Seegeschichten in Sydney

Es kann sein, dass mein Interesse an der Seefahrt quasi genetisch bedingt ist, habe ich doch etliche Kapitäne in meiner Ahnengalerie. Als kleiner Knirps saß ich noch auf den Knien von „Onkel Titus“ (Konteradmiral Titus Türk) in Lübeck, der mir von seinen Heldentaten im Ersten Weltkrieg erzählte, als er Schiffe kaperte und als „Held von Venezuela“ gefeiert wurde. Später habe ich als Junge alle möglichen Seegeschichten verschlungen, darunter auch die Abenteuer der SMS „Emden“ und ihrer Besatzung. So berührt es mich jedes Mal, wenn wir auf dem Weg in die City durch den Hyde Park gehen, an dessen Ecke eine erbeutete Kanone der „Emden“ aufgestellt ist. Mit Beginn des Ersten Weltkriegs wurde der deutsche Kreuzer in einen selbstständigen Handelskrieg in den Fernen Osten geschickt und versenkte dort innerhalb von zwei Monaten 23 Handels- und zwei Kriegsschiffe. Am 9. November 1914 ging er nahe der Kokosinseln nach einem Gefecht mit dem australischen Kreuzer „Sydney“ unter. Der folgende Artikel aus der SZ schildert das Drama ganz gut:

https://www.sueddeutsche.de/politik/kreuzer-emden-im-ersten-weltkrieg-des-kaisers-kaperschiff-1.1938193

Unweit von dieser Kanone ist ein pompöses Kriegerdenkmal, das ich gar nicht betreten wollte. Da es regnete, stellten wir uns dort unter – und wurden überrascht von verschiedenen Ausstellungen, darunter auch über die Katastrophen des Ersten Weltkriegs. Es ist ganz interessant, die weithin unbekannte Geschichte der australischen Kriegsbeteiligungen einmal aus der Perspektive der Sieger zu betrachten. Erst wenn man die Fotos der jungen Soldaten betrachtet, ihre Briefe liest mit Hoffnungen und Sehnsüchten, aber auch Überheblichkeit und Heldengetue, werden einem die menschlichen Abgründe ganz bewusst. Kritisch  muss man sicherlich festhalten, dass solche Denkmäler über die Absurdität des Krieges hinwegtäuschen und  in falscher Weise Angehörige trösten, die einen Sohn oder eine Tochter verloren haben. So wird täglich eine Feierstunde gehalten mit Ansprache, Trompetensolo und Stille, sozusagen ein säkularer Gottesdienst. Oder sollte ich besser „Götzendienst“ sagen?

https://www.anzacmemorial.nsw.gov.au/event/centenary-exhibition

Ich wusste übrigens nicht, dass Deutsche in jener Zeit in Australien interniert wurden. Plötzlich wurden sie als Feinde betrachtet, die eben noch Nachbarn waren. Schon damals legte man „concentration camps“ an.

Das Ganze wiederholte sich bekanntlich im Zweiten Weltkrieg. In dem hervorragenden Maritime Museum bringe ich einen halben Tag zu.   https://www.sea.museum. 

Zunächst geht es wieder um ein Schiff, das „HMAS Sydney“ hieß. Der australische leichte Kreuzer versenkte am 19.November 1941 vor der Westküste Australiens den deutschen Hilfskreuzer „Kormoran“. Die Seeschlacht wird ausführlich erzählt. Obwohl selbst schwer getroffen, gelang es dem deutschen Schiff noch, die überlegene „Sydney“ zu versenken. Dies war der einzige bekannte Erfolg eines Hilfskreuzers gegen ein reguläres Kriegsschiff. Zwei der Rettungsboote der Kormoran mit 57 bzw. 46 Mann erreichten unabhängig voneinander und ohne fremde Hilfe die australische Küste. Die übrigen überlebenden deutschen Seeleute wurden durch fünf Schiffe gerettet. Von der Besatzung überlebten 316 der 397 Mann. Keiner der 645 australischen Seeleute des Kreuzers „Sydney“ überlebte den Untergang. Was für ein  Wahnsinn! https://www.youtube.com/watch?v=h61lu_dMYzM

Nach so viel Militär schaue ich mir die Leistung einer glücklicheren Generation an. Kay Cottee war die erste Frau, die eine Weltumrundung ohne Unterbrechung und ohne Unterbrechung durchgeführt hat. Sie vollbrachte diese Leistung 1988 in ihrer 37-Fuß-Yacht Blackmores First Lady, die 189 Tage dauerte. Man kann das Boot betreten und bekommt on einem kundigen Seemann eine Spezialführung. Leider habe ich nie segeln gelernt.

https://en.wikipedia.org/wiki/Kay_Cottee

Das Museum bemüht sich sehr, die Besucher über heutige Gefahren aufzuklären. Da geht es in einer Sonderausstellung gegen den Walfang. Ich hoffe, dass vor allem Japaner diese Show sehen. Eine andere Ausstellung bekämpft den Konsum von Haifischflossen. Schließlich geht es gegen die mittlerweile bekannte Plastikvermüllung der Meere. Australische Initiativen sind hier besonders aktiv.  https://www.boomerangalliance.org.au/

Trotz aller zivilgesellschaftlichen Bemühungen kommt man sich global gesehen wie auf der „Titanic“ vor. Das „globale Schiff“ sinkt, aber die Musikkapelle spielt weiter. In der Tiefseeabteilung ist ein Modell ihres Wracks ausgestellt. Es wird die Geschichte erzählt, wie es gefunden und medial ausgeschlachtet wurde. Dazu Originalausstattung des Schiffes, angereichert durch Requisiten aus dem großes bekannten Film.

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