EKD-Synode

Ich gehe in die Bibliothek, um die Berichte unserer Presse zur Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) zu studieren.

Die ZEIT berichtet diese Woche auf einer ganze Seite über die synodale Debatte zum sexuellen Missbrauch in der evangelischen Kirche. Die Bischöfe Fehrs und Bedford-Strohm kommen in diesen Artikeln nicht gut weg. Andere Themen aus der jüngsten EKD-Synode finden sich nicht. In anderen Zeitungen ist es ähnlich. Also stöbere ich im Internet, um mehr zu erfahren.

Die Hamburger Bischöfin Kirsten Fehrs wird also zuständig sein, um die Missbrauchsfälle aufzuarbeiten. Wer bisher glaubte (wie ich), dass diese in unserer Kirche kaum vorkommen, wird eines Schlechteren belehrt. Fehrs nannte begünstigende Faktoren: „Gewisse Machtstrukturen, falsch verstandene Reformpädagogik ab den 70er Jahren und eine unscharfe Trennung von dienstlichen und privaten Verhältnissen.“

Eigentlich ging es auf der Synode um Jugendarbeit. Woran glauben junge Menschen zwischen 18 und 26 Jahren? Wie stehen sie zur Kirche und wie sollte diese sich ihrer Meinung nach weiterentwickeln? Diese Fragen standen im Mittelpunkt der 5. Tagung der 12. Synode vom 11. bis 14. November 2018 in Würzburg. Denn das Schwerpunktthema lautete „Glaube junger Menschen“.

Manche Kommentatoren werfen der Kirche vor, dass sie sich nur mit sich selbst beschäftige. Das ist Unsinn. Synoden haben nun einmal die Aufgabe, die eigenen Belange zu ordnen. Lese ich die Berichte aus den zahlreichen Arbeitsbereichen, bin ich schon beeindruckt. Natürlich produziert der Kirchenalltag keine Schlagzeilen.

Eine „Kirche des Wortes“ kommt ohne Rede nicht aus. Die des Ratsvorsitzenden Bedford-Strohm finde ich nicht schlecht, wenn er nüchtern sagt:

„Als Kirche den Pluralismus der Lebensstile und die daraus entstehenden unterschiedlichen Erwartungen wahrzunehmen, heißt, drei Dinge anzuerkennen:

Erstens: Bischof Axel Noack hat vor Jahren so schön gesagt: „Fröhlich kleiner werden und dabei wachsen wollen.“ Diese Lebenskunst ist uns heute aufgegeben. Wir werden kleiner. Die demographischen und soziologischen Faktoren, die u. a. dahinterstehen, werden wir nicht – jedenfalls nicht aus menschlicher Kraft – ins Gegenteil verkehren können. Aber der Wille, die frohe Botschaft weiterzusagen und Menschen dafür zu gewinnen, soll uns umso mehr beseelen. Heimat im Glauben an die Liebe Gottes zu haben und diese Heimat in der Gemeinschaft vor Ort und darüber hinaus lebendig werden zu lassen: Danach werden Menschen zu allen Zeiten sich sehnen.

Zweitens: Ein Angebot für jeden Lebensstil und jede Lebenssituation zu machen, ist unmöglich. Eine Antwort darauf kann sein: als Kirchen viel vernetzter zu arbeiten. Viel mehr als bisher muss es uns gelingen, die jeweiligen Stärken der unterschiedlichen Akteure miteinander und füreinander fruchtbar zu machen. Nicht jede Gemeinde muss alles oder auch nur so vieles wie bisher anbieten. Die modernen Kommunikationstechnologien geben viele Möglichkeiten, die Angebote in einem Raum so zu vernetzen, dass Menschen das finden, was ihren Glauben stärkt.

Drittens – und das ist vielleicht das Wichtigste: Neben der Präsenz in den digitalen Welten wird die andere Antwort wichtig bleiben: Face-to-face zu arbeiten, als glaubwürdige Christenmenschen uns begegnen und mit unserem Leben Zeugnis ablegen. Dass allerdings wird in manchen Räumen – heute schon in manchen Gebieten in Ostdeutschland – nur noch in einer möglichst guten Vernetzung über größere Entfernungen möglich sein.“

https://www.ekd.de/bericht-rat-synode-2018-muendlich-40041.htm

Dass für den einzelnen Christen andere Schwerpunkte entscheidend sind, sei gern eingeräumt. So schreibt beispielsweise der ZEIT-Redakteur Tillmann Prüfer (Autor des Buches „Weiß der Himmel …? Wie ich über die Frage nach Leben und Tod stolperte und plötzlich in der Kirche saß“ (Gütersloher Verlagshaus). Die evangelische Kirche müsse die existenziellen Fragen nach der eigenen Vergänglichkeit, Scheitern und Schuld beantworten. Viele hätten ein spirituelles Loch in sich und versuchten dieses zu füllen: „Wir besuchen Kurse für Meditation, Yoga und Schamanismus und bezahlen viel Geld dafür, um den geistlichen Hunger in uns zu stillen. Wir versuchen alles, um unsere Angst vor dem Tod zu verdrängen.“ Der Fitnesstrend und die Nahrungsmittel-Besessenheit seien ein Ausdruck dafür, dass man jung bleiben und den Verfall des Körpers aufhalten wolle. Auf diese Trends könne die christliche Botschaft eine Antwort sein.

Eine wichtige Erfahrung des Journalisten war ein  Besuch afrikanischer Kirchen in Tansania. Prüfer: „Wenn man in Deutschland sagt, dass man in die Kirche geht, halten das viele für eine seltsame Geisteskrankheit, die kuriert werden muss. Aber in Tansania war es umgekehrt: Ich saß dort mit meinem typisch deutschen Skeptizismus im Gottesdienst und fühlte: Diese Menschen haben etwas im Herzen, was ich nicht habe.“ Damals sei sein Atheismus zum ersten Mal erschüttert worden. Nach dem plötzlichen Tod eines Freundes habe ihm der christliche Glaube geholfen, um auf den Beinen zu bleiben. Gebet und Gesang hätten ihm ermöglicht, seiner Trauer und Verzweiflung Raum zu geben.

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