Green Book

Mit Begeisterung haben viele den  amerikanischen Film „Green Book“ gesehen. Man spürt diese auch in der „Filmshow“, die Pfarrer Christian Engels, Leiter des Filmkulturellen Zentrums im Gemeinschaftswerk der Evangelischen Publizistik, regelmäßig im Internet veröffentlicht. https://www.youtube.com/watch?v=JF24Guy7yPI.

Der mit vielen  Preisen ausgezeichnete Film von Peter Farrelly  zeigt die erstaunliche Beziehung des schwarzen, etwas  autistischen Pianisten Don Shirley und eines weißen, etwas primitiven Nachtclub-Türstehers namens Tony „Lip“ Vallelonga, der als Fahrer und Leibwächter angestellt wird. Denn Don Shirley will ausgerechnet in den rassistischen Südstaaten – man schreibt 1962! – Konzerte geben. Dazu brauchen sie als Reiseführer das „Negro Motorist Green Book“, in dem die für Schwarze zugelassenen Übernachtungsplätze aufgelistet sind. Denn selbst dieser berühmte Künstler darf nicht in jedes Hotel und wird vom gemeinsamen Essen ausgeschlossen. Sie geraten in turbulente Auseinandersetzungen, die Tony aufgrund seiner Kampferfahrungen letztendlich immer wieder klären kann. Der ganze Irrsinn des Rassismus steht wieder auf, noch mehr allerdings die wachsende Freundschaft der beiden so unterschiedlichen Männer.

Ein Spielfilm ist kein Dokumentarfilm und darf sich gewisse Freiheiten erlauben. Er prägt aber für die meisten Zuschauer den Blick auf die Vergangenheit. Ich habe mich darum  gefragt: Was ist historisch wahr? Die Darstellung des südstaatlichen Rassismus ist sicherlich korrekt. Auf diese Weise haben viele Leute erstmals von jenem ominösen „Green Book“ erfahren. Es wird in der amerikanischen Presse diskutiert, dass Shirleys Familie gar nicht einverstanden ist mit dem Film und seinen Machern Verfälschung vorwirft. So könne von einer Freundschaft zwischen den beiden nicht die Rede sein, sondern es war eindeutig ein Arbeitgeber-Arbeitnehmer-Verhältnis auf Zeit. Sein Bruder Maurice Shirley sagte: „My brother never considered Tony to be his ‚friend‘; he was an employee, his chauffeur (who resented wearing a uniform and cap). This is why context and nuance are so important. The fact that a successful, well-to-do Black artist would employ domestics that did not look like him, should not be lost in translation.“ Don Shirley habe entgegen den Unterstellungen im Film immer gute Beziehungen zu seiner Familie und zur schwarzen Community unterhalten.

Insbesondere der Sohn Vallelongas, Co-Autor des Drehbuches, hat wohl allzu unkritisch die Version seines Vaters Tony übernommen, der auf diese Weise geradezu zu einem Retter hochstilisiert  wird. Einmal mehr hat ein Spiel-Film einen verzerrten weißen Blick auf das Amerika der Schwarzen eingenommen.

Wer war Don Shirley?    Vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Don_Shirley.

Dr. Donald Walbridge Shirley (*1927 in Florida; † 2013 in New York) war ein klassisch studierter Pianist, der allerdings niemals in Leningrad war. Als Komponist verschmolz er in seiner Musik Jazz und Klassik. Er schrieb u.a. Orgel- und Klavierkonzerte, dazu ein Cellokonzert. Sein Vater Edwin war Pfarrer der episkopalen Kirche. Bereits mit drei Jahren spielte Don Shirley Orgel; mit zehn Jahren trat er als Konzertpianist auf. Öfter trat er auch mit Unterhaltungsmusik auf. Anders als im Film unterstellt war er mit vielen schwarzen Musikern  wie Duke Ellington befreundet. Für ihn schrieb er ein sinfonisches Werk.

Frustriert von zu wenigen Chancen für schwarze klassische Musiker studierte er  zwischenzeitlich an der Universität von Chicago Psychologie und arbeitete dort auch als Psychologe. Er forschte wissenschaftlich über das Verhältnis von Musik und jugendlicher Gewalt.

Ab 1955 spielte er mit den bedeutenden Orchestern der USA , einmal auch  an der Scala in Mailand.

Er beteiligte sich an der Bürgerrechtsbewegung Martin Luther Kings. So hoffte er in den sechziger Jahren, durch Konzerte in den Südstaaten  die rassistische Mentalität in Amerika überwinden zu können.

Eine dokumentarische Filmsequenz aus späterer Zeit findet man unter https://www.youtube.com/watch?v=DtrwLxeM8B4

Im Spielfilm gelingt das Happy End zu Weihnachten, wenn beide – der Schwarze  und der Weiße  – ihre gegenseitigen Vorurteile überwunden haben. In unserer Realität ist Rassismus trotz vieler Verbesserungen nicht nur in amerikanischen Südstaaten eine bleibende Herausforderung.

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