Kirche hat Zukunft

Am 1. Advent 2019 werden rund 10.000 Kirchengemeinderäte und 90 Landessynodale in der württembergischen Landeskirche gewählt.

Darum ging ich am Samstag zur Mitgliederversammlung der „Offenen Kirche“, die in Stuttgart ein neues Wahlprogramm beschlossen hat. Siehe www.offene-kirche.de.

Da geht es zu wie auf einem Parteitag, nur harmonischer. Die Synodalgruppe der „Offenen Kirche“ ist meistens in der Opposition, kann aber doch den einen oder andern Antrag durchbringen.

„Es ist ein bewundernswertes Engagement, sich für sechs Jahre ehrenamtlich für eine kirchliche Leitungsaufgabe zur Verfügung zu stellen und eine besondere Weise, die Entwicklung der Landeskirche mitzubestimmen“, so Landesbischof July. Etwa 10.000 Kirchengemeinderätinnen und Kirchengemeinderäte leiten die etwa 1.280 Kirchengemeinden der Landeskirche zusammen mit ihrer Pfarrerin bzw. ihrem Pfarrer. Und die 90 ebenfalls zu wählenden Landessynodalen bestimmen den Kurs der gesamten Kirche auf landeskirchlicher Ebene mit. Wie weit diese „Mitbestimmung“ geht ist immer eine offene Frage.

Ich erinnere eine böse Erfahrung: Gern habe 1978/79 als Landesjugendvikar in der „Arbeitsgemeinschaft Höhere Schule“ (ahs) mit kritischen Schülern gearbeitet. Weil der damaligen Synode die politische Ausrichtung nicht passte, wurde diese verdienstvolle Arbeit im  Rahmen des Landesjugendpfarramts später einfach per Synodalbeschluss abgeschafft.

Ich gebe zu: Meine Leidenschaft für Kirchenpolitik hat stark gelitten. Theologische und spirituelle Anregungen bekomme ich eher auf anderen Feldern.

Die württembergische Landessynode ist aber  die einzige in Deutschland, deren Mitglieder per Urwahl direkt von den Kirchenmitgliedern gewählt wird und vertritt – so die Kirchenverfassung – „die Gesamtheit der evangelischen Kirchengenossen“. Zu den Aufgaben der 90 Landessynodalen gehört neben der Wahl des Landesbischofs auch die kirchliche Gesetzgebung. Sie beschließt zudem den landeskirchlichen Haushaltsplan und regelt die Verwendung der Kirchensteuer-gelder. Der letzte Punkt ist mir besonders wichtig. Viele mir wichtige gesellschaftliche Aufgaben bleiben liegen, wenn die konservative Mehrheit immer nur die eigenen Anhänger bedient. Und das womöglich noch „Mission“ nennt. Eine starke Bastion ist der Oberkirchenrat, dessen Finanzfachleute besonderes Gewicht haben. Darum wäre es wünschenswert, wenn diese Menschen von der Synode gewählt und abgewählt werden könnten. So demokratisch will man bisher aber noch nicht sein.

Jedem ist klar, dass das Interesse der Kirchenmitglieder bescheiden ist. Sie mucken meistens erst dann auf, wenn lokale Interessen berührt sind. Ich finde  deswegen den Vorschlag gut, dass  die jetzigen Synodalen einen kleinen Katalog vorlegen, was sie bisher erreicht haben. Dazu gehört beispielsweise ein Papier zur Rüstungskonversion und der Beitritt zur „Aktion Aufschrei“ gegen Rüstungsexporte.

Die Prospekte „Kirche hat Zukunft“ sind inhaltlich und formal überzeugend. Aber Papier allein reicht nicht. Wir müssen auch Menschen finden, die sich für den weiteren Weg der Evangelischen Kirche begeistern.

 

 

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