Melbourne 2

Erstmals hörte ich wohl von Melbourne, als ich am Radio 1956 die Olympischen Sommerspiele verfolgte. Die noch gesamtdeutsche Mannschaft errang sechs Goldmedaillen. Zwei allerdings in Stockholm, wo die Reiterwettbewerbe ausgetragen wurden. (Hans Günter Winkler auf seiner „Wunderstute“ Halla.) Der einzige Sportreporter unserer Zeitung (Hamburger Abendblatt) fuhr mit dem Schiff nach Australien. Das waren noch geruhsame Zeiten!

Jetzt kann man, wenn man unbedingt will, manche Nachricht, sogar Verbrechen,  sozusagen zeitgleich verfolgen. Ein zweifelhafter Fortschritt!

Die Verurteilung des Kardinal George Pell macht immer noch Schlagzeilen. Der Erzbischof von Melbourne Peter Comensoli hat sich noch einmal dazu geäußert. Er versucht natürlich, seine Mitglieder durch diese „darkest days for the catholic church“ zu bringen und für den Wiederaufbau zu motivieren. Er sieht die Zukunft in ziemlich selbständigen Gemeinden, die vor allem in den Vorstädten blühen. Tausende Teilnehmer an den Messen  in St.Albans South oder durchschnittlich fünfhundert in „Christ the Light“ in Mernda sind eine gute Ausgangsbasis. Ich finde bemerkenswert, dass er für den neuen Anfang auf Basisgemeinden setzt und nicht auf die etwas protzige Präsenz seiner Kathedrale.

http://www.cam.org.au/cathedral.

Da die Museen keinen Eintritt verlangen, müssen wir uns ein Zeitlimit setzen, um nicht in den Wahn zu fallen, alles noch sehen zu wollen. Wir entscheiden uns einmal mehr für die Kunst. Zwar ist es irgendwie verrückt, ausgerechnet in Australien die Meisterwerke europäischer Kunst zu bewundern. Aber die haben hier von Rembrandt bis Dali alles aufgekauft, was Rang und Namen hat. Zwar soll man die Leute nicht fragen, woher sie stammen. Bei einem Australier aus Turin mache ich eine Ausnahme, denn er hält nicht nur Wache, sondern belehrt uns auch. Als er merkt, dass meine Frau italienisch spricht, ist kein Halten mehr. Übrigens werden wir dauernd gefragt, woher wir kommen. Germany hat noch einen guten Klang.

https://www.ngv.vic.gov.au/explore/collection/curatorial/international-art.

Zu den Universitäten gehen wir nicht. Aber die vielen Studenten sind nicht zu übersehen.

In Melbourne werden Schiffe gebaut, aber auch Autos und elektronische Geräte der großen Marken. Daimler und Porsche haben ihren australischen Hauptsitz hier. Ebenfalls der größte Stahl- und Bergbaukonzern.

Vom eigentlichen Hafen sehen wir nicht viel. Container sind ja auch nicht besonders spannend. Immerhin fällt mir im Industriegebiet ein großer chinesischer Tempel auf mit einer großen Statue der Göttin Guilin, der Barmherzigkeit.

Ein paar zweifelhafte Kneipen sind im ehemaligen Hafenviertel übrig geblieben. Vorm „Gentleman’s Club“ steht wie ein Cerberus ein Aufpasser. Nebenan schwärmen „schräge Vögel“ aus einer Disco. Oder sind es Schauspieler? Jedenfalls ist der halbnackte, fette Glatzkopf mit seinem Bastrock schon eine spezielle Figur.

Morgen werden wir Abschied nehmen und den Flughafen Melbournes sehen.

 

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