Stuart Highway

Der Schotte John McDouall Stuart (1815-1866) ist einer der größten Entdecker Australiens. Nach ihm ist die große Straße in den Süden benannt. In sechs Anläufen gelang es ihm zwischen 1858 und 1862, durch über 3000 Kilometer Wüste und Savanne einen Weg von Adelaide im Süden bis Chambers Bay  an der Nordküste Australiens zu finden – die entscheidende Grundlage für den Bau der Überland-Telegrafenleitung von Südaustralien über Alice Springs (das zunächst nach ihm benannt war) nach Darwin.“ Mit Begeisterung lesen wir die Biografie von John Bailey „Mr.Stuart’s Track“. Eine knappere Information bietet https://de.wikipedia.org/wiki/John_McDouall_Stuart.

Wir nehmen den Greyhound-Bus in umgekehrter Richtung. Das ist auch nicht ohne Anstrengung, weshalb die meisten lieber fliegen. Aber dann sehen wir ja nichts. Und würden unter uns bleiben. So teilen wir uns die Plätze mit ein paar jungen Leuten und einem Dutzend Aboriginals, deren Kinder leider nachts allzu laut brüllen. Offenkundig differieren unsere Vorstellungen von Erziehung.

Wir sind erstaunt, wie grün Australien im Norden ist. Überall ist Busch, die Rinderfarmen ahnen wir nur. Zunächst erreichen wir nach vier Stunden (321km) Katherine. Der Ort wurde schon 1844 vom deutschen Abenteurer Ludwig Leichhardt erforscht. Heute hat die Stadt wohl 6000 Einwohner. Der Fahrer darf eine Stunde Pause machen. Die Raststation ist eine wenig einladende Tankstelle. An einer Wand sind Fotos ausgestellt von  der großen Überflutung  1999.

Dann geht es weiter. Da der Bus offenbar den Postdienst übernimmt, halten wir an gefühlt jedem Briefkasten. Zunehmend wird es einsamer. Längst ist die Straße nur noch zweispurig und meistens schnurgerade. Hin  und wieder begegnen uns die „roadtrains“, riesige Lastwagen mit vier ebenso riesigen Anhängern. In keiner Stadt könnte man die steuern.

Allmählich geht die Sonne unter, es wird dunkel. Glücklicherweise scheint der Vollmond, sodass wir dennoch die ebene Landschaft betrachten können. Die Büsche und Bäume wirken kleiner. Hin und wieder ragt ein Termitenhügel heraus.

Gegen Mitternacht erreichen wir Tennant Creek, die ehemalige Goldgräberstadt. Der letzte Goldrausch zog bis 1935 Glücksritter an, die die Warumungu-Aborigines nach Osten verdrängten. Immer wieder die gleiche traurige Geschichte! Dafür „dürfen“ sie das Kulturzentrum Nyinkka Nyunyu betreiben. http://www.nyinkkanyunyu.com.au.

Die Raststätte, insbesondere das „shithouse“ ist noch schmuddeliger als die erste. Das hält den Wirt nicht davon ab, für einen kleinen Pappbecher Muckefuck (offiziell: Kaffee) fünf Dollar zu verlangen. „Unsere“ Aboriginals verlassen jetzt den Bus. Ein neuer Fahrer wechselt den alten ab. Er singt und pfeift während der Fahrt zur eigenen Unterhaltung. Wir versuchen, etwas Schlaf zu finden.

Gegen sechs Uhr wird es hell, die Sonne geht prächtig auf. Die Landschaft ist karger. Rötliche Erde, brauner Bewuchs. Flüsse sehen wir nicht mehr. Vom tropischen feucht-heißen Norden sind wir nun ins heiße wüstengleiche Outback gelangt. Man nennt es das „Herz Australiens“.

Alice Springs erreichen wir nach 1489 km und 23 Stunden einigermaßen gerädert. Um so erfreulicher ist es, dass wir im gebuchten Hotel Aurora gleich  das Zimmer beziehen können.

Eigentlich wollten wir ja mit dem Zug „The Ghan“ fahren, dessen Gleise wir öfter queren. Aber der ist so früh ausgebucht, dass wir keine Fahrkarten mehr bekommen haben. Immerhin haben wir auf diese Weise viel Geld gespart. Es ist schade, dass die früher viel befahrene Strecke nur noch diesem Luxuszug vorbehalten ist. Er nennt sich übrigens nach den Afghanen, die vor der Erfindung des Autos mit Kamelen den Verkehr in Australien organisiert hatten. https://www.greatsouthernrail.com.au/trains/the-ghan.

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