Andalusien (15): Finale

Ab Mitte Juli kommen vermehrt die Spanier selber  an die Strände. Familien mit Kindern ziehen scharenweise zum Wasser, aber nur die wenigsten gehen hinein. Viele Frauen lassen beim Sonnenbad das  Oberteil ihres Bikini weg. Der war früher verboten. Bei meiner ersten Spanienreise 1969 kontrollierte noch die Polizei, ob die Damen einen züchtigen einteiligen Badeanzug tragen. Na ja, in ironischer Weise kommen sie ja auch heute diesem Gesetz nach. Die Sitten ändern sich.

Es ist für uns Zeit aufzubrechen. Wir widerstehen der Versuchung, in den letzten Wochen nach der Devise zu reisen „1000 Places To See Before You Die“. Wir wollen langsam reisen und  die Landschaften seelisch aufnehmen. Aber einige Städte, die wir  nicht kennen, wollen wir doch noch besuchen.

Wir beginnen mit Arcos  de la Frontera, ein „weißes  Dorf“ wie aus dem Bilderbuch. Die Altstadt ist komplett unter  Denkmalschutz. Maurische Bögen überspannen enge Gassen. Amüsiert beobachten wir die verzweifelten Manöver verzweifelter Autofahrer, die partout nicht zu Fuß gehen wollen. Der Lärm in einer Bar lockt uns in den ehemaligen Palast „Palacio de Mayorazgo“ aus dem 17. Jahrhundert. Geht man durch das  kleine Museum findet man eine Gemäldegalerie lokaler Künstler. Plauschig ist der Garten „jardin andalusi“, ein kleines grünes Schmuckstück inmitten der steinigen Gassen und Mauern. Kein Mensch, der die meditative Stille stört. Ganz anders das Gedränge an der Plaza del Cabildo, von wo man weit  über das Tal des Guadalete blicken kann.

Nicht viel größer ist Ronda (36000 Einwohner). Die Altstadt  auf dem gespaltenen Felsplateau wirkt noch dramatischer. Insbesondere die alte Neue Brücke (Puente Nuevo) hat es mir angetan. Ich kann es nicht lassen, zum Grund des Rio Guadalevin hinabzusteigen. Eigentlich sind meine Sandalen dafür nicht geeignet. Denn der Weg wird nach unten wird immer wilder und unübersichtlicher. Ich  krieche durch die Ruine einer Mühle, stehe plötzlich vor einem Bach und der Alternative „springen oder umkehren“. Ein „Zurück“ ist dann nicht mehr möglich, aber bald erreiche ich eine zur Herberge umgebaute weitere Mühle. Im großen Bogen kehre ich in die Stadt zurück. Ich kann nach dieser Wanderung verstehen, dass sich früher gern die „bandoleros“ (Räuber) in diesen Bergen versteckt haben. Nach all den Kirchen und Burgen ist es erholsam, einmal die grandiose Landschaft zu würdigen. Das hat übrigens vor uns schon Rainer Maria Rilke getan, der hier 1912/13 vergeblich weitere Inspirationen erhoffte. Sein Hotel „Reina Vitoria“ leisten wir uns nicht, machen aber mit seiner Statue dort im Garten auch einmal ein „Selfie“.

Antequera (40000 Einwohner) enttäuscht uns im Vergleich etwas, obwohl wir hier die unglaubliche Zahl von  23 Kirchen und Klöstern vorfinden. Die Spezialität dieser Region sind aber die Megalithgräber. Es ist der bedeutendste und am besten erhaltene Dolmenkomplex Europas. Man fragt sich, wie 2500 v.Chr. die kupferzeitlichen Menschen die gewaltigen Felsblöcke mit bis zu 180 Tonnen Gewicht bewegen konnten. In dem kleinen Museum zeigt ein Film, wie sie es wohl gemacht haben. Wahrscheinlich war die „Cueva de Menga“ eine religiöse Kultstätte.

Granada habe ich 1969 als Student auf der Durchfahrt kurz besucht. Damals konnte man ohne großen Aufwand in die Alhambra hinein. Es waren kam Leute  da. Mit rund 2,6 Millionen Besuchern jährlich ist sie derzeit  meistens überfüllt. Jetzt ist hier Hochbetrieb und man muss sehr zeitig Eintrittskarten im Internet buchen, um dann ein „Zeitfenster“  für die Besichtigung eingeräumt zu bekommen. Dann darf man sich in lange Schlangen einreihen. Nein danke! Glücklicherweise ist ein großer Teil dieser Burgstadt frei zugänglich. Zum Träumen und Meditieren reicht uns das. Das Museum im Palast Karls V. ist immerhin gratis. Ein Weg hinter der Burg in die Stadt zum Fluss Darro ist sogar recht einsam. Von dort geht es in den noch sehr arabisch  anmutenden Stadtteil Albayzin, wo man sich herrlich verlaufen kann. Natürlich ist die Kathedrale ein Mittelpunkt, die eigentlich aus drei Kirchen besteht. Ausgestattet mit einem Audioguide, den man für sein Eintrittsgeld bekommt, kann man hier noch einmal die Architektur der Sieger bewundern. Abseits der Touristenpfade wirkt die Stadt recht sympathisch durch die vielen jungen Leute, die hier studieren.

Abschließend machen wir noch in Malaga Station. Die Großstadt lockt sicherlich nicht mit ihren Stränden, hat aber subtropische Parkanlagen, in denen man sogar Papageien beobachten kann. Neben den schon gewohnten andalusischen Sehenswürdigkeiten vermarktet die Stadt ihren großen Sohn Pablo Picasso. Sein Geburtshaus und das Museo Picasso lassen vergessen, dass der berühmte Maler nie wieder in diese Stadt zurückgekehrt  ist. Mich zieht es immer zum Hafen, in dem zwar nur ein paar Fähren liegen, aber sein Flair genügt, um von der großen weiten Welt zu träumen. Ich vermisse ein Schiff, das uns gemächlich nach Hause befördern könnte. Da sind wir bald schneller als mir lieb ist.

 

 

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