Gemeinsames Europa

Die frühere Bundestagsvizepräsidentin Antje Vollmer (Bündnis 90/Die Grünen) und der ehemalige Bayerischen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber (CSU) gemeinsam mit Horst Teltschick (CDU), Günter Verheugen (SPD) und Helmut Schäfer (FDP) fordern gestern in der FAZ gemeinsam  den Westen auf, Russland „als einen gleichberechtigten Partner in allen globalen Fragen“ anzuerkennen:

„Mit großer Sorge beobachten wir den sich zuspitzenden Konflikt zwischen Russland und dem Westen. Gegenseitige Sanktionen, die Schließungen von Einrichtungen und Dialogforen, die einmal der Verständigung und Kooperation dienten, folgen in immer schnellerem Rhythmus. Wir haben es inzwischen mit einer beunruhigenden Entfremdung zu tun. Das gegenseitige Verhältnis ist bestimmt von gegenseitigen Schuldzuweisungen, Verdächtigung und militärischen Drohgebärden. Vor diesem Hintergrund wäre es hilfreich, wenn wir uns alle darauf besinnen würden, dass das Ende des Kalten Krieges schon einmal von beiden Seiten proklamiert worden ist. Das Wort vom „Gemeinsamen Haus Europa“ sollte uns noch genauso gegenwärtig sein wie Putins Rede vor dem Deutschen Bundestag 2001, in der er ein langfristiges und umfassendes Kooperationsangebot machte.“

Viele sind heute alarmiert und fürchten Krieg. Zwar hat Bundeskanzlerin Merkel abgelehnt, einen militärischen Angriff auf Syrien zu unterstützen. Die Gefahr einer direkten Konfrontation USA-Russland besteht aber. Aber viele Medien trommeln dafür. Darum finden morgen in vielen Städten, auch  in Tübingen, Friedensdemonstrationen statt. Ich hoffe, dass auch unsere Evangelische Kirche sich  eindeutig und konkret zum Frieden äußert. Die schon genug verfahrene Situation in Syrien kann man nicht durch weitere Bomben lösen. Die christlichen Kirchen in Syrien selbst sind schon lange gegen ausländische Einmischungen. Ihnen ist selbst ein Diktator wie Assad noch lieber als islamistische „Befreier“.

Die Spirale aus Maßnahmen und Gegenmaßnahmen löst sich zunehmend von den realen Gründen und Anlässen. Die Verfasser schreiben darum in der FAZ: „Die rhetorische Eskalation und die Produktion von Feindbildern in Politik und Medien bleibt nicht ohne Wirkung“, und mahnen eine „Überwindung der Sprachlosigkeit“ an.

Ursprünglich sollte der Beitrag wohl in der vergangenen Woche in der „Süddeutschen Zeitung“ erscheinen. Doch die lehnte eine Veröffentlichung ab. Andere Medien haben m.W. diesen wichtigen Impuls kaum aufgenommen.

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