Kakadu Nationalpark

Öfter hören wir, dass wir zur falschen Zeit nach Nordaustralien gekommen sind. Wir finden es aber ganz schön, dass außer uns kaum Touristen in Darwin sind. Es ist wegen der Regenzeit keine Saison und viele „Attraktionen“ sind geschlossen. Auf diese (mit Krokodilen schwimmen, Fische füttern, Nachtmärkte usw.) können wir gern verzichten, nicht aber auf die Fahrt in den Kakadu-Nationalpark. Zum Glück für uns (zum Leid für die Einheimischen) ist der Monsunregen weithin ausgeblieben und die Straßen sind befahrbar. Während im Süden der Busch brennt und in Queensland alles unter Wasser steht, ist es im Norden recht angenehm. Höchstens 40 Grad in der Sonne, die man meiden muss. Aber es gibt genügend gekühlte Restaurants, Cafés, Kaufhäuser und andere Läden. Und kühle Taxis! Im Park findet man Wasserspender.

Der Kakadu-Nationalpark ist doch weiter weg als die Karte mit ihrem Maßstab vortäuscht. Bis zum zugänglichen Hauptort Jabiru sind es über 300 km. Insgesamt nimmt dieser größte Nationalpark Australiens eine Fläche von 19500 Quadratkilometern ein. Da es viel zu sehen gibt, kommen wir nur langsam voran. Erst  auf den Landwegen merkt man, wie riesig die Entfernungen in diesem Kontinent sind. Der grüne Bewuchs ist auf den ersten Blick etwas eintönig, wir kennen die Pflanzen und Bäume ja noch nicht.

Da man genügend Platz hat, ziehen  sich die Vorstädte weit ins Land. Man kauft wohl gern in größeren Shopping-Centern ein. Außerdem fallen Kasernen auf und für die Armee reservierte Truppenübungsplätze. Parallel zur Straße fällt ein Zaun auf, den man laut Beschilderung besser nicht übersteigt. Es wird scharf geschossen.

Zunächst sind noch Siedlungen zu sehen, einige Mango-Plantagen und viele „Billabongs“ (Teiche, Flussarme, Überflutungen.) Von den angeblich tausenden Krokodilen sehen wir nur drei. Die kleineren Süßwasser-„freshies“ seien harmlos. Aber das probieren wir lieber nicht aus. Die großem „salties“ flößen noch mehr Respekt ein, zumal wir ein berühmtes ausgestopftes Exemplar namens „sweetheart“ schon im Museum bewundern konnten.

Es heißt, dass die Bininj für diesen Park sorgen, aber wir bekommen sie nur auf Traktoren oder Baggern zu Gesicht. Die Rangers sind Weiße.

Inmitten der Wildnis liegt das Warradjan Aboriginal Cultural Center. Es ist im Grunde ein ethnologisches Museum, das ein wenig den (früheren) Alltag zeigt. Man wüsste gern, was noch heute benutzt wird. Aber die einzige Aboriginal-Frau möchte nur Souvenirs verkaufen. Die Auswahl der angebotenen Bücher ist klein.

Neben dem Arnhem Highway grasen Wallabies, kleine Kängurus, die schnell weghoppeln. Dingos, die australischen Wildhunde, jagen davon. Und immer  wieder uns unbekannte Vögel, darunter ein weißer Kakadu. Probleme bereiten dem sensiblem Ökosystem nicht die Krokodile, sondern Wasserbüffel und Schweine. Und die fetten Aga-Kröten breiten sich  aus. Sie wurden 1935 aus Venezuela importiert, um die Maikäfer-Plage zu bekämpfen. Die flogen aber  einfach davon und die Kröten sind selbst zur Plage geworden. Ein Weibchen bringt es im Monat auf 30000 Eier. Ihr Drüsensekret ist giftig, sodass ihre Fressfeinde eingehen. Sie selber vertilgen aber alles. Ein abschreckendes Beispiel einer Bioinvasion, die von ahnungslosen Wissenschaftlern eingeleitet wurde.

Wir überqueren mehrere Flüsse, die je nach Tide recht breit Wasser führen. Sie heißen Maryriver,  West- und South Alligator River. Der East Alligator River ist die Grenze zum Arnhem Land, die wir nicht überschreiten dürfen. Es gibt dort einige Uran-Minen, die noch in Betrieb sind. Mich würde schon interessieren, wie dort die ökonomischen Besitzverhältnisse sind. 15% der weltweiten Uranvorräte lagern hier. Der Abbau im Osten des Schutzgebietes führt immer wieder zu Konflikten.

Ngurrungurrudjba soll wohl „Gelbes Wasser“ heißen. Tatsächlich fließt der „Yellow Water“ als braune Brühe träge dahin. Wir fahren mit einem flachen Spezialboot eine Stunde auf dem Fluss, der immer von den Ufern her zuzuwachsen scheint. Aber die grünen Schlingpflanzen mit teils wunderschönen Blüten schwimmen selber. Manche Vögel brüten dort.

Ziel unserer Tour ist aber der Fels Nourlangle, den wir aber Burrungkuy nennen sollen. Hier finden wir Felszeichnungen, die wohl 20000 Jahre alt, teils aber auch jüngeren Datums sind. Man erkennt mythische Figuren, Tiere und Pflanzen. Ein Bild ist wohl besonders „sacred“, denn der „Caretaker“ bittet per Schild, es nicht zu fotografieren. Da außer den Geistern niemand da ist, bin ich versucht, das Gebot zu übertreten, lasse es aber aus Respekt dann doch. Die Foto-Sucht meiner Zeitgenossen stößt mich sowieso immer mehr ab. Schon der Fotoapparat (oder das „unauffällige“ smartphone“) schafft zu den Menschen eine unangenehme Distanz.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s