Andalusien 9 : Kreuzfahrer

Die heutigen Kreuzfahrer sind harmlos. Wenn allerdings so ein schwimmendes Hochhaus im Hafen anlegt, ergießen sich auf einen Schlag möglicherweise 5000 Menschen in die Stadt. Sie können vom Schiff in wenigen Minuten zu Fuß ins Zentrum gehen. Zum Glück legen sie am Abend wieder ab.

Weniger harmlose Kreuzzügler – jedenfalls in mancher muslimischen Propaganda – sind die Amerikaner, die in Rota einen Militärstützpunkt unterhalten. Es ist einer der größten Europas und wurde schon 1953 unter dem Franco-Regime  aufgebaut. Man kann ihn von Cádiz aus am Horizont beobachten.

Die Reporterin Sara Lozano gab einen Einblick in die Basis von Rota: Man erfährt, „dass auf dem Militärstützpunkt nur in Dollar gezahlt wird, dass es ein Krankenhaus, eine Bibliothek, einen Kindergarten, eine Grundschule, eine Oberschule und eine Universität gibt. Auf drei Amerikaner kommen sieben spanische Arbeiter, die zwar angestellt vom spanischen Verteidigungsministerium sind, jedoch aus den Staaten ihr Gehalt erhalten. Die Gehälter sind höher in den einzelnen Berufen als außerhalb des Stützpunktes. Natürlich gibt es auch ein Fitnessstudio und einen Golfplatz. Im Supermarkt dürfen allerdings nur Amerikaner einkaufen, denn dort wird genau das angeboten, was sie auch zu Hause antreffen würden, nur weitaus billiger.

Die Städte Rota und El Puerto de Santa María profitieren von den Mieteinnahmen und Ausgaben der Amerikaner außerhalb der Militärbasis. Die amerikanischen Soldaten erhalten eine Unterstützung bei den Mietkosten, sodass sie im Gegensatz zu einem Spanier im Durchschnitt bis 1500 Euro im Monat zahlen, anstatt 500 bis 600 Euro, heißt es in der Reportage. Es gibt sogar Familien in Rota, die ihr eigenes Haus zur Verfügung stellen und dafür in eine Mietwohnung ziehen. Insgesamt 600 Millionen Euro jährlich soll das Gebiet an wirtschaftlichen Einnahmen durch den Aufenthalt der Amerikaner erhalten. Die Angaben stammen von den Berechnungen der Militärbasis selbst.“

Seit zwei Jahren sind hier vier Zerstörer der US-Navy stationiert, die zur seegestützten Raketenabwehr der NATO gehören. Von hier kommen die Kriegsschiffe, die immer wieder „Tomahawk“-Raketen auf Syrien abfeuern. In der Bucht von Cádiz werden Kriegswaffen für Saudi-Arabien gebaut, die auch im Jemen eingesetzt werden. Zuletzt wurden im April der Bau von fünf weiteren Korvetten in Auftrag gegeben.  Der Bürgermeister von Cádiz José Maria González, Mitglied der linken Partei „Podemos“ unterlässt seine früheren  jährlichen Friedensdemonstrationen. Jobs für die Bewohner der Stadt sind ihm wichtiger als die Opfer der Kriege und der saudischen Diktatur. Es fällt auf, dass sich alle Linksparteien in Spanien  mit Kritik an NATO – und EU-Kriegspolitik zurückhalten. Die neue sozialdemokratische Verteidigungsministerin Margarita Robles begrüßte am 25.6.  sogar die EU-Militärmission „Atalanta“ am Horn von Afrika, die ab März 2019 von Rota aus geführt werden soll. Das sei „ein Beweis für die Solidarität gegenüber den afrikanischen Ländern“. Das ist ziemlich zynisch, denn etwa in Somalia haben solche Missionen noch gar nichts zur Verbesserung der Lage der Menschen beigetragen. Für das Geld könnte man besser humanitäre Hilfe leisten.

In unseren Reiseführern steht davon kein Wort. Nur, dass es dort noch eine nette Altstadt geben soll.  Wir fahren nicht hin.

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