Alice Springs

Meine Frau findet stets im kleinsten Kaff eine öffentliche Bibliothek. Die in Alice Springs ist sogar besonders schön und reichhaltig. In den gut gekühlten Räumen (draußen noch immer fast 40 Grad) können  wir uns nicht nur auf die Touren vorbereiten, sondern auch den Aboriginals zusehen, die sich durch die Computer Videofilme „reinziehen“. Oft kommentieren sie laut. Diese Bibliothek ist sogar sonntags geöffnet.

Ich nehme mir von Robert Layton, „Uluru. An History of Ayers Rock”,  (Aboriginal Studies Press) vor, um nicht nur auf die meist unzureichenden Angaben der Reiseführer angewiesen zu sein.

Alice Springs hat fast 30000 Einwohner, aber die Kernstadt ist schnell umrundet. Der Charles River ist wohl immer ausgetrocknet, sonst würde er vor unserm Hotel vorbeifließen. Derzeit findet dort abends ein bescheidener Jahrmarkt statt mit Karussells, die an meine Kindheit erinnern. In der Fußgängerzone „Todd Mall“ steht nicht nur die kleine Flynn-Memorial-Kirche, sondern auch das berühmte „Adelaide-House“ aus dem Jahr 1920. Das gilt hier als alt! Für die Umgebung sind wohl die Einkaufszentren wichtig, die sich hinter riesigen Parkplätzen verstecken.

Uns zieht es zum ehemaligen Gefängnis, in dem jetzt im ehemaligen Speisesaal die „National Pioneer Women’s Hall of Fame“ sich befindet. www.pioneerwoman.com.au. Es sind alle Frauen Australiens dokumentiert, die auf ihrem Gebiet die ersten waren: Wissenschaftlerinnen, Schauspielerinnen, Schriftstellerinnen usw., von denen wir oft noch nie gehört  haben.

Peinlich für das männliche Geschlecht finde ich, wie mühsam der Weg zur Gleichberechtigung war und ist. Die Vorschriften etwa für die ersten Lehrerinnen gleichen fast der Sheria Saudi-Arabiens.

Es ist unglaublich, was die ersten Siedlerinnen auf sich  genommen haben. Die schlimmste Tortur waren oft die vielen Geburten, wenn mit aboriginal Hilfe unter einem Baum entbunden wurde oder bei Komplikationen ein weiter Weg auf Pferdekarren unternommen werden musste. Ein Bild interessiert mich besonders, weil es die Anfänge der Station Hermannsburg zeigt. Diese wurde tatsächlich 1877 von der deutschen Hermannsburger Mission begonnen. Ich habe dazu ein emotionales Verhältnis, wurde doch mein Interesse an der Äußeren Mission 1962 durch einen Konfirmandenausflug von Stade in die Lüneburger Heide begründet. Damals wurden dort noch Missionare ausgebildet. Ich beneidete sie um die Chance, in fremden Ländern arbeiten zu können. Der berühmteste Missionar des Ortes war später Carl Strehlow, der die Sprachen der Aranda- und Luritja -Aborigines beherrschte und ein siebenbändiges Werk über ihre Kultur publizierte. Sein Sohn, Theodore George Henry Strehlow setzte sein Werk als Ethnologe fort.

Viel von dem Ort ist wohl nicht mehr vorhanden. Er  ist leider etwas abgelegen, sodass wir ihn wohl nicht besuchen können. https://de.wikipedia.org/wiki/Hermannsburg_(Australien).

Das ehemalige Gefängnis gehört zu den wenigen erhaltenen „alten“ Gebäuden. Es musste von einer Bürgerinitiative gegen den Abriss verteidigt werden. In den Zellen ist es brütend heiß, sodass man es schon nach wenigen Minuten kaum aushält. Und dann womöglich lebenslänglich? Betritt man sie, hört man vom Band die Stimme eines Insassen, der seine Geschichte erzählt. Die Blocks sind nach black / white und male/ female getrennt. Mittlerweile gibt es ein neues Gefängnis am anderen Ende der Stadt. Hoffen wir, dass dort der Strafvollzug humaner ist. Nötig ist er wohl schon, warnt doch das deutsche Auswärtige Amt vor der Kriminalität in dieser Stadt, vor allem abends. Ob es damit zusammenhängt, dass ein Viertel der Stadt Aborigines sind?

https://www.australia.com/en/places/alice-springs-and-surrounds/guide-to-alice-springs.html.

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