Blaue Berge

Wir haben lange diskutiert, ob wir mit der Bahn oder mit einem Touristenbus die 60-100 km in die berühmten „Blue Mountains“ westlich von Sydney fahren. Angesichts knapper Zeit haben wir uns für die zweite Möglichkeit entschieden. Aber das machen wir nie wieder! Auf der  Straße kalkuliert man nie die Staus ein, die letztlich zu einer mehr als zweistündigen Anfahrt führen. Dann ahnt man nicht, dass ein heutiger Kleinbus kaputte Stoßdämpfer hat. Man denkt auch nicht daran, dass hier die Fahrer gleichzeitig die Tourguides sind, die meinen, die Gäste mit billigen Witzen unterhalten zu sollen und einen ständig vollschwallen. Und es ärgert einen, dass ohne Vorausinformation man plötzlich noch Seilbahnen für viel Geld buchen soll. Muss man aber nicht mitmachen.

Dennoch haben wir den Ausflug genossen, denn dieses Gebirge ist trotz der touristischen Vermarktung phantastisch. Man findet immer noch Wege, wo man allein wandern kann. Bevor wir uns gleich wieder in einen Kasten setzen, meditieren wir lieber auf den aufgestellten Bänken in der milden Sonne. Und schauen den Sportlern zu, die diese steilen Pfade hinauf und hinunterhetzen.

Die Berge – seit 2000 ein Weltnaturerbe der UNESCO – sind tatsächlich wie blau gefärbt, da das ätherische Öl in den Blättern der vielen Eukalyptusbäume verdunstet und wie ein feiner Nebel über den Bergen liegt. Seit 14000 Jahren sind sie von Aborigines bewohnt. Sechs Sprachgruppen zählen die Blue Mountains zu ihrem Heimatgebiet. Die ersten weißen Siedler hätten sie nach dem Weg fragen sollen, denn lange war für sie auf der Suche nach Land kein Durchkommen. Seit 1813 haben sie es geschafft und ab 1900 sogar Kohle abgebaut.

Die weitere Erschließung erfolgte mit dem Bau einer Eisenbahnstrecke, die ab 1867 entlang des Great Western Highways nach Mount Victoria führte. Mit dieser Verkehrsanbindung an Sydney begann der Tourismus in den Blue Mountains: Die ersten Luxus-Hotels wurden in den 1880er Jahren erbaut; zahlreiche wohlhabende Bürger Sydneys bauten Wochenend-Häuser in den Bergen. Gleichzeitig wurden eine ganze Reihe von Wanderwegen eingerichtet.

Auf denen spazieren wir nun in der Nähe des Ortes Katoomba herum. Oft folgen sie Bächen wie den „Leura Cascades“ und führen zu Wasserfällen. Man ist bereits auf einer gewissen Höhe und steigt in eine Abbruchkante des Gebirges hinunter. Hier hat man eben für gehfaule oder behinderte Touristen die „Scenic World“ mit Seilbahnen eingerichtet. Ich ziehe die steilen Abgänge vor, die oft mit Holztreppen ausgebaut sind, was auf die Dauer ganz schön die Knie strapaziert. Belohnt wird die Mühe durch wunderbare Aussichten auf gigantische Felsformationen. Manche haben sogar Namen wie die berühmten „Three Sisters“.

An wenigen feuchten Stellen gibt es Regenwälder, sonst dominiert Eukalyptus, von dem es hier über neunzig Arten gibt. Die Eukalyptusbewaldung ist sehr anfällig für Buschbrände; regelmäßig brennen große Teile des Waldes. Unser Führer behautet, manche Baumarten hätten ein Warnsystem, wodurch sie sich gegen völliges Verbrennen schützen können.

Bekannt geworden ist die Wollemie, eine urtümliche Koniferenart, die nur hier vorkommt und deren Entdeckung im Jahr 1994 als einer der wichtigsten botanischen Funde des 20. Jahrhunderts gilt. Mir fallen vor allem die riesigen Farnkrautbüsche auf. Tiere gibt es wohl auch, 52 einheimische und 13 eingeführte Säugetierarten. Dominierend unter den größeren Arten sind verschiedene Kängurus. Aber  wir sehen keine. In den zentralen Gebieten südlich und um Katoomba sind die Blue Mountains über 1.000 m hoch. Viele Flüsse entspringen hier. Wir sehen aber nur den Nepean River.

Unsere Tour endet im Olympiagelände von Sydney, wo man für die Spiele im Jahr 2000 ein verwahrlostes Gebiet kultiviert hat. Nun hat man allerdings Mühe, die riesigen Sportstätten kostendeckend zu verwalten. Wir besteigen dort eine Fähre, die uns in einer Stunde auf dem Parramatta in den Hafen von Sydney zurückbringt. Auf diese Weise sehen wir in der Abendsonne noch eine wunderbare Flusslandschaft.

https://visitbluemountains.com.au/

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