Deutsche Kirche in Sydney

In Sydney gibt es große und schöne Kirchen. Da ist die „Mutterkirche des australischen Katholizismus „St.Mary’s Cathedral“. Der Grundstein wurde 1868 gelegt. Eine  Dauerausstellung zeigt die ersten australischen Katholiken „From Convict Ships to the Great Fire“. Da sie zentral am Hyde Park liegt schlappen viele Leute herein, die nicht  recht wissen, wo sie eigentlich sind. Es wäre nicht schlecht, wenn einige Freiwillige Führungen anbieten würden wie das oft in Bibliotheken gemacht wird. Mir tun die Chinesen fast leid, die zwar jedes Bild fotografieren, aber keine Ahnung von ihrer Bedeutung haben. (So wie wir umgekehrt in chinesischen Tempeln ratlos vor Figuren der chinesischen Mythologie stehen.) Was für eine Chance wird hier vertan! https://www.stmaryscathedral.org.au.

Die älteste Kirche ist die anglikanische St. James Church, die bereits 1824 gebaut wurde. Die Gemeinde bietet Vorträge an, demnächst einen über Dietrich Bonhoeffer. Vor den Wolkenkratzern wirkt sie wie ein Spielzeug.  http://sjks.org.au.

Geht man durch die Stadt, fallen einem viele Kirchen, Tempel und Moscheen auf. Die größte Gruppe dürften aber die „Konfessionslosen“ sein, die bekanntlich durchaus religiös sein können. Wikipedia gibt einen eindrucksvollen Überblick.

https://en.wikipedia.org/wiki/Religion_in_Australia

Fünf Minuten von unserm Hotel  entfernt finde ich die kleine Martin-Luther-Kirche der deutschsprachigen Gemeinde. Deren Pfarrer haben wir vor fünf Jahren auf einer EKD-Konferenz in Bangkok kennengelernt. Sie sind mittlerweile nach Deutschland zurückgekehrt. Ein Nachfolger ist gewählt. Bis der kommt, arbeitet vertretungsweise Pastorin Uta Außenwinkler in der  Gemeinde. Ihre Predigt vom 31. März kann man im Internet hören.

Die kleine, aber schmucke Kirche wurde 1882 gebaut. Ich staune über die solide Bauweise und Ausstattung. Im Inneren fällt eine mächtige Kanzel auf und die solide Orgel auf. Ein solches Gebäude kann nicht jede deutsche Auslandsgemeinde vorweisen. Allerdings ist sie meistens verschlossen, auch die Werbung (Schaukasten) könnte verbessert werden. Ich würde auch ein paar „flyer“ in den näheren Hotels auslegen, wo auffallend viele Deutsche übernachten. Die würden zumindest mitkriegen, dass  es die deutsche Kirche hier gibt. Ihre Internetpräsenz ist sehr gut.

Liest man die „Schicksalsstunden aus der Geschichte“ der Gemeinde kann man nur über das Engagement staunen, das die Menschen damals aufgebracht haben. Insbesondere ein Pastor Georg Schenk wird gerühmt, der 48 (!) Jahre lang die Gemeinde leitete:

„Pastor Georg Schenk war ein Glücksfall für die Gemeinde. Er diente ihr mehr als 48 Jahre, von 1884 bis 1932. Seine Ehefrau war viele Jahre an der deutschen Schule in Sydney tätig. In einem Aufsatz über ihn heißt es: “Man vergegenwärtige sich , dass also die Geschicke der Gemeinde von Bismarcks Tagen bis gegen Ende der Weimarer Republik in den Händen eines und desselben Mannes gelegen haben. Dies ist umso bedeutungsvoller, als nach den bescheidenen sydneyer Anfängen, nach den wiederholten Unterbrechungen … mit dem Kommen  von Pastor Schenk ein geordnetes  Gemeindeleben überhaupt erst seinen Anfang nimmt.”“

Solche Dienstzeiten sind heute utopisch. EKD-Pfarrer bleiben in der Regel sechs Jahre, wodurch ein ständiger Wechsel stattfindet. Begrüßungen und Abschiede finden ständig statt. Leider wird die Chronik nicht bis in die Gegenwart weitergeschrieben.

Auch hier könnte ich mir Führungen „Deutsche in Australien“ vorstellen, denn ihre  Spuren findet man überall.

Wir gehen zum Treffen der „Martin-Luther-Senioren“, die ihre Kaffeetafel schon österlich gedeckt haben. Durchschnittsalter achtzig! Mich interessieren die Schicksale dieser Menschen, warum sie nach Australien ausgewandert sind. Die meisten haben als Kinder Krieg und Vertreibung erlebt. Ein Baltendeutscher wurde erst „heim ins Reich“ befördert, kam dann in Gotenhafen mit dem Schwesterschiff der „Gustloff“ (beinahe auf diese, die torpediert  wurde) nach Restdeutschland, wo diese Flüchtlinge nicht sehr willkommen waren. Eine „Hamburgerin aus Brünn“ kann ähnliche Irrfahrten erzählen. Australien schien in den 50iger Jahren mehr Möglichkeiten als Deutschland zu bieten. Eine andere Hamburgerin, die schon sechzig Jahre hier lebt,  ist eine Stunde zu diesem Treffen gefahren. Sie mischt ihre Erzählung immer wieder mit englischen Füllseln, „you know“. Sie erzählen gern, denn ihre Kinder und Enkel wollen von den alten Geschichten nichts mehr hören. Manche sehnen sich nach Deutschland zurück. Da aber nun die Familie hier lebt, wollen sie bleiben. Außerdem sind sie noch immer von Sydney begeistert. Die deutsche Gemeinde ist ein Stück Heimat für sie.

http://kirche-sydney.org.au/

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