Bad Banks

„Was ist ein Einbruch in eine Bank gegen die Gründung einer Bank?“ An dieses Zitat aus Brechts Dreigroschenoper musste ich denken bei der von der Kritik hochgejubelten Fernsehserie „Bad Banks“. Der Titel spielt auf einen Begriff aus der Finanzkrise an, als Großbanken durch die Aufspaltung in zwei Teile gerettet wurden: Die Good Bank war weiter wettbewerbsfähig, in der Bad Bank wurden die faulen Kredite ausgelagert, die oft genug durch staatliche Interventionen (oder die der Notenbanken) gestützt wurden.

Während wir wochenlang mit Koalitionsdebatten unterhalten werden, gilt wohl Willy Brandts Einsicht: „Wer  gewählt wird, hat keine Macht. Diejenigen, die Macht haben, werden nicht gewählt.“ Ich hoffte also auf Einsichten in die mir wenig bekannte Bankenwelt, wurde aber in jeder Hinsicht enttäuscht.

Die TV-Serie handelt von einer jungen Investmentbankerin, die nach ihrer Entlassung von der Bank Crédit International Financial Group (CIFG) in Luxemburg zu der großen deutschen Investmentbank Deutschen Global Invest nach Frankfurt am Main wechselt und sich dabei immer tiefer in persönliche Abhängigkeiten und kriminelle Machenschaften begibt.

Nach Art heutiger Krimis, die meist verschiedene Handlungsstränge gleichzeitig erzählen, werden undurchsichtige Vorgänge gezeigt, die sich vor allem auf Computern und Smartphones abspielen. Wenn gar nichts passiert, sollen die immer gleichen Musiktöne für Spannung sorgen. Man begreift, dass es um viel Geld geht, aber versteht kaum, wie diese „Finanzprodukte“ eigentlich funktionieren. Offenbar verstehen das auch die Filmemacher nicht.

Eine Jungbankerin, deren Praktikum kaum zwei Jahre hinter ihr liegt, die nach ihrer Kündigung im Weinkrampf schnurstracks zur Finanzdirektorin läuft, immer wieder unter Panikattacken leidet, soll binnen acht Wochen plötzlich zur Protagonistin werden, die wiederholt  die Topmanager der beiden Großbanken ausspielt und mit ihrem irrationalen Geltungsstreben („Weil ich’s brauche“) die nächste Lehman-Krise auslöst? Es wäre die schnellste Lernkurve der Finanzwelt. Ziemlich unglaubwürdig! Damit das alles nicht zu langweilig wird, werden noch ein paar deftige Sexszenen eingeführt.

Ich erinnere mich an die Lektüre eines Buches, das ich zur Finanzkrise 2008 gelesen habe: Anne T.: „Die Gier war grenzenlos“, (Econ Verlag 2009.)

Eine deutsche Börsenhändlerin packt aus, wie sie gezockt, gelogen und betrogen hat.
„Sieben Jahre lang war ich Händlerin für komplexe strukturierte Produkte, für exotische Derivate und, ja, für eben diese Zertifikate gewesen, Inhaberschuldverschreibungen. Ich war vor dem Crash ausgestiegen, weil das gesamte Business mich ankotzte.“
Es wird mit Millionen gezockt. Neue Finanzprodukte ohne Wert werden erfolgreich verscherbelt. Es wird gelogen, betrogen und wilde Sexpartys werden gefeiert.

Anne T. ist die einzige Frau im Derivatehandel ihrer Bank und sie beschreibt ihre Kollegen als einen Haufen asozialer Egomanen. Sie lernt, immer neue Produkte ohne Wert zu schnüren und mit klangvollen Namen zu versehen. Und die werden dann Stiftungs- und Pensionskassenverwaltern, Kirchenvermögensverwaltern und kleinen Banken verkauft, deren Bilanzen sich kurzfristig aufblähen, wie Teig mit viel zu viel Hefe.
Natürlich handelt Anne T. wie ihre bonusgetriebenen Kollegen nur im Dienst am Kunden, der über den Tisch gezogen wird. Strafrechtlich relevant ist ihr Vorgehen nicht. Und die Moral gilt ihr, wie allen Brokern, nur, wenn Aktienkurse sich damit bewegen lassen. Womit sie wieder ein neues Papier erfinden kann, das die Tendenz auch dieses Kurses wettend vermarktet. Ein Wertpapier ohne Gegenwert für neue gierige Kunden.

Angesichts der aktuellen Fernsehserie „Bad Banks“ habe ich den Eindruck, dass sich nichts geändert hat. Leider werden solche Spielfilme nicht mit weiterer Aufklärung verbunden. Es wäre doch leicht, ein paar Experten diskutieren zulassen. Aber das ist offenbar nicht gewünscht.

Der wirkliche Krimi spielt sich gerade in diesen Tagen in meiner norddeutschen Heimat, in der Realität ab. Es geht um die schwer angeschlagene, noch staatliche hamburgisch-schleswigholsteinsche „Nordbank“.

„Wenn Olaf Scholz stolz verkündet, dass die Absichtserklärung zum Verkauf von Teilen der HSH Nordbank an zwei Finanzinvestoren ein „gutes Verhandlungsergebnis“ war und damit die „existenzielle Krise“ der Nordländer abgewendet sei, so ist dies bestenfalls der fromme Wunsch eines Bürgermeisters, der seine Qualifikation für das Amt des Finanzministers unterstreichen will. Mit der Realität hat dies nichts zu tun. Verkauft wurde nicht die HSH Nordbank, sondern ein von den Käufern sorgfältig ausgesuchter Teil der Bank; die ganzen faulen Kredite verbleiben beim Staat und wie hoch die Kosten letztlich ausfallen, ist nach wie vor vollkommen offen. Die Medien rechnen bereits jetzt mit Folgekosten in Höhe von 10 bis 15 Milliarden Euro für Hamburg und Schleswig-Holstein. Doch das ist immer noch viel zu defensiv, sehen unabhängige Expertenschätzungen die Kosten doch rund doppelt so hoch. Dieses Geld – mehr als 8.000 Euro pro Bewohner der beiden Nordländer –, mit dem man 30 Jahre lang Kitas und Polizei hätte bezahlen können, wird in den nächsten Jahrzehnten fehlen. Klar, die Kosten trägt – wie immer – der Steuerzahler. Aber wohin ist das Geld eigentlich verschwunden? Und wer trägt die politische Verantwortung?“ (NDS)

Angesichts solcher Vorgänge klingt der Abschnitt zum „Finanzmarkt“ im aktuellen Koalitionsvertrag wenig beruhigend: „Unsere Finanzmarktpolitik gibt der realwirtschaftlichen Dienstleistungsfunktion des Finanzsektors Vorrang.“ S.70

Darüber erfährt man im Fernsehen so gut wie nichts. Stattdessen bereitet das ZDF die zweite Staffel der Serie „Bad Banks“ vor. Unterhaltungssendungen statt Aufklärung betreiben bereits reichlich die privaten Fernsehanstalten. Ein gebührenfinanzierter Sender sollte nicht nur Quote im Sinn haben.

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