Andalusien (2): Die Römer

Vor uns waren auch die Römer in Spanien. Aber sie interessieren uns auf dieser Reise nicht so sehr, nachdem wir letztes Mal in Mérida die römischen Ruinen von Emerita Augusta rauf und runter bestaunt haben. Sie sehen ja fast überall gleich, wie  genormt aus und „leben“ erst durch unsere Phantasie bzw. Wissen, das ich dieses Jahr vor allem aus Thomas Feller/ Miguel Vázquez: „Die Geschichte der Iberischen Halbinsel“ (Thorbecke Verlag 2012) beziehe. Mittags ist es im Juni schon so heiß, dass wir am liebsten wie die Spanier Siesta halten. Tatsächlich erstirbt das öffentliche Leben Mittags bis sechs oder gar sieben Uhr, um dann wieder bis Mitternacht aufzuerstehen. Selbst kleine Kinder laufen dann noch herum und man kann einkaufen oder essen gehen.

In Cádiz sieht man noch ein römisches Theater, das aber teilweise  von alten Häusern überbaut ist. In Málaga hat man diese weggeschlagen und eine Freilichtbühne aufgebaut. Die „Cloacas Romanas“ in Medina Sidonia lassen wir auch aus. Schließlich gibt es ein Römerklo bei uns in Rottenburg.

Was ich aber noch nirgends gesehen habe, sind römische Fischfabriken. Westlich von Bolonia ist mit „Baelo Claudia“ die bedeutendste antike Ruinenstadt Andalusiens nach Itálica zu besichtigen. Deren Theater liegt herrlich mit Blick über‘s Meer. Das Original der Statue des Kaisers Trajan steht allerdings im Museum Cádiz. Dazu Thermen, Kapitol, Wasserleitungen und Stadtmauern. Auch drei Tempel hatten sie. Einen für Isis. Wie kommt die Ägypterin hierher?

Wikipedia: „Die populärste Gottheit in der römischen Provinz Hispanien war Isis, gefolgt von Magna Mater, der großen Mutter. Die karthagisch-phönizischen Gottheiten Melkart (sowohl ein Sonnen- als auch ein Meergott) und Tanit-Caelestis (eine Muttergottheit, die möglicherweise dem Mond verbunden war) waren ebenfalls populär. Das römische Pantheon verdrängte schnell die ursprünglichen Gottheiten durch Identifikation: Melkart wurde zu Herkules, der lange Zeit bei den Griechen als Variante ihres Herakles galt. Baal-Hammon, der karthagische Hauptgott, spielte ebenfalls eine wesentliche Rolle, so wie die ägyptischen Götter Bes und Osiris.“

Römische Tempel kennt man ja. Aber Fischfabriken? Wenn ich den Archäologen richtig verstanden habe, sind längst noch nicht alle ausgegraben. Leider folgt er der Unsitte vieler Fremdenführer, dass er uns in praller Sonne Vorträge hält, die er menschenfreundlicher im kühlen kleinen Museum erzählt hätte. EU-Bürger haben übrigens dort wie anderswo freien Eintritt. (Schweizer müssen zahlen, recht so.) Die Stadt Baelo wurde Ende des 2. Jh.v.Chr. gegründet  und erhielt unter Kaiser Claudius (41-45 n.Chr.) die römischen Stadtrechte und den Beinamen. Schon Ende des 2.Jh. zerstörte ein Erdbeben die Stadt, die daraufhin von ihren 2000 Bewohnern verlassen wurde. Bis dahin produzierten und exportierten sie bis nach Germanien eine sehr begehrte Fischsoße „Garum“, die mich an ein ähnliches Gebräu in Thailand erinnert. In den noch sichtbaren Becken wurden kleinere Fische und Innereien von Makrele und Thunfisch mit Gewürzen eingesalzen und bis zu zwei Monaten der Sonne ausgesetzt. Der Fermentationsprozess zersetzte das Fischeiweiß. Das muss fürchterlich gestunken haben, weshalb die reicheren Bürger etwas entfernt wohnten. Der heute so attraktive Strand mit seiner gewaltigen Düne interessierte die damaligen Menschen nicht.

Wir essen hier sehr gut ohne Fischsoße im „Restaurante La Rejas“. Auf deren Homepage ist ein schönes Bild der Bucht: http://lasrejasrestaurante.com. Nachdem ich mir bei der Markthalle in Cádiz fast den Magen verdorben habe, habe ich sowieso keine Lust mehr auf Fischgerichte.

Den Römern verdanken die Spanier ihren Namen. „Hispania“ war der lateinische Name für die Halbinsel, deren Beifügung „iberisch“ verrät, dass da vorher und nebenan noch andere Leute zuhause waren. Als Rom nach dem Ersten Punischen Krieg expandierte, bauten zunächst die Punier ihre Machtbasis aus, deren Wirtschaft, vor allem der Silberexport, wieder florierte. Als Hannibal die mit Rom verbündete griechische (!) Stadt Saguntum einnahm, fingen die Römer den Zweiten Punischen Krieg an. 217 v.Chr. landeten sie mit zwei Legionen und 60 Schiffen, um Hannibal den Nachschub abzuschneiden. Den Rest besorgte der später berühmte Scipio Africanus. Was man uns nicht im Lateinunterricht in der Schule erzählte: Immer geht es um den Profit.

Der noch wenig bekannte Julius Caesar beispielsweise tummelte sich 60 v.Chr. auch in Spanien, was seine Karriere entscheidend prägte: „Es war in dieser Phase, als er die Kontakte mit dem punisch-stämmigen Bankier Balbus aus Cádiz  herstellte. Balbus sollte für den ehrgeizigen Römer bis zu dessen Tod wichtiger Finanzier bleiben. Höchstwahrscheinlich war es als Gegenleistung für diese Dienste, dass Cádiz die römischen Bürgerrechte bekam, lange bevor Kaiser Vespasian diese den Bewohnern ganz Hispaniens verlieh. Balbus wurde wenige Jahre später in den Rang eines Konsuls erhoben… Im andalusischen Munda errang Caesar einen entscheidenden Sieg über die Anhänger des Pompejus.“  Freller/Vázquez, aaO. S.54.

Also: Geld regiert die Welt.

Noch eine kleine Lesefrucht: Unter Kaiser Diokletian gehörte zu Spanien die Hälfte des heutigen Marokko: Dioecesis (!) Hispaniae. Daher hat die römisch-katholische Kirche ihre Diözesen geerbt. Dazu komme ich noch.

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