Die Kirche und ihr Geld

Die Pfarrpensionäre (wie auch ich) verbrauchen die Zukunftsmöglichkeiten der jungen kirchlichen Mitarbeiter. So sehr ich mein „bedingungsloses Grundeinkommen“ ab dem 65. Lebensjahr genieße, so fragwürdig finde ich zunehmend das Beamtentum in unserer Kirche. Es muss zumindest einmal in Frage gestellt werden. Ein solches System gibt es in anderen Kirchen der Welt nicht.

Unsere württembergische Landeskirche hat gerade ihre Herbstsitzung beendet. Man kann die Beratungen heutzutage im Internet verfolgen und muss seine Zeit nicht mehr auf der Empore vertun. Die wichtigste Aufgabe des Kirchenparlaments ist die Regelung der Finanzen und der Haushaltsplan.

Der verantwortliche Finanzdezernent Kastrup verwies auf der Synode auf den hohen Fixkostenanteil dieser Landeskirche, der vor allem durch einen kostenintensiven Immobilienstand und einen „ausgesprochen hohen Personalkostenanteil“ geprägt sei. Der Pfarrdienst mache derzeit die Hälfte des landeskirchlichen Haushalts aus. Ein Posten, der trotz des Rückgangs aktiver Pfarrerinnen und Pfarrer weiter deutlich steigen werde, weil die Gesamtzahl der zu finanzierenden Personen im Pfarrdienst durch die personenstarken Jahrgänge, die in den Ruhestand gehen, lange Zeit „mindestens stabil“ bleibe. Um die Deckungslücke im Pfarrdienst zu schließen, müsse in den nächsten zehn Jahren eine weitere Milliarde in die Versorgungsabsicherung investiert werden.

Der Vorsitzende des Finanzausschusses, Michael Fritz, sprach von einem „Haushalt, der sehr solide gebaut ist“. Besonderes Augenmerk legte Fritz  auf die Beiträge zu den Versorgungskassen, insbesondere die der Pfarrerinnen und Pfarrer. Allein der laufende Beitrag an die Evangelische Ruhegehaltskasse steige von 2018 auf 2019 um 10,5 Prozent, was einen Mehraufwand von sechs Millionen Euro verursache. „Wir haben bald ein Beitragsniveau von 60 Millionen Euro pro Jahr erreicht und weitere etwa zehnprozentige Steigerungen sind für die Jahre 2020 und 2021 angekündigt“, so Fritz. Oberstes Ziel müsse es sein, auch kommenden Generationen Gestaltungsspielräume zu erhalten.

Obwohl derzeit die Kirchensteuern noch sprudeln, werden aus berechtigter Angst vor künftigen Verpflichtungen laufend Pfarrstellen gestrichen oder halbiert.

Es wäre zumindest zu überlegen, ob PfarrerInnen, die dies wollen und können, nicht über die bisherige Pensionsgrenze hinaus beschäftigt werden sollen. In den USA habe ich ein Senior-Junior-Modell kennengelernt, in dem älteren und jüngere Kollegen zusammenarbeiten. Sicherlich mag ein Senior nicht mehr unbedingt pubertierende Konfirmanden oder eine 9. Klasse unterrichten, aber seine Predigten sind vielleicht durch mehr Lebenserfahrung besonders interessant. Da geschäftsführende Pfarrer kaum noch Besuche machen können, wären  auch spezielle Seelsorge-Aufträge denkbar.

Natürlich kann man als Pfarrer i.R. (in Rufweite) jederzeit ehrenamtlich tätig werden. Viele tun das auch. Ein regelrechter kirchlicher Auftrag wäre aber angebracht und könnte beim künftigen Pfarrermangel die jüngeren entlasten.

Weiteres unter https://www.elk-wue.de/#layer=/wir/landessynode/sitzungen-der-landessynode/herbsttagung-2018.

 

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s