Archiv für den Monat Juli 2018

Gemeinsam für Gesundheit

Unsere Reise nach Andalusien haben wir nach vier Wochen abgebrochen, weil ich heute an der Mitgliederversammlung des Deutschen Instituts für Ärztliche Mission e.V. (Difaem) teilnehmen wollte. Die Versammlung hat mich in den Verwaltungsrat gewählt. Das Difaem ist mir seit meiner Studienzeit bekannt. In verschiedenen beruflichen Phasen hatte ich mit ihm zu tun. Als Vikar habe ich seelsorgerliche Besuche im vom Difaem getragenen Krankenhaus (Tropenklinik) gemacht und gelegentlich dort den Gottesdienst  gehalten. Als Studentenpfarrer habe ich Kurse für Theologie- und Medizinstudenten mitorganisiert. Damals schon kam in den Zeiten einer Elisabeth Kübler-Ross der Wunsch nach einem Hospiz auf. So werde ich mich  wohl mit den Bauplanungen beschäftigen dürfen.

Seit 2017 sind die Vereine Ein Hospiz für Tübingen e. V. und die Tübinger Hospizdienste, das Difäm, die Tropenklinik Paul-Lechler-Krankenhaus gGmbH, die Stadt Tübingen und der Landkreis Tübingen im Rahmen des Runden Tisches Tübinger Hospiz im Gespräch. Jetzt beschloss der Runde Tisch den Bau des Hospizes in Tübingen. Gemeinsam haben die Vertreterinnen und Vertreter nun die Grundlagen für ein gemeinschaftliches Hospizprojekt im Rotbad auf der Lechlerhöhe gelegt. In Zusammenarbeit mit dem Stuttgarter Architekturbüro weinbrenner.single.arabzadeh wird das Difäm als Bauherr den Bau realisieren und anschließend das Hospiz betreiben. Der Baubeginn ist für 2019 geplant.

https://difaem.de/uploads/tx_news/Ein_Hospiz_fuer_Tuebingen.pdf.

Wie bedeutend das Difaem international ist, habe ich vor allem während unserer Arbeit in Tansania erlebt. Noch immer wird das Gesundheitssystem weithin von den christlichen Kirchen getragen.

Bei meinen  Tagungen zur Entwicklungspolitik und Ökumene in der Evangelischen Akademie Bad Boll waren Mitarbeiter des Difaem immer wertvolle Referenten.

Beruhigend fand ich in der heutigen Aussprache, dass das Difaem den millionenschweren Neubau des Krankenhauses wohl gut bewältigt hat. Jedenfalls drücken kaum noch Schulden. Die Spenden sind nicht eingebrochen, sondern haben sich über die Jahre gesteigert.

https://www.tropenklinik.de/unser-haus.html

Bei der Vorstellung des Jahresberichts 2017 habe ich mich gefragt, was meine spezielle Aufgabe sein könnte. Wer ihn liest, wird vier Arbeitsfelder finden: Aufbau von Gesundheitssystemen, Basisgesundheit, klinische Versorgung vor allem in Afrika, Zugang zu Medikamenten (früher: Weltapotheke) und Lobby- und Advocacy-Arbeit. Wahrscheinlich werde ich mich im letzten Bereich engagieren. Ich finde wichtig, dass die Kirchen, d.h. alle Mitglieder, ihre Verantwortung für Gesundheit in der Welt wahrnehmen. Das ist gegenwärtig besonders wichtig angesichts der Herausforderungen durch Flucht – und Kriegsursachen. Schon Dietrich Bonhoeffer lehrte: Man darf nicht nur die Verwundeten eines Unfalls versorgen, sondern muss auch den Verrückten ins Steuer greifen. Letztere sind für mich diejenigen, die ungeheure Werte für Krieg und Militarisierung verpulvern, aber sich nicht um die Folgen scheren.

https://difaem.de/uploads/tx_bfactorpublikationen/Difaem_Jahresbericht_2017_web_01.pdf

Natürlich werde ich mich nun verstärkt für das Difaem einsetzen. Dennoch hoffe ich, dass ich demnächst auch meine Erfahrungen aus Andalusien aufschreiben kann. Ich teile zwar nicht die Meinung meines nordspanischen Freundes José-Ramon, dass da nicht Spanien, sondern Nordafrika ist, aber fremd ist einem schon noch vieles, nicht  nur der betäubende Marienkult..