Flug nach Sydney

Schaut man von Neuseeland auf den Globus, liegt die Südsee nah. Warum nicht die Weltreise ostwärts vollenden? Die Versuchung ist groß, aber dann siegt die finanzielle Vernunft.

In Wellington hat der Wind die ganze Nacht an den Fenstern gerüttelt, sodass wir unserm Flug etwas besorgt entgegensehen. Der Flugplatz liegt obendrein in einer Schneise, wo die Stürme wenig Widerstand finden. Man beruhigt uns: Das Landen sei manchmal ein Problem, das Starten nicht so sehr. Wir werden dennoch ziemlich durchgerüttelt, was noch das Aufregendste ist.

Das Fliegen hat das Reisen entzaubert. Eigentlich sind alle Flüge gleich: Man sitzt eng gefesselt mit Nachbarn zusammen, mit denen man in der Regel nicht redet, schaut sich blöde Filme an, weil man nicht lesen kann und isst sogenannte Menüs, die irgendwie international schmecken. Das alles wird serviert mit einem enormen Verbrauch von Plastik, was wahrscheinlich die geringste ökologische Sünde ist. Was macht man, wenn das Gewissen schlägt? Man benutzt es nicht. Mit Wehmut lese ich alte Berichte von Reisenden mit dem Schiff. Mussten die eigentlich auch erst einmal durch Supermärkte voll Kosmetika und Alkoholika gehen?

Obwohl der Flug über drei Stunden dauert, kommen wir wegen der zweistündigen Zeitverschiebung recht früh in Sydney an. Der Kingsford Smith Airport ist groß, aber gut organisiert. Die Abfertigung ist schnell, diesmal werden wir  nicht mal auf Lebensmittel kontrolliert.

In der Zeitung lese ich später, dass die Fluglotsen überlastet sind, dass die Sicherheit kaum noch garantiert  werden kann. Sie schieben Überstunden ohne Ende. Der Syrer Khaled Khayat wird verurteilt, weil er eine Bombe in einem Fleischwolf reinschmuggeln wollte, um eine Maschine der Etihad in die Luft zu sprengen. Nie mehr werde ich mich über Sicherheitskontrollen ärgern.

Wir haben ein Quartier gebucht beim YWCA. Wir wählen einen Shuttelbus, der uns bis zum Hotel bringen soll. Eine gute Alternative zu Taxis und der Bahn! Allerdings landen wir zunächst im Hauptbüro des australischen CVJM. Deren Gästehaus ist mittlerweile das „Song-Hotel“, in dem wir nichts Christliches entdecken. Das Personal ist freundlich und hilfsbereit, die Qualität der Zimmer gut. Die Lage nahe am Hyde Park hervorragend! Billig ist es nicht, aber man gönnt ja der Kirche das Geld.

Nach kurzer Rast  zieht es uns zu einem der Häfen, der seltsamerweise „Darling“ heißt. Wie so oft ist aus der maritimen Arbeitswelt ein touristischer Freizeitpark geworden. Das beginnt schon mit einem chinesischen „Freundschaftsgarten“, den die Volksrepublik in ihrer Charmeoffensive gestiftet hat. Dann folgt der Tumbalongpark mit Spielplätzen für Kinder. Für die Erwachsenen gibt es das „ICC Sydney Theatre“, wo Weltstars auftreten. Das Veranstaltungsangebot ist überwältigend, die Eintrittspreise sind es allerdings auch. Dann spazieren wir in freundlicher Nachmittagssonne am ICC Exhibition Centre vorbei zum ICC Convention Centre. Natürlich folgen an der Cockle Bay Shopping-Centres mit allem, was  kein Mensch braucht. Im eigentlichen Hafenbecken (Tumbalong) machen Segler fest, landen Fährschiffe und einige Schiffs-Oldtimer, die zum Maritime Museum gehören. Das spare ich mir für einen folgenden Tag auf. Das berühmte Aquarium (Sea Life), den Zoo (!) und Madame Tussauds Figuren lassen wir aus.

Dann geht es in der Rushhour zurück über die Pyrmont (!)- Brücke zur Marketstreet mit dem „Queen Victoria Building“, vor dem die versteinerte Königin würdevoll thront. Das schöne koloniale Gebäude ist eine frühe Form der „Mall“ mit diversen Fachgeschäften und Cafés. Geht man hindurch, kommt man zum Rathaus, der „Town Hall“. Ich komme nicht umhin, den Briten für diese Bauten einen gewissen Respekt zu zollen. Ibisse laufen zu meiner Verblüffung in der Stadt herum. Bevor die Füße vollends müde werden, kehren wir über den Hyde Park mit seinem scheußlichen Kriegerdenkmal ins Hotel zurück. Sydney mit seinem angenehmen Klima gefällt uns schon.

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