Andalusien (13): Musik

Cádiz ist stolz auf den berühmten Sohn der Stadt, den Komponisten Manuel de Falla (1876-1946), dessen Grab in der Gruft der Kathedrale wir natürlich besuchen. Bisher verstehe ich wenig von moderner spanischer Musik, aber das will ich ändern. Nach ihm benannt ist das „Gran Teatro Falla“, in dem es gerade keine Konzerte  gibt. Stattdessen schauen wir ein zeitgenössisches Stück „Dancing with Frogs“. Getanzt wird aber wider Erwarten nicht, sondern ein ziemlich schwules Spektakel aufgeführt. Der heutige Bau von 1905 ist riesig, ahmt den Mudéjar-Stil nach und protzt mit drei großen Hufeisenbogen-Türen. Hingegen kauft man Karten an einem winzigen Außenfenster. Drinnen steigt man von einer hübschen Platzanweiserin geführt auf riesigen Treppen zum Rang hinauf. Die Decke zeigt eine Allegorie des Paradieses. Auf der großen Bühne spielt sich eher die Hölle ab.

Musikalisch kommen wir besser auf unsere Kosten durch einen Flamenco-Wettbewerb, zu dem uns unsere Freunde einladen. Allein hätten wir diese Peña nie gefunden, geschweige denn Eintrittskarten bekommen. Hier treffen sich die Einheimischen in einem schlichten Saal mit noch schlichterer Bühne. Doch die drei Gruppen, die gegeneinander antreten, lassen einen die Umgebung vergessen. Ich finde sie alle phantastisch, wüsste nicht, wie man da ein Urteil fällen soll. Oft genügt ein Sänger, unterstützt durch Gitarre und „Cajon“ (eine Kiste, die wie eine Trommel verwendet wird). Letztlich genügen aber auch die Handflächen (die „palmas“, das Händeklatschen), um den typischen Rhythmus zu produzieren, nach dem der Tänzer seine Schritte lenkt. Die Tänzerin kann zusätzlich noch ihr Kleid schwingen. So wirbeln sie über die Bretter, mitunter heftig stampfend. Angefeuert werden sie vom sachkundigen Publikum, das bei besonderen Einlagen immer wieder tosenden Beifall spendet. Die Texte verstehe ich natürlich nicht, sie  sind vielleicht auch nicht so wichtig. „Viele Texte sind mündlich überliefert und werden wenig verändert. Jedoch findet immer wieder neue Lyrik Eingang in den cante. Themen sind oft der Verlust oder die Unerreichbarkeit der Liebe, das Leid und die Ungerechtigkeit.“

Cádiz ist stolz auf  „seinen“ Flamenco, der angeblich schon auf die Römer zurückgeht. „Einige lateinische Autoren erwähnen bereits, dass bei den römischen Festen Tänzerinnen aus Gades, dem heutigen Cádiz, auftraten (puellae Gaditanae), die rhythmische, sinnliche Tänze mit zuckenden Bewegungen ausführten. Sie begleiteten sie mit einer Art Klappern.“

Näheres über diese besondere Musikkultur unter https://de.wikipedia.org/wiki/Flamenco.

Im benachbarte Viertel finde ich an vielen Häusern eine Gedenktafeln für berühmte Flamenco-Tänzer. Selbstverständlich werden jederzeit Flamenco-Shows in Bars oder Hotels angeboten. So werben sie dafür: „Bei dieser Flamenco-Show in Cádiz erleben Sie die typisch andalusische Musik in einer authentischen Atmosphäre. Über die Entstehung des Flamenco gibt es viele Theorien, aber keine schriftliche Belege vor dem Ende des 18. Jahrhunderts. Wahrscheinlich vereint er sehr viele unterschiedliche Einflüsse z.B andalusischer und arabischer Volksmusik und ganz eng verbunden ist der Flamenco natürlich mit der Kultur der Zigeuner. Es existieren viele verschieden Stilrichtungen des Flamenco, einige Tanzstile können Sie bei der Cadiz Flamenco Dinner Show kennenlernen: Tarantos, Alegrías, Soleares, Rondeñas und Bulerias. Cadiz gilt zudem als die Wiege zahlreicher, erfolgreicher Flamenco-Künstler wie Sara Baras, José Mercé, Paco de Lucía, Camarón de la isla und vielen mehr. Dabei zählt der Flamenco nicht nur zur Kultur, sondern auch als soziales Bindeglied in Spanien und ästhetische Ausdrucksweise. Sie bekommen auch dank des professionellen Guide während der Flamenco-Show in Cadiz einen hervorragenden Einblick in diese faszinierende Kunst und die spanische Kultur.“

Viel schöner finde ich aber, dass man immer wieder einzelne Leute finden kann, die irgendwo an einem Platz einfach für sich Musik machen oder nur mit den eigenen Händen begleitet einen Flamenco tanzen.

Im Juni gibt es extra eine ganze Woche, wo überall verschiedene Gruppen mit sehr unterschiedlichen Musikstilen auftreten. Da tönt es die halbe Nacht an jeder Ecke. An einer wird sogar die Polizei gerufen wegen Ruhestörung. Der Polizist  hört  eine Weile begeistert zu und zieht dann wieder ab.

Natürlich gibt es auch weniger begabte Musiker, die vor Touristencafés bettelnd immer dieselbe Leier spielen. Denen möchte man Geld geben, damit sie endlich aufhören.

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