Wellington, NZ

Die Hauptstadt Neuseelands ist hügeliger als gedacht. Das merkt man erst richtig, wenn man zu Fuß geht. Das Wetter meint es gut mit uns, die Sonne scheint milde, 20 Grad. Wir wandern auf den Wrights-Hill, von dem man eine herrliche Sicht auf die Bucht hat.

Natürlich steht unser Besuch jetzt im Schatten des Terroranschlags von Christchurch. Überall wehen die Flaggen auf Halbmast. Wir kommen am Haus der Premierministerin vorbei, die in diesen Tagen sich hervorragend bewährt. Bisher kannte ich nicht einmal ihren Namen, obwohl sie eine erstklassige Rede in der UNO, quasi als Antwort auf Trump, gehalten hat.

Die Zeitungen hier sind vollauf mit der Trauerarbeit beschäftigt, interviewen davongekommene Beteiligte oder Verwandte der Opfer. In der anglikanischen Kathedrale findet gerade ein Gebet für die Opfer des Anschlags statt. In der Mitte ist ein Bild mit einer Moschee aufgebaut, wo „Solidarität mit unseren muslimischen Schwestern und Brüdern“ ausgedrückt wird. Eine Kerze brennt dazu.  Der Terror bringt hier die Religionen zusammen.

Wir gehen zum Parlamentsgebäude, wo man über die Einschränkung des Waffenbesitzes diskutiert.

Die neuseeländischen Politiker haben bereits mehrmals versucht, den Zugriff auf Schusswaffen im Land zu beschränken. Doch die starke Waffenlobby hat diese Pläne regelmäßig zunichte gemacht. Der Chef der neuseeländischen Polizeigewerkschaft, Chris Cahill, stimmt der Premierministerin  zu. Der Gedanke an die sinnlose Gewalt und das schreckliche Blutbad in den Moscheen in Christchurch mache ihn krank. Es sei jetzt an der Zeit, der radikalen Waffenlobby des Landes Stirn zu bieten. Premierministerin Jacinda Ardern sei mit ihren Plänen, die Waffengesetze zu verschärfen, auf dem richtigen Weg. Alle Neuseeländer müssten ihr nun den Rücken stärken, sagt Cahill.

Neuseeland hat selber ein Problem mit rechtsradikalen Weißen, die im Grunde die alte, verfehlte Rassenpolitik fortsetzen möchten. Inzwischen sind aber die Ureinwohner gleichberechtigt. Man fördert wieder ihre Sprache. Viele Inschriften sind zweisprachig. Ob man eines Tages der Stadt ihren ursprünglichen Namen zurückgibt statt den heutigen nach einem britischen  Herzog von Wellington? Te Whanganui-a-Tara müsste die Stadt dann heißen.

Die Stadt hat mittlerweile über 190000 Einwohner und leistet sich ein paar Hochhäuser in der City. Sie unterscheiden sich nicht von anderen in aller Welt.

Vor dem Bahnhof steht eine Statue von Gandhi mit der Inschrift „Sei selber die Veränderung, die du für die Welt wünschst.“ Anscheinend hat Gandhi ein Beispiel gewaltlosen Widerstands der Maori gegen die Kolonialisten im 19. Jahrhundert gekannt.

Die katholische Kathedrale ist geschlossen, weil man sie erdbebenfest restaurieren will. Aus dem gleichen Grund ist die Stadtbibliothek geschlossen. An einem solch schönen Tag kann man sich gar nicht vorstellen, dass die Stadt immer wieder von gewaltigen Erdbeben erschüttert wird. Unweit des Stadtzentrums schiebt sich die leichtere dicke Australische Platte über die dünnere, aber schwerere Pazifische Platte. Zahlreiche Erdbeben haben die Landschaft in den vergangenen Jahren völlig verändert. Plakate mahnen uns, wie wir uns im Ernstfall verhalten sollen. („Vor allem den Kopf schützen.“)

Im Hafen liegt gerade ein großes Kreuzfahrtschiff, sonst ist da nicht viel los. Es fährt zum Abendessen wieder hinaus.

 

 

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