Plastik- fasten

Eigentlich kennen wir ja die Vermüllung der Meere durch Plastik. Aber hin und wieder braucht man den „Tritt in den Hintern“, um von seiner Verdrängung und Bequemlichkeit aufgeschreckt zu werden. So ging es mir gestern mit dem schaurig-schönen und gleichzeitig schaurig-schrecklichem Film über den „Blauen Planeten“.

http://www.ardmediathek.de/tv/Der-Blaue-Planet/Sendung?documentId=49529922&bcastId=49529922. Die Hochsee ist eine Wasserwüste, weit entfernt von jeder Küste, mehrere Kilometer beinahe ohne Nahrung. Dennoch leben hier einige der größten und spektakulärsten Tiere der Welt.

Endlich wurde einmal ein Film durch eine nachfolgende Diskussion von verschiedenen Fachleuten vertieft. Die konnten zwar die Unarten eine Talkshow nicht ganz vermeiden, aber letztlich konnte man doch eine Menge lernen.

http://www.ardmediathek.de/tv/Hart-aber-fair/Ein-Ozean-voll-Plastik-ertrinken-die-M/Das-Erste/Video?bcastId=561146&documentId=50788764.

Wie leichtsinnig wir mit dem Müll umgehen, wurde mir erstmals 1979 bewusst, als ich eine Jugendbegegnung in Korsika leitete. Wir campierten zum Abschluss am Meer, saßen an einem wunderschönen Strand und schauten auf das blaue Meer. Wenn aber die Brise nicht von dort wehte, sondern von hinten kam, stank es gewaltig vom Müll, den andere Touristen einfach hinter sich warfen. Ein Warnschild „Müll abladen verboten“ wurde nicht beachtet. Idealistisch wie junge Leute  sind erbaten wir von der Dorfverwaltung einen Kleinlaster und transportierten tagelang den Müll vieler Wochen ab. Aber wohin? Man kippte ihn damals in eine der schönen Schluchten im Landesinneren. Was hatten wir also gewonnen?

Schon damals gab es den Kampf in der evangelischen Jugendarbeit gegen Plastiktüten. („Jute statt Plastik“). Doch Industrie und Handel waren immer schneller. Der bequeme Konsum in Supermärkten hat dazu geführt, dass es für die meisten Leute kaum noch möglich ist, Plastik beim Einkauf zu vermeiden. Darum muss – wie in der TV-Diskussion deutlich wurde – die Politik entsprechende Vorgaben und Gesetze machen. Im Koalitionsvertrag gib es dazu einen knappen Abschnitt „Internationaler Meeresschutz“:

„Wir werden der übermäßigen Nutzung der Ozeane entgegenwirken und den Schutz  der Meere insbesondere vor Vermüllung verbessern. Wir setzen uns für ein Schutzgebietsnetz für Hochseegebiete und für ein internationales Durchführungsübereinkommen zum Schutz der biologischen Vielfalt im Bereich der Hohen See ein und unterstützen die Einrichtung von Schutzgebieten in Arktis und Antarktis. Um Nord- und Ostsee besser zu schützen, werden wir ein wirksames Management der Freizeitfischerei in den Schutzgebieten in Kraft setzen und uns für wirksame Fischereiregelungen auf EU-Ebene sowie eine bessere Förderung ökosystemgerechter Fangtechniken und -methoden einsetzen. Für einen umweltverträglichen Tiefseebergbau sollen internationale Regeln entwickelt werden.“ S.138.  Man kann zweifeln, ob das reicht. Zumindest braucht es mehr öffentlichen Druck.

Schaut man sich die riesige globale  Aufgabenfülle an, die die gesamte Menschheit zu leisten hat, kann man zweifeln, ob das Ziel erreicht wird. Es ist  darum kein Wunder, dass viele resignieren, in Depressionen fallen oder zynisch werden. Für mich kommt da der Glaube ins Spiel. Nicht ein naiver Glaube, dass wir es schon schaffen. Ich denke sogar: Wir schaffen es nicht. (Die Plastikteile vergiften weltweit Fische und damit die Nahrungskette für mindestens 500 Jahre! Plastikmüll hat sich sogar im arktischen Eis festgesetzt, wo nie Menschen gelebt haben.) In anderen Ländern wie beispielsweise in Asien ist weder das Wissen noch die Mentalität vorhanden, um das eigene Verhalten zu ändern. Wo immer Touristen sich breit machen, breitet sich auch der Müll aus.

Der christliche Glaube an den Schöpfer verlangt zwingend die Verantwortung des Geschöpfs. Christliche Ethik ist aber unabhängig vom Erfolg und vom „Man“. (Es gilt nicht, was „man“ tut.) Leider sind auch viele Christen zu bequem, zu ahnungslos, ja zu dumm. Dennoch haben gerade jetzt vor Ostern viele das „Plastik-Fasten“ entdeckt. Man probiert es mal aus. In der TV-Debatte wurde eine Familie vorgestellt, die es schafft, weithin auf Plastikverpackung zu verzichten. Und das nicht nur bis Ostern. Der BUND hat dazu einen Einkaufsratgeber herausgegeben:

https://www.bund.net/fileadmin/user_upload_bund/publikationen/meere/meere_mikroplastik_einkaufsfuehrer.pdf. Im Internet findet man weitere Anregungen.

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