Bendigo

Wir machen mit dem Zug einen Ausflug von Castlemaine nach Bendigo. Da ist zunächst ein Loblied auf die Bahnhöfe zu singen. Der Schalter ist besetzt, man bekommt jede Auskunft. Der Fahrplan ist übersichtlich, die Anzeigen leicht verständlich. In einem Kiosk werden u.a. sieben Kaffeesorten angeboten. Man kann sich an Tische setzen. Es ist sauber und angenehm kühl, natürlich auch in den Toiletten. Informationsbroschüren liegen aus. An einem Bücherbord kann man sich Romane ausleihen und irgendwo zurückgeben. (Wenn ich da an die leere Bruchbude der Bahn in meiner Heimatstadt denke?!) In den Zügen gibt es „Ruhewagen“, wo sich lautes Telefonieren und anderer Lärm verbietet. Trinkwasser kostenlos! Ein freundlicher Schaffner hilft Leuten im Rollstuhl beim Ein- und Aussteigen. Nach einer halben Stunde Fahrt durch einen lichten Wald kommen wir schon an. Ich frage mich unterwegs, wo eigentlich sich die Kängurus tagsüber verstecken, denn diese Eukalyptus-Bäume haben kein Unterholz.

Der Weg zur Innenstadt ist nicht weit, obwohl die Stadt mit fast 100000 Einwohnern die viertgrößte Victorias ist. Der Goldrausch ab 1850 war prägend, noch heute wird Gold gewonnen. Auffällig ist das britisch-victorianische Erbe. Benannt ist die Stadt, die einmal Sandhurst hießt, nunmehr nach einem Schafhirten und Preisboxer namens Abednego Thompson.

Viele Gebäude wurden von dem deutschen Architekten Wilhelm Vahland entworfen, der als Goldsucher kam und als lutherischer Prediger endete. Ihm verdankt die Stadt über hundert Gebäude und den schönen Alexandra-Brunnen mit seinen Nymphen und allegorischen Figuren. Er ermutigte viele europäische Künstler zu kommen, sodass die Stadt „Wien des Südens“ genannt wurde. Wir kommen vorbei am Shamrock-Hotel, in dem schon Prinzessin Diana und Prinz Charles genächtigt haben. Die Königin von Großbritannien ist noch Staatsoberhaupt Australiens, aber nicht jeder ist hier stolz auf die Königsfamilie. Gleichwohl wird im ehemaligen Postamt ein Gemälde von Queen Victoria gezeigt. Neben diesem Gebäude findet ein Markt statt mit ökologisch wertvollen Produkten. Wir kommen mit einer Frau ins Gespräch, die dort Unterschriften gegen den weiteren Kohleabbau sammelt. Australien ist ein bedeutender Exporteur von Kohle. Dabei hätten sie doch wahrhaft genug Sonne für Solarenergie. Aber damit lässt sich angeblich nicht so viel verdienen. Schüler verteilen Flugblätter für den „School Strike 4 Climate“ am nächsten Freitag.

www.SchoolStrike4Climate.com.

 

Im nahen Rosalind-Park bewundern wir die großen Bäume und genießen den Schatten. Ich kenne sie alle nicht und muss mal wieder das allwissende wikipedia zu Rate ziehen:

“Rosalind Park contains a number of notable trees and plants, some listed on heritage registers in their own right. Of note are the Bunya-Bunya PineHoop PineSouth African YellowwoodRiver Red GumsCanary Island Pines, Cedar, California Bay (also known as the headache tree and the only example in Victoria), a Crows Ash(one of three in Victoria[5]), Queensland Kauri along with a number elm and oak species. Of particular interest to some is the Chilean Wine Palm, now rare in Chile, which thrives despite the climate being less than ideal for this plant.”

Etwas hügelaufwärts liegt die hiesige Art Gallery. Doch zunächst suchen wir etwas Essbares in deren Cafeteria. Warum aber geben sie dort so große Teller, wenn die Portionen so klein sind? Wegen der großen Preise?

In dem Kunsthaus wird gerade eine neue Ausstellung vorbereitet, weshalb viel geschlossen ist. Aber bemerkenswert finde ich eine Serie von zehn Fotocollagen kombiniert mit Malerei einer Aborigine-Frau. Und über den einzigen Muslim unter  den Künstlern höre ich, dass seine Bilder eine Reaktion sind auf die Anti-Moschee-Demonstrationen, die es in der Stadt gab. Ansonsten ist es meiner Führerin wichtiger, auf die weiblichen Malerinnen hinzuweisen, die immer vernachlässigt werden.

www.bendigoartgallery.com.au.

Zum Schluss wollen wir noch zu der mächtigen katholischen Kathedrale (Sacred Heart Cathedral), die nach Melbourne die größte des Landes ist und entsprechend kitschig ausgestattet. Gebaut 1897-1977 frage ich mich, wie diese vergleichsweise kleine Gemeinde das  ohne Kirchensteuermittel geschafft hat. Verantwortlich als erster Priester war Dr. Heinrich Backhaus (1811-1882) aus Paderborn, der wohl sehr clever in dem war, was man heute fundraising nennt. Er gab auch sein eigenes Vermögen der Kirche. Vor allem aber überzeugte er die Goldsucher seiner Gemeinde, etliche Fundstücke abzugeben. Vielleicht hätte Martin Luther den Ablass nicht abschaffen sollen?

Es gäbe noch viel mehr zu sehen, aber für einen Tag recht es vollkommen.

https://www.bendigotourism.com/

 

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