Archiv für den Monat November 2018

Die Kirche und ihr Geld

Die Pfarrpensionäre (wie auch ich) verbrauchen die Zukunftsmöglichkeiten der jungen kirchlichen Mitarbeiter. So sehr ich mein „bedingungsloses Grundeinkommen“ ab dem 65. Lebensjahr genieße, so fragwürdig finde ich zunehmend das Beamtentum in unserer Kirche. Es muss zumindest einmal in Frage gestellt werden. Ein solches System gibt es in anderen Kirchen der Welt nicht.

Unsere württembergische Landeskirche hat gerade ihre Herbstsitzung beendet. Man kann die Beratungen heutzutage im Internet verfolgen und muss seine Zeit nicht mehr auf der Empore vertun. Die wichtigste Aufgabe des Kirchenparlaments ist die Regelung der Finanzen und der Haushaltsplan.

Der verantwortliche Finanzdezernent Kastrup verwies auf der Synode auf den hohen Fixkostenanteil dieser Landeskirche, der vor allem durch einen kostenintensiven Immobilienstand und einen „ausgesprochen hohen Personalkostenanteil“ geprägt sei. Der Pfarrdienst mache derzeit die Hälfte des landeskirchlichen Haushalts aus. Ein Posten, der trotz des Rückgangs aktiver Pfarrerinnen und Pfarrer weiter deutlich steigen werde, weil die Gesamtzahl der zu finanzierenden Personen im Pfarrdienst durch die personenstarken Jahrgänge, die in den Ruhestand gehen, lange Zeit „mindestens stabil“ bleibe. Um die Deckungslücke im Pfarrdienst zu schließen, müsse in den nächsten zehn Jahren eine weitere Milliarde in die Versorgungsabsicherung investiert werden.

Der Vorsitzende des Finanzausschusses, Michael Fritz, sprach von einem „Haushalt, der sehr solide gebaut ist“. Besonderes Augenmerk legte Fritz  auf die Beiträge zu den Versorgungskassen, insbesondere die der Pfarrerinnen und Pfarrer. Allein der laufende Beitrag an die Evangelische Ruhegehaltskasse steige von 2018 auf 2019 um 10,5 Prozent, was einen Mehraufwand von sechs Millionen Euro verursache. „Wir haben bald ein Beitragsniveau von 60 Millionen Euro pro Jahr erreicht und weitere etwa zehnprozentige Steigerungen sind für die Jahre 2020 und 2021 angekündigt“, so Fritz. Oberstes Ziel müsse es sein, auch kommenden Generationen Gestaltungsspielräume zu erhalten.

Obwohl derzeit die Kirchensteuern noch sprudeln, werden aus berechtigter Angst vor künftigen Verpflichtungen laufend Pfarrstellen gestrichen oder halbiert.

Es wäre zumindest zu überlegen, ob PfarrerInnen, die dies wollen und können, nicht über die bisherige Pensionsgrenze hinaus beschäftigt werden sollen. In den USA habe ich ein Senior-Junior-Modell kennengelernt, in dem älteren und jüngere Kollegen zusammenarbeiten. Sicherlich mag ein Senior nicht mehr unbedingt pubertierende Konfirmanden oder eine 9. Klasse unterrichten, aber seine Predigten sind vielleicht durch mehr Lebenserfahrung besonders interessant. Da geschäftsführende Pfarrer kaum noch Besuche machen können, wären  auch spezielle Seelsorge-Aufträge denkbar.

Natürlich kann man als Pfarrer i.R. (in Rufweite) jederzeit ehrenamtlich tätig werden. Viele tun das auch. Ein regelrechter kirchlicher Auftrag wäre aber angebracht und könnte beim künftigen Pfarrermangel die jüngeren entlasten.

Weiteres unter https://www.elk-wue.de/#layer=/wir/landessynode/sitzungen-der-landessynode/herbsttagung-2018.

 

Gescheiterte Integration?

„Die Wirtschaft und ihre exportorientierten Interessen, der Sozialstaat und seine Profiteure, die Kirchen und ihre Privilegien, die Islamverbände und ihre Agenda wehren sich gegen ein umfassendes Integrationskonzept.“

Das ist eine These aus dem neuen Buch „Integration“ von Hamed Abdel-Samad, das ich im politischen Gesprächskreis der Rottenburger Stadtbibliothek vorstelle. Der Autor wird nicht nur von Muslimen angegriffen, sondern ärgert auch linksliberale Zeitgenossen, die ihren Traum von der multikulturellen Gesellschaft nicht stören lassen wollen. Ich aber schätze seine der europäischen Aufklärung verpflichteten Position, die er schon in seinen Büchern über Mohammed und den Koran dargelegt hat.

Abdel-Samad ist 1972 in Gizeh bei Kairo als Sohn eines Imams geboren und 1995 nach Deutschland gekommen.  Er hat Islamwissenschaft und Politologie studiert, aber auch über jüdische Geschichte gearbeitet. Mehrere islamische Geistliche haben 2013 zu seiner Ermordung aufgerufen, weil er den Islam mit dem Faschismus verglich. Weil die Sicherheitsbehörden von einer realen Gefahr ausgehen, wird Abdel-Samad seither rund um die Uhr beschützt.

Auf den ersten etwa 230 Seiten breitet der Journalist seine Diagnose aus, die schon der Untertitel zusammenfasst: „Ein Protokoll des Scheiterns“. Er kennt zwar auch Integrationserfolge, aber insbesondere in islamischen Kreisen sieht  er Deutschland bedroht von Integrationsverweigerern.

Der Autor beschreibt seine persönliche Integration, die zu der Erkenntnis  führt: „Das islamische Wertesystem und das westliche Wertesystem passen einfach nicht zusammen.“ In Teilen würden sich beide System sogar ausschließen.

Er listet auf, was wo alles schiefläuft bei der Integration der muslimischen Einwanderer: Bildungsverweigerung, mangelnde Wertevermittlung, Ausgrenzung, Politisierung des Islam, Anspruchsmentalität, „Naivität der Politiker“, Fehlen einer offenen Streitkultur.

So kritisiert er die unzähligen Studien zu Migration und Integration, unter denen sich jeder das Passende aussuchen könne. Der Autor bevorzugt deshalb das unmittelbare Gespräch mit Migranten, um der Wahrheit näherzukommen. Allerdings trifft er vor allem Migranten, die seinen Befund stützen.

„Leider hat sich unter den Muslimen noch kein Gegenkollektiv gebildet, das Freiheit nicht nur toleriert, sondern auch zelebriert. Der freie Muslim ist nach wie vor ein Einzelkämpfer, der nicht nur für seine Freiheit kämpfen, sondern sich dafür bei vielen sogar entschuldigen muss.“

Seine These des Scheiterns stützt er auch durch diverse Reisen. Er erzählt, dass er Migrantenviertel in Paris, Marseille, Brüssel, Amsterdam, Aarhus, Kopenhagen, Malmö, Bonn und Berlin besucht habe: „Nicht überall konnte ich unbeschwert spazieren gehen, in vielen dieser Orte gibt es No-go-Areas, vor denen die Polizei mich gewarnt hat.“

Sein  Appell: „Wenn wir uns genauso vehement für unsere Werte einsetzen würden wie die Intoleranten für ihre, könnten wir die Demokratie noch retten.“ Die „Zivilisation“ sei durch intolerante Muslime gefährdet, die „Zersetzungstendenzen“ seien „weit fortgeschritten“. Und er zieht noch eine Parallele zur dunkelsten Vergangenheit: Damals die schweigende Mehrheit der Deutschen zwischen 1933 und 1945, heute die schweigende Mehrheit der friedlichen Muslime, die nichts zum heutigen Terror sage.

Er stellt berechtigte Fragen und weist auf Widersprüche im politischen Spektrum hin. Wenn er kritisiert, dass Politik und Teile der Gesellschaft Migranten zwar förderten, aber zu wenig fordern, weil man das für Diskriminierung halte. „Ich nenne das ,Rassismus der gesenkten Erwartungshaltung'“, weil „diese Leute“ Migranten in ihrer „Opferhaltung“ bestätigten. Überhaupt dürfe man den Rassismus nicht vorschnell verantwortlich machen für Defizite auf Seiten von Muslimen. Oft liege etwa eine Jobabsage am fehlerhaften Deutsch der Migranten.

„Millionen von Migranten haben sich durch eigene Kraft und ohne staatliche Maßnahmen in dieses Land integriert. Auch Muslime! Gelungen ist aber nur ihr individuelles Ankommen, gescheitert der Versuch, Muslime als Kollektiv zu integrieren. Konservative Kräfte bestimmen heute das Bild vom Islam. Der Staat, indem er die Islamverbände förderte, hat Integrationsgegner zu Wächtern des Integrationsprozesses gemacht – und so das Glaubenskollektiv gestärkt, nicht den Einzelnen.“

Integration ist keine Einbahnstraße, beide Seiten müssen etwas dafür tun – und beide müssen es wollen. Aufseiten der Migranten setzt Integration Widerstand gegen muslimische Einflüsse voraus. „Wer sich in eine freie Gesellschaft integrieren will, muss sich weigern, Teil von unfreien Strukturen zu bleiben. Dazu braucht er Entscheidungsfreiheit. Eine patriarchale Kultur, die auf Ehre und Gehorsam setzt, räumt dem Einzelnen keine Freiheit ein. Die Mainstream-Theologie des Islams zwingt Muslime, sich entweder als Muslime oder als Europäer zu definieren. Deutschland muss sich endlich gegen diese Theologie und dieses Patriarchat abgrenzen. Zwischen Freiheit und Unfreiheit gibt es keinen Mittelweg.“

Besonders verurteilt er die Islam-Verbände, die vor allem die Gleichstellung mit den Kirchen anstreben und dafür „Kreide fressen“. Diese sieht er durch die üblichen „Dialoge“ als Komplizen, um eigene Privilegien zu verteidigen. Der konfessionell-getrennte Religionsunterricht beispielsweise erschwere die Integration und solle durch einen gemeinsamen Ethik-Unterricht ersetzt werden.

Tatsächlich kann ich aufgrund meiner eigenen Dialog-Tätigkeit bestätigen, dass kritische Beiträge meistens beleidigt abgewiesen wurden und man sich gern in einer gewissen Opferrolle gefiel. Muslimische Vertreter suchten immer Unterstützung für ihre Anliegen, waren aber nicht an einer selbstkritischen Debatte etwa zur Frage der Gewalt interessiert.

Als ehemaliges Mitglied der Islam-Konferenz weiß der Autor, dass auch dort keine kritische Debatte stattfindet, sondern die konservativen Verbände nur das Interesse hätten, an staatliche Gelder und Anerkennung zu kommen. Dabei seien sie noch immer aus dem Ausland gesteuert.

Auf den letzten 30 Seiten skizziert Abdel-Samad einen „Marshallplan“ für gelingende Integration. Mag auch diese historische Parallele falsch sein: Würde der Forderungskatalog (an Staat, Justiz, Polizei, Wirtschaft, Schule Zivilgesellschaft u.a.) umgesetzt, das Land käme schneller ans Ziel eines toleranten und freiheitlichen Miteinanders. Er will alle relevanten Akteure in die Pflicht nehmen, nicht zuletzt auch die Kirchen. Sie sollten der Versuchung widerstehen, sozusagen eine Koalition der Religiösen gegen die Säkularen einzugehen.  Dazu zitiert er zustimmend Nikolai Frederik Severin  Grundtvig, dänischer Pfarrer und Philosoph: „Sei zuerst Mensch, dann Christ.“

Hamed Abdel-Samad: Integration. Ein Protokoll des Scheiterns. Droemer Knaur München 2018, 272 Seiten, 19,99 Euro. E-Book: 17,99 Euro.

40 Jahre AK Orthodoxie

Ungewöhnliche Männerstimmen erschallen am Freitag in der Stuttgarter Diakonissenanstalt. Orthodoxe Würdenträger singen einen Lobpreis. Sie sind wie ich Gäste bei einer Feier zum 40. Jubiläum des „Arbeitskreises Orthodoxe Kirchen“ (AKO) der württembergischen Landeskirche. Auf deutsch klingt der Lobgesang etwas seltsam, vor allem die zwölfmalige Wiederholung des „Kyrie eleison“. Die  eigentlich vorgesehene vierzigmalige (!) Wiederholung beim Schlussgebet erlässt uns der Liturg gnädiglich.

Dann folgen etliche Rückblicke der noch lebenden Gründungsmitglieder des AKO. Viele von ihnen haben orthodoxe Theologie studiert oder im Austausch in „orthodoxen Ländern“ gearbeitet.

Von ihnen habe ich während meiner vierzehnjährigen Mitarbeit als Studienleiter für Ökumene viel gelernt. Allerdings haben mich im Sinne der Ausrichtung unserer Evangelischen Akademie Bad Boll vor allem die politischen und sozialen Fragen interessiert. Die meisten orthodoxen Kirchen sind nun einmal politisch konservativ bis reaktionär. Höhepunkt war  sicherlich unsere gemeinsame Studienreise in die Ukraine. Gerade dort aber bekam ich einen Eindruck von den internen harten Auseinandersetzungen der verschiedenen orthodoxen Kirchen. Diese fanden oftmals eine Bestätigung durch Reisen nach Armenien, Georgien, Russland, Serbien, Rumänien, Türkei und Griechenland. Nicht zu vergessen der Nahe Osten. Dennoch habe ich mich in unzähligen Tagungen um „Brückenbau“ bemüht. Wer von orthodoxer Seite daran teilnahm, war meistens dialogisch orientiert. Die durchaus mehrheitlich vorhandenen dogmatischen „Betonköpfe“, die uns Protestanten als Ketzer ablehnen, habe ich nur indirekt kennengelernt. Für jene ist Ökumene ein Schimpfwort.

Grundsätzlich kam ich natürlich an der nun einmal bestehenden Hierarchie nicht vorbei und musste mich oft diplomatisch schier verbiegen. Viel angenehmer war das Gespräch mit einfachen Christen ohne Amt und – für mich überraschend – mit orthodoxen Frauen. (Die bei der Feier des AKO leider keine Stimme hatten.) Was manche Äbtissin in sozialer Hinsicht mit ihrem Kloster leistet, wird viel zu wenig gesehen.

In einem Kloster, dem von  Niederaltaich, das den byzantinischen Ritus pflegt, habe ich meine beste orthodoxe Schulung bekommen. Der leider verstorbene Pater Irenäus nahm den 68iger Protestanten scharf ins Gebet: d. h. die volle  kirchenslavische Litanei jeden Morgen früh auf nüchternem Magen. Ich gestehe: der  Gesang kann einen süchtig machen. Eigentlich wollte ich mein Examen vorbereiten, nahm aber stattdessen ein kleines Sonderstudium auf.

Damals musste man sonst in fremde Länder reisen, um die Orthodoxie kennenzulernen. Mittlerweile leben durch  die Migration orthodoxe Christen neben uns. Das war denn auch ein ständiges Thema unseres  Arbeitskreises. Erst als Gäste, nun als Partner treten sie selbstbewusst auf. Manche haben sich auf die moderne westliche Welt eingelassen und lernen schnell. Man merkte an den Beiträgen von Metropolit Augoustinos oder Pfr. Dr. Sardaryan und diversen Grußworten, dass sie nicht nur die deutsche Sprache beherrschen, sondern auch den deutschen Protestantismus wertschätzen .

Unser Landesbischof July hat recht, wenn er in seinem Beitrag betonte, dass in einer konfliktreichen Welt das kirchliche Modell der „versöhnten Verschiedenheit“ für Europa beispielhaft sein könne. Er vertritt ja die Evangelische Kirche in diversen internationalen Gremien. Ich habe ihn ermuntert, davon doch mehr zu erzählen. Auch durch Twitter und Facebook. Die Leute kriegen sonst ja nichts mehr mit. Die Zeitungen berichten über kirchliche Thesen immer seltener und schlechter. Manche Journalisten können kaum evangelisch und katholisch unterscheiden, geschweige denn dass sie eine Ahnung von der Orthodoxie haben.

Manchmal allerdings ist es gut, wenn keine Journalisten dabei sind. Bei  einer Tauffeier jüngst in Tübingen schickte der orthodoxe Priester brüskierend die Mutter wieder weg, weil sie geschminkt war. Seine Worte vor der schockierten Gemeinde: „Das schickt sich nicht im Heiligtum Gottes.“

Friedensdekade 2018

Die kirchliche Mitwirkung am Volkstrauertag ist eine Relikt des Bündnisses von „Thron und Altar“. Ich bin froh, dass ich daran als Pfarrer nicht mehr mitwirken muss. Denn die übliche Liturgie auf den Friedhöfen lässt kaum die Freiheit zu sagen, was gegen den Krieg gesagt und getan werden muss. Ich habe darum schon als Vikar 1975 in unserer Gemeinde die „Friedenswoche“ eingeführt, die nach der Wiedervereinigung aufgrund der Erfahrungen der ostdeutschen Christen zur Friedensdekade geworden ist. Ihre Veranstaltungen bieten den Rahmen, um sachgemäß die unterschiedlichsten Facetten der Friedensarbeit zu besprechen. Ich freue mich, dass immer mehr daran teilnehmen und die EKD hervorragendes Vorbereitungsmaterial zur Verfügung stellt.

Natürlich ist die Teilnahme selektiv. Manche begnügen sich mit einem Gottesdienst oder musikalischen Beiträgen, andere (wohl eher weniger) organisieren theologische und politische Veranstaltungen, in denen notwendige Auseinandersetzungen zivilisiert ausgetragen werden können.

Der Friedensbeauftragte des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland, Renke Brahms, hat aus Anlass der Ökumenischen FriedensDekade vor den Gefahren einer zunehmenden Digitalisierung und Automatisierung kriegerischer Waffen gewarnt. „Es ist höchste Zeit, dass es möglichst bald zu einer internationalen Ächtung automatischer Waffensysteme kommt“, betont Renke Brahms. Er sieht sich dabei in Übereinstimmung mit IT-Unternehmerinnen und Unternehmern sowie Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern im Bereich künstliche Intelligenz, die bereits im August vergangenen Jahres in einem Schreiben an die UN ein Verbot von Killerrobotern gefordert haben. „Und auch Nichtregierungsorganisationen haben deren Verbot gefordert. Hier muss die Staatengemeinschaft reagieren“, so der Theologe.  „Die Digitalisierung macht uns auch in unserem Alltag angreifbar. Darauf muss die Politik antworten und sich verteidigen, aber dies kann nicht automatisch eine Sache des Militärs sein“. Und mit Blick auf das Motto der diesjährigen Friedensdekade betont der EKD-Friedensbeauftragte: „Unsere Antwort auf einen Krieg 3.0 muss Frieden 3.0 sein. Dazu gehört der klare Vorrang für Zivil und Prävention.“

Die Bundesregierung sieht das anders wie ihre Finanzplanung beweist: Die sieht bis 2022 eine massive Erhöhung der Verteidigungsausgaben vor, während die Mittel für Frieden und Entwicklung stagnieren oder sogar sinken sollen.
Das ist geplant: Der Etat des Verteidigungsministeriums steigt 2019 um 11 Prozent auf insgesamt 42,9 Milliarden Euro. Beim Etat für Entwicklungszusammenarbeit fällt das Wachstum mit 3 Prozent auf insgesamt 9,7 Milliarden Euro wesentlich bescheidener aus. Laut der im Mai veröffentlichten Planung für die Folgejahre soll der Entwicklungsetat ab 2020 sogar sinken!

Unsere Kritik: Investitionen in Entwicklung, zivile Krisenprävention und Friedensförderung
sparen langfristig Kosten, wirken nachhaltig und schaffen notwendige Lebensgrundlagen für kommende Generationen. Dennoch haben sie im Bundehaushalt keine Priorität. Investitionen in militärische Verteidigung aber geben keine Antworten auf drängende Zukunftsfragen.

(Nach einer Information von ORL-Informationen 166). Ich habe mich darum an der Briefaktion „Zivil ist MehrWert“ beteiligt. http://www.ohne-ruestung-leben.de.

Tränen und Trotz

Im Deutschen Institut für Ärztliche Mission Tübingen werden wir ständig mit unvorstellbarem Leid konfrontiert. Es kommt nicht nur durch Medien zu uns, die man notfalls abstellen kann, sondern durch persönliche Kontakte in alle Welt.

Wenn ich höre, dass die Ebola-Seuche im Kongo fast schon besiegt war, aber nun die marodierenden Banden gezielt Krankenstationen angreifen, dann steigen in mir Tränen der Wut und des Trotzes auf. Und wir fragen mit Recht, warum die UN-Soldaten nur zugucken  und nicht eingreifen, um vor allem die geschändeten Frauen zu schützen.

In dieser Lage lese ich Losung und Lehrtext für Samstag, den 17. November 2018:

Die Tage deiner Trauer werden ein Ende haben. Jesaja 60,20

Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen.  Offenbarung 7,17

Der erste Vers ist zunächst Menschen gesagt, die im Exil auf ihre Rückkehr hoffen. Eine prophetische Vision macht Hoffnung auf eine Änderung der Verhältnisse. Sie ist wohl aufgeschrieben worden, weil sie Wirklichkeit geworden ist. Die Juden konnten aus der “babylonischen Gefangenschaft“ heimkehren.

Aber sie mussten in ihrer Geschichte bis auf den heutigen Tag immer wieder erleben, dass ihre Existenz nicht gesichert war. Wie es scheint, hören die Kriege unter den Menschen nicht auf, auch gegenwärtig nicht. So ist der Satz aus der Offenbarung wohl ein Blick über unsere Zeit hinaus. Ein Blick, der uns aber befähigt, die Herausforderungen unserer  Zeit zu bestehen.

Gerade die Geschichte der christlichen Mission ist eine Beispielsammlung von Menschen, die ihrer Zeit voraus waren.

Ich erinnere an David Zeisberger, dessen Todestag heute ist. David wer? Zeisberger war ein Flüchtlingskind. Seine Eltern mussten 1726 mit dem fünfjährigen Sohn wegen religiöser Verfolgung aus Mähren (heute Tschechien) fliehen. Sie wurden vom Gründer der Herrnhuter Brüdergemeine  Graf Nikolaus Ludwig von Zinzendorf aufgenommen. 1735 kaufte er Land für die Missionsarbeit in der damals britischen Kolonie von Georgia (heute USA). Davids Eltern gehörten zu den ersten Siedlern, ließen aber den Sohn zur Schulausbildung in Deutschland zurück. Erst drei Jahre später  durfte der besonders sprachbegabte Schüler zu seinen Eltern nachreisen. Er lernte die Indianer-Sprache der Creek. Das war der Beginn seiner 62-jährigen Missionstätigkeit unter den Indianern. Er lernte und erforschte weitere Indianer-Sprachen und kümmerte sich um die Angehörigen der von der Ostküste vertriebenen Stämme.

Zeisbergers Beziehungen zu den britischen Behörden verschlechterten sich im Verlauf des Unabhängigkeitskriegs zusehends, weil er sich auf die Seite der Indianer stellte und für deren Rechte eintrat. Die von ihm gegründeten und betreuten christlichen Indianer-Gemeinden vertraten einen konsequenten Pazifismus, den sie mit der Ausrottung ganzer Dörfer bezahlen mussten. Der „Apostel der Indianer“ publizierte Grammatiken und Wörterbücher, Kulturgeschichte und Predigten. Seinen Lebensabend verbrachte er bei christlichen Indianern in Ohio. Dort starb er hochangesehen am 17.11.1808. Die amerikanische „Moravian Church“ gehört zu den bedeutenden „Provinzen“ der  weltweiten Brüder-Unität, bei uns bekannt als Herrnhuter Brüdergemeine.

An ihm erfüllte sich das Psalmwort (126,5) „Die mit Tränen säen, werden mit Freuden ernten.“

(Nach einer Andacht im Verwaltungsrat des Deutschen Instituts für ärztliche Mission.)

EKD-Synode

Ich gehe in die Bibliothek, um die Berichte unserer Presse zur Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) zu studieren.

Die ZEIT berichtet diese Woche auf einer ganze Seite über die synodale Debatte zum sexuellen Missbrauch in der evangelischen Kirche. Die Bischöfe Fehrs und Bedford-Strohm kommen in diesen Artikeln nicht gut weg. Andere Themen aus der jüngsten EKD-Synode finden sich nicht. In anderen Zeitungen ist es ähnlich. Also stöbere ich im Internet, um mehr zu erfahren.

Die Hamburger Bischöfin Kirsten Fehrs wird also zuständig sein, um die Missbrauchsfälle aufzuarbeiten. Wer bisher glaubte (wie ich), dass diese in unserer Kirche kaum vorkommen, wird eines Schlechteren belehrt. Fehrs nannte begünstigende Faktoren: „Gewisse Machtstrukturen, falsch verstandene Reformpädagogik ab den 70er Jahren und eine unscharfe Trennung von dienstlichen und privaten Verhältnissen.“

Eigentlich ging es auf der Synode um Jugendarbeit. Woran glauben junge Menschen zwischen 18 und 26 Jahren? Wie stehen sie zur Kirche und wie sollte diese sich ihrer Meinung nach weiterentwickeln? Diese Fragen standen im Mittelpunkt der 5. Tagung der 12. Synode vom 11. bis 14. November 2018 in Würzburg. Denn das Schwerpunktthema lautete „Glaube junger Menschen“.

Manche Kommentatoren werfen der Kirche vor, dass sie sich nur mit sich selbst beschäftige. Das ist Unsinn. Synoden haben nun einmal die Aufgabe, die eigenen Belange zu ordnen. Lese ich die Berichte aus den zahlreichen Arbeitsbereichen, bin ich schon beeindruckt. Natürlich produziert der Kirchenalltag keine Schlagzeilen.

Eine „Kirche des Wortes“ kommt ohne Rede nicht aus. Die des Ratsvorsitzenden Bedford-Strohm finde ich nicht schlecht, wenn er nüchtern sagt:

„Als Kirche den Pluralismus der Lebensstile und die daraus entstehenden unterschiedlichen Erwartungen wahrzunehmen, heißt, drei Dinge anzuerkennen:

Erstens: Bischof Axel Noack hat vor Jahren so schön gesagt: „Fröhlich kleiner werden und dabei wachsen wollen.“ Diese Lebenskunst ist uns heute aufgegeben. Wir werden kleiner. Die demographischen und soziologischen Faktoren, die u. a. dahinterstehen, werden wir nicht – jedenfalls nicht aus menschlicher Kraft – ins Gegenteil verkehren können. Aber der Wille, die frohe Botschaft weiterzusagen und Menschen dafür zu gewinnen, soll uns umso mehr beseelen. Heimat im Glauben an die Liebe Gottes zu haben und diese Heimat in der Gemeinschaft vor Ort und darüber hinaus lebendig werden zu lassen: Danach werden Menschen zu allen Zeiten sich sehnen.

Zweitens: Ein Angebot für jeden Lebensstil und jede Lebenssituation zu machen, ist unmöglich. Eine Antwort darauf kann sein: als Kirchen viel vernetzter zu arbeiten. Viel mehr als bisher muss es uns gelingen, die jeweiligen Stärken der unterschiedlichen Akteure miteinander und füreinander fruchtbar zu machen. Nicht jede Gemeinde muss alles oder auch nur so vieles wie bisher anbieten. Die modernen Kommunikationstechnologien geben viele Möglichkeiten, die Angebote in einem Raum so zu vernetzen, dass Menschen das finden, was ihren Glauben stärkt.

Drittens – und das ist vielleicht das Wichtigste: Neben der Präsenz in den digitalen Welten wird die andere Antwort wichtig bleiben: Face-to-face zu arbeiten, als glaubwürdige Christenmenschen uns begegnen und mit unserem Leben Zeugnis ablegen. Dass allerdings wird in manchen Räumen – heute schon in manchen Gebieten in Ostdeutschland – nur noch in einer möglichst guten Vernetzung über größere Entfernungen möglich sein.“

https://www.ekd.de/bericht-rat-synode-2018-muendlich-40041.htm

Dass für den einzelnen Christen andere Schwerpunkte entscheidend sind, sei gern eingeräumt. So schreibt beispielsweise der ZEIT-Redakteur Tillmann Prüfer (Autor des Buches „Weiß der Himmel …? Wie ich über die Frage nach Leben und Tod stolperte und plötzlich in der Kirche saß“ (Gütersloher Verlagshaus). Die evangelische Kirche müsse die existenziellen Fragen nach der eigenen Vergänglichkeit, Scheitern und Schuld beantworten. Viele hätten ein spirituelles Loch in sich und versuchten dieses zu füllen: „Wir besuchen Kurse für Meditation, Yoga und Schamanismus und bezahlen viel Geld dafür, um den geistlichen Hunger in uns zu stillen. Wir versuchen alles, um unsere Angst vor dem Tod zu verdrängen.“ Der Fitnesstrend und die Nahrungsmittel-Besessenheit seien ein Ausdruck dafür, dass man jung bleiben und den Verfall des Körpers aufhalten wolle. Auf diese Trends könne die christliche Botschaft eine Antwort sein.

Eine wichtige Erfahrung des Journalisten war ein  Besuch afrikanischer Kirchen in Tansania. Prüfer: „Wenn man in Deutschland sagt, dass man in die Kirche geht, halten das viele für eine seltsame Geisteskrankheit, die kuriert werden muss. Aber in Tansania war es umgekehrt: Ich saß dort mit meinem typisch deutschen Skeptizismus im Gottesdienst und fühlte: Diese Menschen haben etwas im Herzen, was ich nicht habe.“ Damals sei sein Atheismus zum ersten Mal erschüttert worden. Nach dem plötzlichen Tod eines Freundes habe ihm der christliche Glaube geholfen, um auf den Beinen zu bleiben. Gebet und Gesang hätten ihm ermöglicht, seiner Trauer und Verzweiflung Raum zu geben.

Kirche für Nachhaltigkeit

Bei den Tübinger Pfarrsenioren sprach Pfarrer i.R.  Werner Gebert über „Ökumene: Vorkämpferin für Nachhaltigkeit“. Dabei konzentrierte er sich auf die Nachhaltigkeitsziele der UNO, die „Sustainable Development Goals“ (SDG).

„Nur sehr wenige haben einen Blick in das 38-Seiten-Dokument geworfen, das im Sept 2015 von allen 193 UNO-Staaten einstimmig (Sensation!) beschlossen wurde. Einige linke Gruppierungen in Kirche und Gesellschaft sind sehr schnell zu dem Ergebnis gekommen, dass diese SDGs nichts taugten: Sie seien völkerrechtlich nicht bindend, sie seien nicht finanzierbar, der Zeitrahmen von 15 Jahren für ihre Umsetzung sei unrealistisch, die Agenda 2030 strotze vor utopischen Forderungen und sei voll von vagen Absichtserklärungen. Und vor allem  fordere sie ökonomisches Wachstum und setzte auf Privatkapital für ihre Umsetzung; sie gebe damit  den Finanzhaien und Transnationalen Konzernen großen Einfluss. Also könne man sie gleich in den Papierkorb werfen. Eine Auseinandersetzung mit ihnen lohne sich nicht.“

Tatsächlich seien aber – wie Gebert nachwies – viele kirchliche Debatten aus dem konziliaren Prozess in diese  UN-Erklärung eingeflossen. Allerdings gibt es aus ökumenischer Sicht auch Kritik an der Agenda 2030. Er nannte vor allem acht Einwände.

1. Wachstumsideologie: Die SDGs setzen auf ein dauerhaftes industrielles Wachstum, das immer mehr Ressourcen erfordert und die Produktion von Gütern und ihren Verbrauch in die Höhe treibt. Unser Planet wird noch stärker übernutzt und ruiniert, wenn auch arme Länder auf ein ähnliches Verbrauchsniveau gehoben werden sollen wie das der reichen Länder.

In der Agenda 2030 scheint ein Wissen darum vorhanden zu sein, dass Wirtschaftswachstum etwas Problematisches ist. Das Wirtschaftswachstum wird regelmäßig mittels dreier Adjektive eingegrenzt: dauerhaft, inklusiv und nachhaltig (3, 9, 21, 27, Ziel 8, wobei „inklusiv“ wohl ein sozial gerechtes Wachstum meint). Der Wohlstand wird an weitere Voraussetzungen gebunden: Er wird „nur dann möglich sein, wenn Reichtum geteilt und Einkommensungleichheit bekämpft wir.“ (27)

Weiter heißt es: „Wir werden die Zwangsarbeit und den Menschenhandel abschaffen und der Kinderarbeit in allen ihren Formen ein Ende setzen.“ (27). Arbeitsrechte sollen geschützt werden. (8.8)

Es ist also fraglich, ob man der Agenda 2030 eine Wachstumsideologie vorwerfen kann. Sie befürwortet wirtschaftliches Wachstum, jedoch nicht einfach eine Erhöhung des Bruttoinlandsprodukts (nur für die am wenigsten entwickelten Länder vorgesehen, 8.1, und auch für Kleinst-, Klein- und Mittelunternehmen, 8.3), sondern ein qualifiziertes Wachstum.

2. Was die Finanzierung der SDG-Vorhaben betrifft, so setzt die Agenda 2030 offen auf einen breitgefächerten Privatsektor (41), was den multinationalen Unternehmen einen großen Einfluss auf die nationale und internationale Politik sichert. Die Investoren wittern große Chancen, mithilfe von Steuergeldern (Public Private Partnership, PPP) und staatlicher Absicherung bei der Umsetzung vor allem der SDG 8 (Wirtschaftliches Wachstum), 9 (Infrastruktur) und 17 (Globale Partnerschaften) kräftig zum Zuge zu kommen.

 3. Suffizienz: Die Themen Lebensstil, imperiale Lebensweise, Postwachstum, Kreislaufwirtschaft, Extraktivismus und Wohlstandsmessung (buen vivir) kommen in der Agenda 2030 nicht vor. Hier haben sich Konzerne und Banken, die auf Wirtschaftswachstum und technologische Lösungen setzen, durchgesetzt.

Einige wenige Aussagen könnten in Richtung eines Suffizienz-Ansatzes interpretiert werden, vor allem der Punkt 28: „Wir verpflichten uns, die Art und Weise, in der unsere Gesellschaften Güter und Dienstleistungen produzieren und konsumieren, grundlegend zu verändern. …die Unternehmen… wie auch jeder Einzelne müssen zur Veränderung nicht nachhaltiger Konsum- und Produktionsmuster beitragen…“  An einigen Stellen ist von einer „Lebensweise in Harmonie mit der Natur“ die Rede (12.8).

Die ökumenische Kritik muss sich vehement gegen die ökonomische Alternativlosigkeit zum kapitalistischen System wenden und konfrontativ die ökologischen und sozialen Vorteile einer Wirtschaft im Dienst des Lebens herausarbeiten.

4. Fehlende Analyse des Scheitern der Entwicklungsstrategien: Dieser Einwand von Ökumenikern ist von der Überzeugung getragen, dass nachhaltige Lösungen nur dann gefunden werden können, wenn die Ursachen des Scheitern der bisherigen Ansätze herausgearbeitet worden sind. Es stimmt, dass die Agenda 2030 zwar in Punkt 14 die Krisen wie Armut, Ungleichheit, Klimawandel etc. aufzählt, aber nicht nach den Ursachen der heute herrschenden lebensbedrohenden Verhältnisse fragt. Ihr Blick ist deutlich in die Zukunft gerichtet; siehe vor allem die utopischen Visionen in Punkt 7-9. Sie strebt eine gerechte, faire, tolerante, offene und sozial inklusive Welt an. Das wird schon in der Überschrift angedeutet: „Transformation unserer Welt: die Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung“.

5. Ausblendung ökonomischer Machtverhältnisse und Interessen: Dieser Einwand trifft nur zum Teil zu: In der Agenda ist mehrfach von Interessenträgern die Rede (2. Abschnitt der Präambel, Punkt 6 und 84).  Sie verschweigt keineswegs: „Es bestehen enorme Unterschiede der Chancen, des Reichtums und der Macht.“ (14) Sie sagt auch klar, dass in den herrschenden Volkswirtschaften der Mensch nicht im Mittelpunkt steht (vgl. 27). Sie stellt fest, dass die aktuellen Wirtschafts-, Finanz- und Handelsmaßnahmen nicht mit dem Völkerrecht und der UN-Charta in Einklang stehen. (30)  Sie spricht von „Faktoren, die Gewalt, Unsicherheit und Ungerechtigkeit schüren, wie etwa Ungleichheit, Korruption, schlechte Regierungsführung und illegale Finanz- und Waffenströme.“ (35) Deshalb besteht die Verpflichtung, „die Art und Weise, in der unsere Gesellschaften Güter und Dienstleistungen produzieren…, grundlegend zu verändern. (28)  Die Agenda rechnet auch damit, dass es Widerstände gegen ihre Umsetzung gibt. (58)

6. Der Konziliare Prozess ist „faith and rights based“: Mit dieser Feststellung wird kritisch zum Ausdruck gebracht, die Agenda 2030 habe keine Glaubensgrundlage, ja vielleicht sogar kein grundlegendes Ethos und keine spirituelle Grundlage.

Das kann bezweifelt werden. Die Visionen in den Punkten 7 und 8 („Wir sehen eine Welt vor uns, die frei von Armut, Hunger, Krankheit und Not ist…“) sind keine Glaubensbekenntnisse, aber sie sind von einem starken Glauben getragen. Eine Konsequenz davon ist die häufige Forderung nach der Einhaltung des Völkerrechts und der Umsetzung der UN-Charta. Im Text ist auch von Bekenntnissen die Rede, z.B. zum Völkerrecht (18), zum Menschenrecht auf einwandfreies Trinkwasser (7) und zur vollen Umsetzung der Agenda (60). Der Schlusssatz der Agenda könnte als ethische Selbstverpflichtung verstanden werden: „Wir bekräftigen unsere unbeirrbare Entschlossenheit, diese Agenda zu verwirklichen und sie in vollem Umfang zu nutzen, um bis 2030 eine Transformation der Welt zum Besseren herbeizuführen.“ (91)

Zweifellos sind die SDGs in hohem Maße „rights based“:  In Punkt 10 heißt es: „Die neue Agenda orientiert sich an den Zielen und Grundsätzen der Charta der Vereinten Nationen, insbesondere der uneingeschränkten Achtung des Völkerrechts. Sie gründet auf der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte.“

7. Zum Vorwurf, für die ökumenische Bewegung wichtige Themen seien in der Agenda 2030 vernachlässigt:

Das Thema Migration wird in den Punkten 23, 25, 29, 10.7 und 10 ausführlich behandelt.

Das Thema ökonomische Gerechtigkeit wird in der Präambel und den Punkten 3, 8, 27 und SDG 10 angesprochen.

Das Thema Klimagerechtigkeit wird in den Punkten 8, 14, 31, 32, 2.4 und vor allem in SDG 13 (Maßnahmen zum Klimaschutz) bearbeitet.

Das Thema (gesellschaftliche) Ränder kommt in der Präambel  zur Sprache.

Das Thema Gendergerechtigkeit nimmt breiten Raum ein.  SDG  5 ist komplett der Geschlechtergleichstellung gewidmet

Das Thema Gesundheitsgerechtigkeit kommt öfters vor. Man fordert „ein gesundes Leben für alle Menschen jeden Alters und ihr Wohlergehen“.

8. Zur prophetischen Dimension des Konziliaren Prozesses: Sie wird in der ökumenischen Bewegung als große Stärke eingeschätzt, während der Agenda 2030 vorgeworfen wird, sie ließe jegliche Art prophetischer Rede vermissen. Ob dieser Vorwurf zutrifft, hängt davon ab, was die ökumenische Bewegung unter prophetischer Rede versteht. Wer sich an den alttestamentlichen Propheten, vor allem Hosea, Amos und Micha, orientiert, wird Prophetie als leidenschaftliches Eintreten für soziale Gerechtigkeit und gerechte Gerichtsbarkeit verstehen. Zu ihrer Zeit war eine Minderheit zu Reichtum, Besitz und Macht gekommen, während die große Mehrheit der Bevölkerung, auch durch Steuern, arm gemacht und fast völlig entrechtet war. Die Propheten prangern Missbrauch, Gewinnsucht, Machtanmaßung und ausschweifendes Leben der Oberschicht an. Das Recht und die Gerechtigkeit sind für sie höchste Werte.

Kritisch darf man fragen, wer denn zur „ökumenischen Bewegung“ gehört. Da wird der „konziliare Prozess“ genannt, der eigentlich versandet ist. Daneben kann man an die Arbeit des Ökumenischen Rates der Kirchen (WCC) denken, der aber sehr an Einfluss verloren hat. Schaut man auf die EKD  (Evangelische Kirche in Deutschland) oder ihre Landeskirchen, dann gibt es zwar jede Menge Erklärungen und Dokumente, aber wenige praxiserprobte Modelle. Die meisten Kirchengemeinden konzentrieren sich auf die seelsorgerliche Arbeit vor Ort. Deswegen beendete Werner Gebert seine Ausführungen mit der Möglichkeitsform: „Bei einer möglichen Bewegung für die Umsetzung der Agenda 2030 könnten die Kirchen eine gute Rolle spielen. Sie könnten sich darüber freuen, dass so viele ihrer schwer erarbeiteten Erkenntnisse nun Eingang in ein säkulares Dokument gefunden haben. Sie könnten in ihrer Verkündigung und in ihrer Bildungsarbeit die SDGs unters Volk bringen, hier vielleicht sogar eine Vorreiterrolle spielen.“

 

Kirche als Minderheit

Der Zusammenhalt in Europa ist durch Nationalismen, ökonomische und ökologische Ausbeutung sowie ungeregelte Migration gefährdet. Können die Kirchen in Europa eine Kraft werden, die Frieden nicht nur religiös deklamiert, sondern spürbar fördert? Mit dieser Frage nahm ich am 10. November an einer Tagung des Evangelischen Bundes (EB) im Tübinger Stift teil. Der EB versteht sich als kirchlicher Verein, der das Erbe der Reformation für die Gegenwart fruchtbar machen möchte: www.evangelischer-bund.de.

Im Rahmen der Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa (GEKE) ist ein Studienprozess „Theologie der Diaspora“ gelaufen, der von zwei beteiligten Professoren vorgestellt wurde. Mit deutscher akademischer Gründlichkeit haben sie ein „Papier“ erarbeitet.

Vgl. ausführlich http://www.leuenberg.net/de/studienprozess-theologie-der-diaspora.

Die Tatsache, dass viele evangelische Kirchen sogenannte Minderheitskirchen sind, greift der Studientext „Theologie der Diaspora“ auf. Nach einer ausführlichen Diskussion des Diaspora-Begriffs  aus historischer und theologischer Sicht geht das Papier auf Fragen des Verhältnisses von Diaspora, Kirche und Öffentlichkeit und damit Aspekte Öffentlicher Theologie ein.

Meine Erfahrung nach vierzehn Jahren als Ökumenereferent einer Akademie ist, dass Papiere wenig bewirken. Ab 2001 haben wir mit viel Aufwand uns für die „Charta Oecumenica“ engagiert, die immer noch sehr gut ist, aber faktisch keine Rolle mehr spielt. Sogar von einer „Selbstverpflichtung“ war die Rede, in Wahrheit wurde sie kaum bekannt gemacht.   https://www.oekumene-ack.de/themen/charta-oecumenica.

Gelernt habe ich auf dieser Tagung: „Wo reformatorische Kirchen als Minderheitskirchen existieren, hat die reformatorische Einsicht  vom Anspruch des Evangeliums auf das Ganze des Lebens zur Unterscheidung von der gesellschaftlichen Mehrheit geführt. Eine solche Abgrenzung kann dem Zeugnis vom Evangelium zugute kommen und  als Befreiung erfahren werden. Sie führt dann zu einer ‚nonkonformistischen’ Lebensform, die  Zeugnischarakter beansprucht. Freilich ergibt sich dabei oft die Notwendigkeit, diese ‚nonkonformistische’ Zeugnispraxis zu unterscheiden von unreformatorischem Sektierertum, das sich dem konstruktiven Einsatz für das Ganze entziehen kann.“

Das Beste an solchen Tagungen und Studienprozessen sind die Begegnungen der Beteiligten. Von ihnen erwarte ich, dass sie die gewonnenen Einsichten in ihrer weiteren Tätigkeit umsetzen. Deswegen waren mir die Beiträge junger Stipendiaten aus Italien, Frankreich und Rumänien hilfreich. Viele „Graswurzelinitiativen“ sind interessant, manche aufregend. Aber die Kirchen als solche sind schon in sich zu unterschiedlich, um mit einer Stimme zu irgendwelchen Themen zu sprechen. Ich zweifle also, ob sie etwas Bedeutsames für die Einigung Europas beitragen können.

Ansonsten mag ich den Begriff „Diaspora“ für unsere christliche Existenz nicht. Jahrelang habe ich als evangelischer Pfarrer in der katholischen Bischofsstadt Rottenburg am Neckar gegen diese Zuschreibung gesprochen. Mit über 6000 Mitgliedern ist unsere evangelische Gemeinde mittlerweile dort keine Minderheit mehr.

„Ich bereue nichts“?

Hin und wieder halte ich evangelische Beerdigungen. Eigentlich ist dafür eine von der Synode meiner Kirche beschlossene Agende vorgeschrieben. Immer öfter werden allerdings Pfarrer mit Sonderwünschen konfrontiert. „Keine Choräle, kein Vaterunser, keine Bibel, einige Dias vielleicht? o.ä.“ Heutige Friedhofshallen ermöglichen alle denkbaren technischen Einspielungen.

Dass ich allerdings beim Trauergespräch einen kompletten Ablauf vorgelegt bekomme mit dem Chanson „Non, je ne regrette rien“  von Édith Piaf vorweg  und einem Samba zum Schluss, habe ich noch  nicht erlebt. Ich bin durchaus bereit, das spirituelle Testament der Verstorbenen zu achten. Wenn ich denn an irgendeiner Stelle das Evangelium verkünden darf.

Also hört die Trauerversammlung die unverwechselbare Stimme der Piaf mit dem dunklen und trotzigen Intro, das sich steigert, um dem Lied ein jubelndes und triumphierendes Ende zu bereiten und die Haltung gegenüber der Vergangenheit aufzugeben.

„Nein, gar nichts / Nein ich bedauere nichts / Nicht das Gute das mir widerfahren ist / Nicht das Schlechte, all das ist mir egal / Nein gar nichts…/ Nein ich bedauere nichts…/ Ich habe bezahlt, weggefegt, vergessen / Ich habe mit der Vergangenheit abgeschlossen! / Mit meinen Erinnerungen habe ich verbrannt meine Sorgen meine Freuden. Ich brauche sie nicht mehr. / Weggefegt meine Liebschaften und all ihr Gejammer /weggefegt für immer. / Ich beginne bei Null. / Nein gar nichts…./ denn mein Leben, mein Glück beginnt heute mit dir.“

Ein Liebeslied finde ich durchaus passend, heißt es doch in der Bibel: „Stark wie der Tod ist die Liebe, mächtig die Leidenschaft wie die Unterwelt. Ihre Gluten sind Gluten Gottes ihre Flammen Flammen aus Gott.“ (Hoheslied 8, 6)

Aber ist es denn ehrlich – oder doch nur Show? Es stammt ja gar nicht von Édith Piaf.

Das Lied wurde bereits 1956 komponiert, blieb jedoch bis 1960 unveröffentlicht. Am Nachmittag des 5. Oktober 1960 stellten der Texter Michel Vaucaire (1904–1980) und der Komponist Charles Dumont (* 1929) der bereits todkranken Edith Piaf das Lied  am Piano bei ihr zu Hause vor. Ihr Biograf Jens Rosteck meint, sie haben jetzt den richtigen Zeitpunkt erwischt für diese schnoddrig-unbekümmerte Grundhaltung, hinter  der so viele Verletzungen und Selbstzweifel stehen. In jenem Jahr hing ihre Karriere an einem seidenen Faden. Das Lied wird zum großen Triumpf für die letzten dreißig Monate ihres Lebens.

Krankheiten belasten sie ja ein Leben lang. Schon als kleines Kind  1919 erkrankte sie an einer Entzündung der Augenhornhaut und erblindete. Zwei Jahre später machte ihre Großmutter mit ihr eine Wallfahrt zur Heiligen Therese nach Lisieux. Édith schrieb ihre anschließende Heilung dieser Wallfahrt zu. Deshalb verehrte sie die Heilige Therese ihr Leben lang und besuchte deren Grab als Erwachsene inkognito alljährlich. Ihr Bild trug sie oft bei sich, betete abends knieend und bekannte: „Mein Glaube an etwas Größeres, Stärkeres, Reineres als alles, was es hier auf  Erde gibt,  ist grenzenlos.“ Zwar kümmerte sie sich  wenig um die traditionelle katholische Sexualmoral, weshalb der Vatikan höchstselbst ihr die Totenmesse verweigerte, aber gleichwohl war sie empfänglich für „Zeichen vom Jenseits“. Kein Auftritt ohne vorheriges Ritual: „Zuerst bekreuzige ich mich, dann küsse ich die geweihte Medaille,  die ich immer bei mir trage. Ich bücke mich und berühre mit beiden Händen den Boden. Danach strecke ich den Zeigefinger und den kleinen Finger aus, um imaginäre Dämonen abzuschrecken. Erst nachdem ich alle Freunde abgeküsst habe,… wage ich ins Scheinwerferlicht zu treten.“

Sie, die kaum eine normale Schule besuchen konnte und sich unter widrigsten Umständen durchschlagen musste, beschäftigt  sich plötzlich mit Philosophie und Literatur. Sie weigert sich hinzunehmen, dass nach dem Ableben eines Menschen nichts als Staub von ihm zurückbleibe.

Ob man ihre Lieder mag oder nicht,  ob man ihre Eskapaden akzeptiert oder nicht, den Respekt vor ihrer Lebensleistung kann ich ihr nicht versagen.

Doch wirklich keine Reue? Im Jahr ihres Todes 1963, vollgepumpt mit Drogen und Medikamenten,  schwankte sie zwischen Verzweiflung und Euphorie. Jeden Tag, so ihre Pflegerin, zog sie Bilanz. Sie listete ihre Fehler und Versäumnisse auf, sprach von dem hohen Preis, den sie für ihre Dummheiten zahlen müsse. „Alles, was Édith jetzt, unter vier Augen, noch von sich gab, war das genaue Gegenteil von dem, was sie in „Non, je ne regrette rien“ so triumphierend behauptet hatte. Piaf bereute viel. Sehr viel sogar.“ S.385

(Alle Zitate aus Jens Rosteck: Édith Piaf, Hymne an das Leben. Propyläen Verlag 2013)

Darüber habe ich natürlich bei der Beerdigung nicht gesprochen. Das Chanson ist immer gut für Abschiede aller Art, die bitteren, die unrühmlichen, die stolzen und auch die unbekümmerten. Zwar muss man über Tote nicht nur Gutes sagen, aber alles in guter Weise – wie schon die Römer wussten: „De mortuis nil nisi bene.“

Gleichwohl denke ich, dass es einen tiefen Sinn hat, dass die Liturgie eines christlichen Gottesdienstes mit einem Schuldbekenntnis beginnt. So toll sind wir nämlich alle nicht.

 

 

Bibeln für Irak

Am württembergischen „Gedenktag“ der Reformation predige ich über die „Seligpreisungen“ der Bergpredigt. Sie sind für mich Verheißung und Verpflichtung, denn sie variieren alle den Schluss: „So soll es sein, so wird es sein!“. Traditionsgemäß schmettern wir heute Luthers Trutzlied „Ein feste Burg ist unser Gott“. Die letzte Strophe lasse ich nicht weg wie es neuerdings gern geschieht. Allerdings  stockt einem doch der Atem, wenn wir mit Martin Luther singen „Nehmen sie den Leib, Gut, Ehr, Kind und Weib: lass fahren dahin…“ (EG 362,4) Sicher, damit wird ungeheures Gottvertrauen ausgedrückt – selbst in kriegerischen Zeiten. Wir sind von solchen gottlob weit entfernt, aber wir wissen nicht „wie lange?“ Darum müssen wir nicht  nur unser Gottvertrauen stärken,  sondern alles für den Frieden tun. Andere Christen erleben gerade, dass ihnen „Leib, Gut, Ehr, Kind und Weib“ geschädigt oder gar genommen wird. Denen habe ich nichts zu  raten, aber sie predigen uns: Matth.5,10 „Selig sind, die um der Gerechtigkeit willen verfolgt werden; denn ihrer ist das Himmelreich“. In anderer Übersetzung: „10 Wie glücklich sind die, die man verfolgt, weil sie Gottes Willen tun. / Ihnen gehört das Reich, das der Himmel regiert.“

Verfolgung leiden – Wir kennen das bei uns nicht. Die paar Schmähungen oder sogar ein shitstorm in sozialen Medien sind der Rede  nicht wert. In vielen Ländern wie im Nahen Osten ist Verfolgung sehr wohl eine tägliche Erfahrung. Da haben wir uns jahrelang für Asia Bibi in Pakistan eingesetzt, nun ist sie freigesprochen vom Vorwurf der Blasphemie, aber der islamische Mob fordert ihren Kopf und würde ihren Verteidiger gleich dazu töten. Es wäre eine humane Geste, wenn die Bundesregierung ihr und ihrer Familie Asyl gewähren würde. Aber das muss schnell gehen. Der Terror hört nicht auf. Jüngst hat der IS friedliche Pilger in Ägypten attackiert, die zu einem koptischen Kloster unterwegs waren. Wie krank muss einer sein, der meint, dass solche Attentate Gott – selbst wenn man ihn Allah nennt – gefallen könnten.

Es gibt viele Möglichkeiten zu helfen. Die Christen im Nahen Osten danken immer wieder dafür, dass wir ihren geflüchteten Landsleuten helfen, aber sie, die ausharren,  möchten deswegen nicht vergessen werden.

Eine konkrete Aktion kommt an diesem Sonntag in den „Abkündigungen“ zur Sprache. Die Kollekte ist nämlich für die Weltbibelhilfe bestimmt, konkret für Bibeln im Irak.

Da mag mancher satte Mensch, dessen Bibel im Regal verstaubt, sich wundern und fragen: „Ist das denn nötig?“ Ich sage mit Jesus: „Ja, denn der Mensch lebt nicht vom Brot allein.“ Gerade traumatisierte und verängstigte Menschen brauchen das „Brot des Leben“, das in der Bibel zu finden ist.

Zum Beispiel Karakosch:

„Vor der Herrschaft des sogenannten Islamischen Staats (IS) galt Karakosch als größte christliche Stadt im Norden des Landes. Doch als die Schergen des IS einfielen, blieb den Christen nur die Flucht. Seit die Stadt im Oktober 2016 befreit wurde, kommen die Bewohner nur zögernd zurück. Denn die Zerstörung ist immens, die Zukunft in der Region unsicher. Die Bibelgesellschaft im Irak unterstützt die Heimkehrenden nach besten Kräften. Auch mit neuen Bibeln. Bei den verbrannten Bibeln in der Al Taheri Kirche handelte es sich um die persönlichen Exemplare der Gemeindemitglieder, die sie hier aufbewahrt hatten, um sie im Gottesdienst zu benutzen. Auch viele Kinderbibeln sind den Flammen zum Opfer gefallen. So wie hier sieht es in allen Kirchen in der Region um Karakosch aus: Altäre, Kerzen, Kreuze, Bibeln – alles hat der „Islamische Staat“ während seiner zweijährigen Besatzung hier entweiht und zerstört.“
Näheres unter https://www.die-bibel.de/spenden/weltbibelhilfe/projekte/irak-syrien.