Haiti

Wenn Pfarrer von der Kollekte leben müssten, würden sie diese vermutlich  engagierter „abkündigen“. Normalerweise wird sie, die in Württemberg übertrieben als „Opfer“ bezeichnet wird, recht knapp angesagt. Heute war es in unserer kleinen Dorfgemeinde anders.

Ein Vater stellte die Hilfsorganisation „Pwojè men kontre, Haiti-Deutschland e.V.“ vor, die seine Tochter, eine Ärztin vor Jahren gegründet hatte. Damit brachte er ein Land und seine neun Millionen Menschen ins Bewusstsein, von denen man lange nichts mehr gehört hatte. Nach dem Erdbeben von 2010 und dem Wirbelsturm von 2016 tummelten sich dort wenig ruhmvoll UN-Soldaten und Entwicklungshelfer, die Gelder veruntreuten und junge Frauen missbrauchten.

Ich erinnere mich an eine Notiz von Anfang des Jahres: „Die Schweiz hat ihre Zahlungen an die britische Hilfsorganisation Oxfam eingestellt, nachdem Berichte von sexuellen Übergriffen von deren Mitarbeitern bekannt geworden waren. »Das eidgenössische Departement für Auswärtige Angelegenheiten fordert eine lückenlose Aufklärung der Vorkommnisse. Bis die Resultate dieser Abklärung vorliegen, wird die Schweiz keine Zahlungen an Oxfam leisten.« Die Eidgenossenschaft hat Oxfam zwischen 2013 und 2017 mit knapp 20,4 Millionen Franken (heute knapp 18 Millionen Euro) unterstützt. Oxfam-Mitarbeiter sollen nach dem Erdbeben in Haiti 2010 Sexpartys mit Prostituierten gefeiert haben. Einem Report zufolge wurden dort Frauen ausgebeutet, belästigt und eingeschüchtert.“

Das Vertrauen deutscher Spender in solche Organisationen war dahin. Das Land blieb weithin sich selbst überlassen mit all dem Elend und zunehmender Gewalt.

Eine Meldung Anfang Juli: „Bei Protesten gegen eine geplante Erhöhung der Treibstoffpreise in Haiti sind mindestens sieben Menschen ums Leben gekommen. Sie seien bei Plünderungen im Großraum Port-au-Prince getötet worden. Auch die Polizei sprach von Todesopfern, nannte allerdings keine genaue Zahl. Zahlreiche Menschen hatten zuvor gegen eine Erhöhung der Benzinpreise protestiert. Demonstranten steckten Straßensperren in Brand, plünderten Geschäfte, griffen Hotels an und zündeten Autos an. Auch in anderen Städten kam es zu Unruhen. Die Flughäfen des Landes wurden geschlossen. Die Regierung nahm die Preiserhöhung von bis zu 50 Prozent daraufhin vorerst zurück. (dpa)

Dr. Anke Brügmann arbeitet seit ihrem Engagement für „Ärzte ohne Grenzen“ in Haiti. Sie hat mittlerweile sich ganz diesem Einsatz gewidmet und die private Hilfsaktion gegründet. Über 300 Mitglieder unterstützen seit 2002 die vielfältige humanitäre Hilfe. Das sind ein Waisenhaus, eine Schule, ein Sozialhilfeprogramm, ein Landwirtschaftsprogramm und medizinische Versorgung.

Ich weiß: Die Vertreter kirchlicher Hilfsorganisationen sehen solche privaten Initiativen kritisch. Sie unterstützen lieber lokale Netzwerke, die die Eigeninitiative der Einheimischen fördern. In diesem Fall fehlen aber alle Voraussetzungen dafür. Um so mehr bewundere ich den opferbereiten Einsatz dieser Ärztin. Nicht zufällig sprach der Pfarrer heute von einem „kleinen Lambarene in Haiti“.

Mehr Informationen und das Spendenkoto findet man unter http://www.menkontre.de. Ich denke, auch Leute, die nicht in den Gottesdienst gehen, dürfen sich beteiligen.

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