Seemannsmission

Als Junge von der Waterkant hatte ich mal die Nase voll von der Schule, wollte abgehen und zur See fahren. Als ich mich allerdings in Bremerhaven näher nach den Bedingungen erkundigte, verzichtete ich auf dieses Vorhaben, zumal meine besorgte Mutter meinte: „Als Matrose bist du der letzte Dreck. Mach‘ Abitur und werde Kapitän.“ Den erste Teil des Rates habe ich befolgt, dann aber lieber Theologie studiert, um das Schiff der Kirche mitzusteuern.

Wenn ich nicht selber predige, besuche ich die Gottesdienste meiner Gemeinde. Medien sind für mich kein Ersatz für das echte Leben. Heute habe ich eine Ausnahme gemacht, weil es sich um einen Gottesdienst der Seemannsmission in Hamburg handelt. Ich wurde durch eine starke Predigt der Hamburger Bischöfin Kirsten Fehrs belohnt.
Mitarbeiter der Seemannsmission berichten von den Herausforderungen, denen sich Seeleute heutzutage gegenübersehen: Arbeitsstress, Naturgewalten und Piratenangriffe. Sie bringen ein von dem, was sie bei ihrem Einsatz auf Schiffen im Hafen Hamburg erleben. Sie feiern diesen Gottesdienst in der St.Gertrudkirche, die allein ist übrig geblieben ist vom Dorf Altenwerder, das weichen musste, weil ein neues Terminal für die großen Containerschiffe gebaut wurde.

Die Seemannsmission und Bischöfin Kirsten Fehrs schließen sich der Kritik des Verbands Deutscher Reeder (VDR) am Rückzug der Marine aus der Rettung von Flüchtlingen im Mittelmeer an. „Wir begrüßen diese klaren Worte“, sagte DSM Präsidentin Clara Schlaich in Hamburg, „die EU muss eine Lösung finden für die menschlich und politisch so wichtige Frage der Bootsflüchtlinge im Mittelmeer. Zustände wie vor einigen Jahren dürfen sich nicht wiederholen, sie sind für Flüchtlinge und Seeleute untragbar.“ Der Rückzug der Deutschen Marine aus der Mission „Sophia“ im Mittelmeer führt dazu, dass noch weniger Schiffe zur Verfügung stehen, um Flüchtlinge in Seenot zu retten. Dann sind meist wieder die Handelsschiffe die einzigen Schiffe in der Nähe und damit nach internationalem Seerecht zur Rettung verpflichtet.

Für die Seeleute sind solche Rettungseinsätze eine große Belastung, vor allem, weil die hochbordigen Frachtschiffe für diese Art der Rettung kaum geeignet sind“, ergänzt Seemannspastor Matthias Ristau. Wenn die schwierige Rettung gelingt, ist es belastend und inakzeptabel, wenn kein Hafen bereit ist, die Geretteten aufzunehmen. Mitarbeitende der Seemannsmission hören immer wieder von Seeleuten, wie es sie emotional mitnimmt, wenn die Rettung sich schwierig gestaltet, weil ihr Schiff einfach viel zu hoch ist, oder wenn vor ihren Augen Menschen ertrinken. Ristau kritisiert: „Die Seeleute stehen in dem Dilemma entgegen internationalem Seerecht einfach vorbeizufahren oder als Schlepper von Behörden wie z.B. in Italien kriminalisiert zu werden.“ Die Bischöfin im Sprengel Hamburg und Lübeck der Nordkirche, Kirsten Fehrs, unterstützt ebenfalls den Appell von Reederverband und Seemannsmission. „Wir brauchen dringend koordinierte und professionelle Rettungseinsätze auf dem Mittelmeer. Auch wenn die Mission Sophia ursprünglich nicht zur Rettung von Flüchtlingen begründet worden war, hat sie faktisch Tausende von Menschenleben gerettet.“ Bischöfin Fehrs setzt sich in diesem Jahr als „Stimme der Seeleute“ für die Seemannsmission ein. Auf See ist der „Näheste“ der Nächste
Seemannspastor Matthias Ristau erläutert: „Seeleute retten Schiffbrüchige und Menschen in Seenot. Das ist uralte Selbstverständlichkeit auf See, denn da ist der Nächste ganz wörtlich derjenige, der am dichtesten dran ist. Deshalb werden diese zu Hilfe eilende Schiffe im internationalen Sprachgebrauch auf See auch heute noch als Good Samaritans bezeichnet. Das geht auf das biblische Gleichnis vom barmherzigen Samariter zurück, auf dem der Begriff der christlichen Nächstenliebe beruht.“

https://www.zdf.de/gesellschaft/gottesdienste

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