Abschied von Australien

Mein Berliner Philosophieprofessor Weischedel sprach immer vor der „abschiedlichen  Existenz“ des Menschen. An ihn muss ich denken, weil wir jetzt Abschied nehmen wollen von Australien. Zwar konnte ich mit seiner philosophischen Theologie nicht so viel anfangen, aber seine menschliche Ethik hat mich angezogen. Gott als das „Vonwoher  der Fraglichkeit“ fand ich reichlich unzureichend. „Abschiedlich“ zu leben hingegen fbringt Gelassenheit, impft gegen totalitäre Ideologien und führt im besten Fall zur Lebenseinstellung „lieben ohne zu besitzen“.

Als wir mit der Fähre von Manly ablegen, dachte ich: So möchte ich Abschied nehmen von Australien. Begleitet von Möven vergrößert sich die Distanz zum Land, dann verschwindet hinten der Horizont, um vorn bald einen neuen auszumachen.

Im Hafen von Sydney liegen immer riesige Kreuzfahrtschiffe. Heute ist  es die „Carnival Spirit“, kürzlich war es die „Explorer oft he Seas“. Die gehört mit einer Länge von über 310 m zu den  größten Kreuzfahrtschiffen der Welt. Über 3000 Passagiere haben Platz. Sie fährt derzeit um halb Australien herum und nimmt Kurs auf Singapur. Wenn ich nicht wüsste, dass diese schwimmenden Vergnügungspaläste ökologische Dreckschleudern sind, wäre das eine feine Alternative zum Fliegen.

Zwei Monate sind wir nun durch den Fünften Kontinent gereist, haben Freunde wiedergesehen und andere freundliche Menschen getroffen. Wir haben uns begeistert an einsamen Landschaften und überfüllten Millionenstädten. Wir haben uns über mache Politik empört, uns aber über die vielen für Frieden und Gerechtigkeit engagierten Menschen gefreut.  In vielem haben wir uns zuhause  gefühlt, anderes ist uns fremd geblieben. Das „weiße Australien“ unterscheidet sich nicht so sehr von Europa. In manchen Kleinstädten haben wir uns wie in England gefühlt, vom Wetter einmal abgesehen.

Dass Australien noch ein anderes Gesicht hat, sehen wir in Arncliffe, einem Vorort Sydneys elf km südlich der Innenstadt. Hier fühlt man sich erinnert an heruntergekommene Berliner Stadtteile. Dabei war es vor 200 Jahren eine beliebte Gartenstadt. Die Deutschen haben Gemüsegärten angelegt. Man rühmte die Ruhe.  Die ist hin, denn wegen der Nähe des Flughafens sind die Straßen sehr frequentiert. Die Eisenbahn, mit der wir herkommen, zerschneidet seit 1884 den Ort. Inzwischen kamen Italiener, Griechen und Mazedonier, dazu Libanesen. Ihre Moscheen fallen uns auf. Nur 37% sprechen Englisch zuhause. 16,6% sprechen Arabisch, 12,9% Chinesisch. Wir nehmen dort das letzte Quartier vor dem Abflug nach Bangkok. Zu Ostern wollen wir aber zuhause sein. Dort wartet eine neue Arbeit auf mich.

https://www.carnival.com.au/cruise-ships/carnival-spirit.aspx

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