Andalusien (12):  Jerez

Mit der Bahn fahren wir nach Jerez de la Frontera, nachdem wir dort schon einmal die berühmte Hofreitschule besichtigt und eine Vorführung „Wie die andalusischen Pferde tanzen“ gesehen hatten. Das ist neben den Sherry-Bodegas eine besondere Sehenswürdigkeit.

Jetzt laufen wir durch die malerische Altstadt mit ihrem Alcázar, der Kathedrale und vor allem der  weniger beachteten Kirche San Miguel, ein Schmuckstück des plateresken Stils. Wir speisen auf der Plaza del Arenal. Dort weckt ein kolossales Reiterstandbild von Miguel Primo de Rivera meine Neugierde. Wer  war das?

Ich sehe einen General. Tatsächlich war er – geboren in Jerez 1870 – aber von 1923 bis 1930 Spaniens Diktator. Das ist eine Epoche, über die ich wenig weiß. 1895 bis 1913 kämpfte er in den damaligen spanischen Kolonien Kuba, Philippinen und Marokko. Wenig ruhmvoll schlug er 1922 Aufstände in Katalonien nieder. Seine Militärdiktatur wurde abgelöst von der Zweiten Spanischen Republik. Seine Kinder aber gründeten 1933 die faschistische Bewegung Falange, die nach dem Bürgerkrieg Franco an die Macht brachte. Noch heute existieren mehrere Gruppen und Parteien mit dem Namensbestandteil „Falange“, die zum rechtsextremen Spektrum zu zählen sind.

Die damals extremen Klassenunterschiede zwischen den reichen „Sherry-Baronen“ und den einfachen Tagelöhnern erkennt man noch im Stadtbild. Gutbürgerliches Ambiente im Zentrum und luxuriöse Villenviertel im Norden dagegen ziemlich heruntergekommene Wohngebiete der Armen in der westlichen Altstadt und  im Süden.

Mit etwas Sozialgeschichte im Kopf betrachte ich die Schatzkammer der Kathedrale mit gemischten Gefühlen. Leider hat die katholische Kirche immer mit den Reichen paktiert und sich in Zeiten der Diktaturen erhebliche Privilegien gesichert. Das kriegt sie heute zu spüren.

Es wundert nicht, dass die eher liberalen und linken Parteien der Zweiten Republik antiklerikal oder kirchenfeindlich eingestellt waren. Als sie errichtet wurde, gab es  20000 Mönche, 60000 Nonnen und 31000 Priester. Die geistlichen Orden waren bedeutende Land- und Kapitalbesitzer. Im Katechismus von 1927 ist zu lesen: „Welche Sünde wird durch die Stimmabgabe für einen liberalen Kandidaten begangen? – Im allgemeinen eine Todsünde.“

Bereits im Mai 1931 werden in Madrid Kirchen angezündet, auch in  Andalusien brennen Kirchen und Klöster. Es kommt zu Plünderungen. Als  im Juli 1936 der Aufstand gegen die Republik beginnt, war die Gesellschaft tief gespalten. So wurde der Bürgerkrieg auf beiden Seiten mit aller Härte ausgefochten. Tausende Tote waren die Folge.

Ohne die deutsche Hilfe wäre aber Francos Erfolg nicht möglich gewesen. Er saß mit seinen Soldaten in Marokko fest und konnte mangels Schiffen und Flugzeugen sie nicht über die Meerenge transportieren. Da halfen Hitler und Mussolini. Auf einer Luftbrücke wurden im Juli und August 1936 10500 Mann übergesetzt und im September noch einmal 9700 nach Sevilla transportiert. Neben der legendären Ju 52 als Transporter wurden auch Jagdflugzeuge nach Cádiz verschifft. Die bombardierten später den einzigen Panzerkreuzer der Republik, sodass man danach auch Schiffe einsetzen konnte. Die weitere Geschichte der deutschen „Legion Condor“ ist ja bekannt. Die Gesamtzahl der Toten des Spanischen Bürgerkriegs wird mit 436000 angegeben. H.-Chr. Kirsch (hrg.): Der spanische Bürgerkrieg in Augenzeugenberichten, dtv 1971, S.448.

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