Friedensdekade 2018

Die kirchliche Mitwirkung am Volkstrauertag ist eine Relikt des Bündnisses von „Thron und Altar“. Ich bin froh, dass ich daran als Pfarrer nicht mehr mitwirken muss. Denn die übliche Liturgie auf den Friedhöfen lässt kaum die Freiheit zu sagen, was gegen den Krieg gesagt und getan werden muss. Ich habe darum schon als Vikar 1975 in unserer Gemeinde die „Friedenswoche“ eingeführt, die nach der Wiedervereinigung aufgrund der Erfahrungen der ostdeutschen Christen zur Friedensdekade geworden ist. Ihre Veranstaltungen bieten den Rahmen, um sachgemäß die unterschiedlichsten Facetten der Friedensarbeit zu besprechen. Ich freue mich, dass immer mehr daran teilnehmen und die EKD hervorragendes Vorbereitungsmaterial zur Verfügung stellt.

Natürlich ist die Teilnahme selektiv. Manche begnügen sich mit einem Gottesdienst oder musikalischen Beiträgen, andere (wohl eher weniger) organisieren theologische und politische Veranstaltungen, in denen notwendige Auseinandersetzungen zivilisiert ausgetragen werden können.

Der Friedensbeauftragte des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland, Renke Brahms, hat aus Anlass der Ökumenischen FriedensDekade vor den Gefahren einer zunehmenden Digitalisierung und Automatisierung kriegerischer Waffen gewarnt. „Es ist höchste Zeit, dass es möglichst bald zu einer internationalen Ächtung automatischer Waffensysteme kommt“, betont Renke Brahms. Er sieht sich dabei in Übereinstimmung mit IT-Unternehmerinnen und Unternehmern sowie Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern im Bereich künstliche Intelligenz, die bereits im August vergangenen Jahres in einem Schreiben an die UN ein Verbot von Killerrobotern gefordert haben. „Und auch Nichtregierungsorganisationen haben deren Verbot gefordert. Hier muss die Staatengemeinschaft reagieren“, so der Theologe.  „Die Digitalisierung macht uns auch in unserem Alltag angreifbar. Darauf muss die Politik antworten und sich verteidigen, aber dies kann nicht automatisch eine Sache des Militärs sein“. Und mit Blick auf das Motto der diesjährigen Friedensdekade betont der EKD-Friedensbeauftragte: „Unsere Antwort auf einen Krieg 3.0 muss Frieden 3.0 sein. Dazu gehört der klare Vorrang für Zivil und Prävention.“

Die Bundesregierung sieht das anders wie ihre Finanzplanung beweist: Die sieht bis 2022 eine massive Erhöhung der Verteidigungsausgaben vor, während die Mittel für Frieden und Entwicklung stagnieren oder sogar sinken sollen.
Das ist geplant: Der Etat des Verteidigungsministeriums steigt 2019 um 11 Prozent auf insgesamt 42,9 Milliarden Euro. Beim Etat für Entwicklungszusammenarbeit fällt das Wachstum mit 3 Prozent auf insgesamt 9,7 Milliarden Euro wesentlich bescheidener aus. Laut der im Mai veröffentlichten Planung für die Folgejahre soll der Entwicklungsetat ab 2020 sogar sinken!

Unsere Kritik: Investitionen in Entwicklung, zivile Krisenprävention und Friedensförderung
sparen langfristig Kosten, wirken nachhaltig und schaffen notwendige Lebensgrundlagen für kommende Generationen. Dennoch haben sie im Bundehaushalt keine Priorität. Investitionen in militärische Verteidigung aber geben keine Antworten auf drängende Zukunftsfragen.

(Nach einer Information von ORL-Informationen 166). Ich habe mich darum an der Briefaktion „Zivil ist MehrWert“ beteiligt. http://www.ohne-ruestung-leben.de.

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