Stadt am Ozean

Sydney hat ein wunderbares Nahverkehrssystem. Man kauft eine „opal card“, lädt sie auf und kann dann Busse, Metro, Züge und Fähren benutzen. Das Schöne daran: Sie wird bei 15 Dollar ( 9,50 €) gedeckelt. Man hat dann praktisch eine Tageskarte.

Wir nutzen das, um uns Strände anzuschauen, wo man schwimmen kann. Sydney hat dreißig separate Strände. Die berühmteste, in einer halben Stunde mit dem Bus zu erreichen, ist die „Bondi-Beach“. Sie ist darum ziemlich überlaufen. Es gibt kostenlose Umkleidemöglichkeiten, Duschen und Toiletten. Wenn die Sonne brutal heiß scheint, hätte man gern einen Sonnenschirm. Die werden zu Phantasiepreisen vermietet. Ansonsten ist für das leibliche Wohl gesorgt. „Life Guards“ (Lebensretter) sorgen dafür, dass man innerhalb der gekennzeichneten Bereiche bleibt. Übrigens las ich, dass um 1900 es verboten war, bei Tageslicht schwimmen zu gehen. Bis in die sechziger Jahre noch wurde der Bikini abgelehnt. Jetzt sind einige Damen „oben ohne“ dabei. So ändern sich die Zeiten. Unterwegs kommen wir an schönen alten Häusern vorbei. Sie sind nicht so stark verändert wie in der City, sondern haben noch ein menschliches Maß.

https://de.sydney.com/things-to-do/beach-lifestyle/bondi-beach

Man kann schön auf der Höhe der Buchten wandern. In Southead sind die Klippen so hoch und steil, dass regelrecht vor Suiziden gewarnt wird. Ich fürchte, dass die angegeben Notfallnummern nichts nutzen, wenn da wirklich einer in die Tiefe springt.

Da wir in Strandnähe umziehen wollen, fahren wir mit Bus Nr. 199 Richtung Palm Beach hinaus. Das soll der reichste Stadtteil sein. Gerade dieser Bus zeigt aber die Stationen nicht an, sodass wir Schüler fragen müssen, die gerade nach Hause fahren. Sie kommen – wie man an der Schuluniform sieht – vom St. Augustin-College. Unser Ziel ist Collaroy, dessen „Superherberge“ unser Reiseführer empfiehlt: „direkt am Strand“. Der schöne Sandstrand ist menschenleer. Das wünscht man sich ja eigentlich. Weil es mir verdächtig vorkommt, frage ich den gelangweilten „lifeguard“ nach Haien. Die gäbe es schon, meint er, aber im allgemeinen greifen sie nicht an. Auf den besonderen Fall will ich es lieber nicht ankommen lassen, zumal ich wenigstens einen Schwimmer vor mir haben möchte. Da die Herberge tatsächlich jenseits der vielbefahrenen und lauten Durchgangsstraße liegt, kehren wir schleunigst um. Man darf sich einfach nicht auf Reiseführer verlassen!

Am besten hat uns „Manly Beach“ gefallen, wo es nicht nur feinen Sand gibt, sondern auch schattige Bäume. In einer windgeschützten Bucht gibt es obendrein eine „shelly-beach“, in der man tauchen kann, weil dort die Brandung nicht so stark ist. Der Ort ist zwar auch touristisch, aber weitläufig, sodass man den Massen entgehen kann. Vor allem gibt es eine schnelle Fährverbindung (20 Min.) zur City. An der „wharf“ gibt es doch tatsächlich einen ALDI. Schnell schaue ich, ob es deutsches Brot gibt. Das ist das Einzige, was ich vermisse. Leider Fehlanzeige. Es muss doch unter den deutschen Einwanderern auch mal ein paar schwäbische Bäckermeister gegeben haben. Wo mögen sie sein? Trotzdem: Hier suchen wir eine Ferienwohnung und werden fündig.

https://de.sydney.com/things-to-do/beach-lifestyle/manly-beach

Wenn man die Fähre benutzt zur City (Circular Quay), kommt man an der berühmten Oper vorbei, deren Vorstellungen lange ausverkauft sind. Sie dürfte das am meisten fotografierte Bauwerk sein. Wobei sie meistens nur Hintergrund für unendlich viele „selfies“ ist. Auf der anderen Seite nicht minder berühmt die Hafenbrücke. Drei Millionen Touristen besuchten letztes Jahr das Sydney Opera House, die Top-Destination Australiens für Besucher aus Übersee, während 2,7 Millionen die Sydney Harbour Bridge besuchten. Aber auch die alten Lagerhallen bilden ein hübsches Ensemble. Man kann praktisch an jeder Ecke eine zugängliche Bucht finden. So ist es kein Wunder, dass der Tourismus zur wichtigsten Industrie geworden ist. 1950 kamen 44 Tausend. In den vergangenen Jahren landeten etwa die Hälfte aller internationalen Besucher Australiens (ca. 3 Millionen Menschen) in Sydney. Hinzu kommen die einheimischen Reisenden, die etwa 8 Millionen Besucher pro Jahr ausmachen.

Die Tourismusindustrie hat sich darauf eingestellt, dass die Leute vor allem „fun“ suchen, um von den andern „drei Buchstaben“ zu schweigen. Der Arbeitshafen ist längst ausgewandert in die Botany Bay.

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