kampf um die militärische Dominanz des Weltraums ist entbrannt“, erklärt Götz Neuneck vom Hamburger Institut für Friedensforschung und Sicherheitspolitik  (IFSH). Und: „Die USA forcieren mit Trumps Ankündigung und Milliardeninvestitionen die Ängste Chinas und Russlands. Trump stößt die Tür zu einem neuen teuren und gefährlichen Offensiv-Defensiv-Wettrüsten mit Russland und China auf.“

Erst gingen die USA in die Offensive und nun ziehen die NATO, Frankreich – und womöglich sogar Deutschland – im Weltraum in den Krieg, indem sie ihn auch offiziell zu einem potenziellen Schlachtfeld erklären und dementsprechende Kommandos aufstellen wollen. Gleichzeitig torpediert der Westen seit Jahren Versuche durch China und Russland, einen Vertrag gegen Rüstungsspiralen im Weltall ins Leben zu rufen, nur um im selben Atemzug ausgerechnet diesen beiden Ländern die Schuld daran zu geben, dass man sich um die Aufrüstung des Alls bemühen müsse.

Vgl. https://www.imi-online.de/2019/07/18/iron-sky-und-die-militarisierung-des-weltalls.

Christliche Theologen halten sich bisher auffallend zurück. Mir ist nur eine Predigtreihe in der Berliner Gedächtniskirche bekannt. Es ist zu hoffen, dass die Prediger einen Weg finden zwischen kritikloser Begeisterung und antiwissenschaftlicher Verdammung.

https://www.deutschlandfunk.de/predigtreihe-zur-mondlandung-winzling-im-weltall.886.de.html?dram:article_id=454154

Im Juli 1969 beendete ich bald nach der Mondlandung mein Semester in Heidelberg und fuhr anschließend mit einem Freund in meinem R4 nach Marokko bis in die Sahara. Unsere Erde, fand ich, ist groß genug und bietet genügend unerledigte Aufgaben. Zum Beispiel aus Wüsten Gärten machen, damit Menschen nicht länger hungern. Das  erscheint mir wichtiger, als auf dem Mond nach Wasser  zu suchen.

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