„Künstliche Intelligenz“

Yogeshwar zur „Künstlichen Intelligenz“

Ganz Tübingen war gestern Abend da? Na ja, wohl 1200 Zuhörer allein im Festsaal der Tübinger Universität. Dazu Übertragung ins AudiMax und ins Internet. Die Akustik war endlich mal ordentlich, wenn auch die Technik wie üblich an der Tübinger Uni ein paar Mal aussetzte.

Es fing gut akademisch an mit einer steifen professoralen Einleitung, sodass sich Ranga Yogeshwar „wie in einer evangelischen Kirche“ vorkam. Die Orgelpfeifen hinter ihm mögen das Gefühl verstärkt haben. Doch dann tänzelte der bekannte Wissenschaftsjournalist in Pullover und Jeans auf die Bühne und gab ein Potpourri seiner gesammelten Bilder zur „Künstlichen Intelligenz“ (KI) mal unterhaltsam, mal ernst zum Besten. Es sollte keine Show sein, war aber doch eine, wenn auch wie bei ihm üblich mit großem Informationswert. Da konnten die professoralen Vorleser (aber auch der Prediger) einiges lernen.

Das meiste allerdings kannte man aus seinen vielen TV-Sendungen: „Lernende“ Maschinen, die Geheimnisse der Algorithmen und die Frage, wohin das führen wird. Von seinen Reisen nach USA und China brachte er erstaunliche Beispiele mit. Vor allem Anwendungen im medizinischen Bereich sind überzeugend, andere in Fragen der Mobilität oder Erziehung weniger. Auf alle Fälle bekam man einen Eindruck von der enormen Geschwindigkeit der Innovationen, die nicht nur ältere Menschen überfordern.

Mit Maschinen reden; Bücher, die einen „ansprechen“; Roboter, die einen unterhalten, aber auch kontrollieren. Datensammler, von denen wir nicht wissen, was sie damit anstellen können. Und das allgegenwärtige Smartphone, das in kurzer Zeit den Globus erobert hat und ganze Gesellschaften kulturell umwälzt.

Erfreulicherweise rief Yogeshwar immer wieder zum Nachdenken auf: „Wollen wir das?“ Zwar steckt sein Optimismus und seine Freude an Forschungen an, aber bedenklich stimmt doch eine gewisse Kritiklosigkeit bei der Frage, wem Wissenschaft im Kapitalismus (sei es USA oder China)  dient.

In China habe ich selber  drei Monate lang die Entwicklung in einer Acht-Millionenstadt beobachten können. Der Lerneifer der jungen Leute resultiert nicht immer aus eigenem Antrieb und schon gar nicht aus der kommunistischen oder konfuzianischen Erziehung, sondern kommt von einem gnadenlosen Wettbewerb, dem schon die Jüngsten ausgesetzt sind. „Studieren“ heißt dort „pauken“ und ganz gewiss nicht kritisches Denken lernen. Deswegen fand ich höchst deplatziert die Wertschätzung der chinesischen Regierung , die „vor allem aus Ingenieuren“ bestehe. Das sind genau  die Leute, die sich die totale Kontrolle der Bevölkerung (socialcredit-system) vorgenommen haben.

Recht hat  er allerdings mit seiner Empörung, dass unsere Politiker auf die Entwicklungen der KI kaum reagieren und etwa die Digitalisierung selten ein Thema in Wahlauseinandersetzungen ist.

Yogeshwar leistete sich den Spaß, uns öfter im Publikum aufzufordern, ob eine Musik von Menschen oder von Maschinen komme. Es war nicht festzustellen. Unsicherheit über „fake-news“ mache sich breit. „Soziale“, besser: „Asoziale“ Medien seien nicht an Wahrheitsfindung interessiert, sondern seien eine Art „Erregungsbewirtschaftung“. „Wir ersticken in einem Nebel der Unwahrheiten.“ Es geht eben immer ums Geschäft.

Ein Beispiel konnte derjenige erleben, der nach über zwei Stunden Soloprogramm zuhause seinen Fernseher einschaltete – und schon wieder Yogeshwar in einem Film begegnete. Klar, das war eine Wiederholung. Teilweise noch mal ausführlicher das, was wir eben von ihm persönlich gehört hatten.

https://www.phoenix.de/sendungen/dokumentationen/der-grosse-umbruch-12-a-1104340.html

Aber dann folgte – angeblich live – die „Phönixrunde“ und da diskutierte Yogeshwar munter mit. Hat er schon die göttliche Ubiquität angenommen? Seine Bemerkung „morgen bin ich in Tübingen“ verriet allerdings, dass die Sendung am Vortrag aufgezeichnet worden war. Ich finde, das sollten die Sender  eindeutig anzeigen  wie sie es ja bei einigen Interviews tun. Sehenswert war die Debatte trotzdem.

Alexander Kähler diskutiert im Rahmen des phoenix-Themenabends „Künstliche Intelligenz – der große Umbruch“ mit Prof. Judith Simon (IT-Ethikerin und Philosophin, Uni Hamburg),Ranga Yogeshwar, Matthias Spielkamp (AlgorithmWatch) und Achim Berg (Bitkom Präsident).

https://www.phoenix.de/sendungen/gespraeche/phoenix-runde/kuenstliche-intelligenz–zum-wohl-der-menschen-a-1049775.html

 

 

 

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