Unerhört

Kürzlich entschuldigte sich eine Lehrerin, die ich früher häufig im Gottesdienst gesehen habe, dass sie altersbedingt lieber den Fernsehgottesdienst schaue. Bei mir ist das anders. Ich kann noch laufen und freue mich über die echten Begegnungen in meiner Gemeinde. Ich gebe aber zu, dass diese Fernsehgottesdienste oft langfristig vorbereitet und darum besser sind als die eigenen. Man kann sie ja in der Mediathek ansehen. Heute geht es um die Aktion der Diakonie „Unerhört“, von der ich bisher noch nichts mitgekriegt habe.

https://www.zdf.de/gesellschaft/gottesdienste/evangelischer-gottesdienst-308.html

Wer nur die Predigt des Diakoniepräsidenten Lilje nachlesen will, kann dies auch: https://www.diakonie.de/unerhoert. Er sagt u.a.: Eine der schönsten Heilungsgeschichten der Bibel erzählt davon, dass Jesus einen Kranken fragt: „Was willst du, dass ich für dich tun soll?“ Der blinde Bartimäus hatte Jesus hinterher geschrien. „Und Jesus hört den Un-Erhörten. Im Beifall und Rufen der Menge hört er die verzweifelte Stimme dieses blinden Mannes, dem schon lange niemand mehr zuhört.“ Aber die Jünger wollten sich nicht ablenken lassen, gehen weiter, drängen auch Jesus, weiterzugehen. Aber Jesus schickt sie zu Bartimäus zurück, er „schickt seine Jünger, die ihm wie die vielen anderen Leute auch einfach nur nachgelaufen sind – wieder einmal – auf eine kurze Lernreise: Er lehrt sie den Unterschied zwischen Nachlaufen und Nach-folgen. Sie sollen ihm eben nachfolgen und nicht einfach hinterherlaufen.“

In diakonischen Einrichtungen geht es immer ganz konkret um das Zuhören. So auch auf dem Gelände des früheren Klosters Lehnin, wo der Gottesdienst heute stattfand. Dort stehen ein Krankenhaus, eine Rehaklinik, ein Hospiz und ein Altenzentrum, ein Kindergarten und Einrichtungen für Menschen mit Behinderung sowie ein Gäste- und Tagungshaus – alles Einrichtungen des Evangelischen Diakonissenhauses Berlin Teltow Lehnin. Hierher kommen Menschen, weil sie wissen, dass man sich ihrer Sorgen und Hilfsbedürftigkeit annimmt.

Die Krankenschwester Martina Haufe beschreibt es im Gottesdienst so: „In meiner Arbeit ist Zuhören manchmal das Wichtigste. Dabei geht es auch um die Zwischentöne. Ich versuche dabei auch wahrzunehmen, was unausgesprochen im Raum steht.“ Und Lehnins Bürgermeister Uwe Brückner, dem die Bürgerinnen und Bürger viele Fragen stellen, hat beobachtet: „Wenn ich antworte, merke ich manchmal, dass sie an der Antwort schon gar mehr nicht interessiert sind. Sie haben sich die Frage schon selbst beantwortet.“

Besonders gut hat mir der Satz gefallen: „Diakonie, das heißt, anderen helfen, ein eigener Mensch zu sein.“

Nach den medial ständig wiederholten Skandalen in Sachsen, fragen sich viele, was die Kirche eigentlich zu einem gedeihlichen Zusammenleben beiträgt. Die Fragenden kennen die kirchliche Arbeit meistens nicht mehr aus eigener Erfahrung. Wer nicht selber  teilnimmt, ist abhängig von den mehr oder weniger einseitigen Berichten anderer. Auch die Beiträge in  diesem Gottesdienst sind einseitig. Aber sie stammen von Menschen, die sich konkret für andere engagieren. Die Evangelische Kirche in Ostdeutschland ist klein an Mitgliedern, aber nicht bedeutungslos. Darum muss man sie unterstützen. Das kann man sogar vom Fernsehsessel aus. In einem echten Gottesdienst wird immer eine Kollekte eingesammelt, in Württemberg „Opfer“ genannt. Hier dient eine Kontonummer dem gleichen Zweck.

 

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