Tränen und Trotz

Im Deutschen Institut für Ärztliche Mission Tübingen werden wir ständig mit unvorstellbarem Leid konfrontiert. Es kommt nicht nur durch Medien zu uns, die man notfalls abstellen kann, sondern durch persönliche Kontakte in alle Welt.

Wenn ich höre, dass die Ebola-Seuche im Kongo fast schon besiegt war, aber nun die marodierenden Banden gezielt Krankenstationen angreifen, dann steigen in mir Tränen der Wut und des Trotzes auf. Und wir fragen mit Recht, warum die UN-Soldaten nur zugucken  und nicht eingreifen, um vor allem die geschändeten Frauen zu schützen.

In dieser Lage lese ich Losung und Lehrtext für Samstag, den 17. November 2018:

Die Tage deiner Trauer werden ein Ende haben. Jesaja 60,20

Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen.  Offenbarung 7,17

Der erste Vers ist zunächst Menschen gesagt, die im Exil auf ihre Rückkehr hoffen. Eine prophetische Vision macht Hoffnung auf eine Änderung der Verhältnisse. Sie ist wohl aufgeschrieben worden, weil sie Wirklichkeit geworden ist. Die Juden konnten aus der “babylonischen Gefangenschaft“ heimkehren.

Aber sie mussten in ihrer Geschichte bis auf den heutigen Tag immer wieder erleben, dass ihre Existenz nicht gesichert war. Wie es scheint, hören die Kriege unter den Menschen nicht auf, auch gegenwärtig nicht. So ist der Satz aus der Offenbarung wohl ein Blick über unsere Zeit hinaus. Ein Blick, der uns aber befähigt, die Herausforderungen unserer  Zeit zu bestehen.

Gerade die Geschichte der christlichen Mission ist eine Beispielsammlung von Menschen, die ihrer Zeit voraus waren.

Ich erinnere an David Zeisberger, dessen Todestag heute ist. David wer? Zeisberger war ein Flüchtlingskind. Seine Eltern mussten 1726 mit dem fünfjährigen Sohn wegen religiöser Verfolgung aus Mähren (heute Tschechien) fliehen. Sie wurden vom Gründer der Herrnhuter Brüdergemeine  Graf Nikolaus Ludwig von Zinzendorf aufgenommen. 1735 kaufte er Land für die Missionsarbeit in der damals britischen Kolonie von Georgia (heute USA). Davids Eltern gehörten zu den ersten Siedlern, ließen aber den Sohn zur Schulausbildung in Deutschland zurück. Erst drei Jahre später  durfte der besonders sprachbegabte Schüler zu seinen Eltern nachreisen. Er lernte die Indianer-Sprache der Creek. Das war der Beginn seiner 62-jährigen Missionstätigkeit unter den Indianern. Er lernte und erforschte weitere Indianer-Sprachen und kümmerte sich um die Angehörigen der von der Ostküste vertriebenen Stämme.

Zeisbergers Beziehungen zu den britischen Behörden verschlechterten sich im Verlauf des Unabhängigkeitskriegs zusehends, weil er sich auf die Seite der Indianer stellte und für deren Rechte eintrat. Die von ihm gegründeten und betreuten christlichen Indianer-Gemeinden vertraten einen konsequenten Pazifismus, den sie mit der Ausrottung ganzer Dörfer bezahlen mussten. Der „Apostel der Indianer“ publizierte Grammatiken und Wörterbücher, Kulturgeschichte und Predigten. Seinen Lebensabend verbrachte er bei christlichen Indianern in Ohio. Dort starb er hochangesehen am 17.11.1808. Die amerikanische „Moravian Church“ gehört zu den bedeutenden „Provinzen“ der  weltweiten Brüder-Unität, bei uns bekannt als Herrnhuter Brüdergemeine.

An ihm erfüllte sich das Psalmwort (126,5) „Die mit Tränen säen, werden mit Freuden ernten.“

(Nach einer Andacht im Verwaltungsrat des Deutschen Instituts für ärztliche Mission.)

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