Andalusien (11): China in Spanien

Gegenüber unserer Wohnung in Cádiz gibt es eine kleine „librería“, in der es nicht nur Bücher und Zeitungen, sondern auch Bustickets und Stadtpläne gibt. Mir gefallen die vielen keinen Läden, in denen oft der Besitzer der einzige Verkäufer ist. Allerdings muss man sich erst an die jeweiligen Öffnungszeiten gewöhnen. Vor 9 Uhr macht der Bäcker nicht auf, sodass man entweder auch frisches Brot verzichten oder eben später frühstücken muss. Während der Siesta kann man den Obst- und Gemüseladen vergessen. Man könnte natürlich  zu einem Supermarkt gehen, aber Lidl haben wir auch zuhause. Besonders haben es uns die „Krimskrams-Läden“ angetan, in denen man trotz seltsamer Ordnung meistens fündig wird. Es gibt nichts, was man nicht dort findet. Mir fällt auf, dass sie fast immer von einem Chinesen geführt werden. Die reagieren auf chinesische Grüße eher abwehrend. Sie scheinen Tag und Nacht in ihren Läden zu leben, im Stadtbild fallen sie nicht auf. Bereits 2015 machten die Importe chinesischer Waren zehn Prozent der spanischen Einfuhren aus. Als wir damals in China waren, lasen wir, dass ein Güterzug von Peking nach Spanien geschickt wurde, der nach Wochen dort eintraf. Die meisten Waren werden aber per Schiff nach Barcelona und Valencia gebracht: Steigerung 36% zum Vorjahr. Schlagzeilen machte damals die chinesische Firma Tzaneen, die den Flughafen Ciudad Real aufkaufte. Inzwischen kaufen Investoren vor allem Gebäude, Hotels und Golfplätze. Die chinesischen Beteiligungen an spanischen Unternehmen werden mit 4,65 Milliarden Euro angegeben. Fußballfans erinnern sich, dass in jenem Jahr der Milliardär Wang Jianlin 20 % des Fußballvereins Athlético Madrid kaufte.

Mit den Touristen und dem Wirtschaftswachstum kam natürlich auch die Mafia. Einige Chinesen waschen im Import-Export-Geschäft im großen Stil Geld. Manche spanischen Banken haben deswegen Prozesse zu bestehen.

Insgesamt profitiert die spanische Wirtschaft. Da Chinesen gutes Essen zu schätzen wissen, kaufen sie gern spanische Lebensmittel, zum Beispiel den echten iberischen Schinken. Eine Keule Schinken kann dabei bis zu 600 Euro kosten. Da gar nicht so viel geliefert werden kann, haben Chinesen schon versucht, mit eigenem Schweinefleisch die Rezeptur zu kopieren.  Der chinesische Internet-Konzern Jd.com (ähnlich wie  Amazon) mit 300 Millionen Kunden hat gerade einen Kooperationsvertrag mit Osborne unterschrieben, einem der größten Produzenten von spanischen Delikatessen. Deren früher allgegenwärtiges Stierbild kennt jeder Autofahrer.

Spanien ist für viele chinesische Immigranten attraktiv, weil sie nach wenigen Jahren tüchtiger Arbeit einen EU-Pass erlangen können. Reiche chinesische Familien wollen auf diese Weise einen Fuß in die EU bekommen, denn wegen der mangelnden Rechtssicherheit könnte ihr Reichtum in China auch schnell wieder schwinden.

Uns stören chinesische Touristen nur einmal unangenehm. In Ronda verdrängt uns eine Gruppe ziemlich aggressiv auf einer Aussichtsplattform, weil jede und jeder unbedingt ein Selfie machen muss. Da platzt sogar meiner sonst sanften Frau der Kragen. Zum Glück haben sie nie Zeit zu verweilen und verschwinden bald wieder.

 

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