Freie Fahrt für freie Bürger

Die FAZ (Nr. 38, S.17) nennt es eine „Revolution für Millionen Fahrgäste“. Tübingens grüner Oberbürgermeister Boris Palmer jubelt: „Sensationell. Daran arbeiten wir jetzt schon fast zehn Jahre. Endlich Bewegung! Wenn das kommt, muss Tübingen dabei sein. Meines Wissens sind wir die einzige Stadt, die dafür ein gerechnetes Konzept in der Schublade hat.“

Was ist passiert? Die (bloß geschäftsführende) Bundesregierung will kostenlosen öffentlichen Personennahverkehr testen. (Nicht einführen!)

Nach neuesten Angaben des Umweltbundesamtes wurden im Jahr 2017 die Stickstoffdioxid-Grenzwerte in siebzig deutschen Städten teils massiv überschritten. Millionen Menschen werden durch fehlende Katalysatoren und illegale Abschalteinrichtungen vergiftet. Die Autoindustrie missbraucht uns alle seit Jahren in einem unkontrollierten Großversuch als Versuchskaninchen.

Das kostet jedes Jahr über 12.000 Menschen vorzeitig das Leben. Hauptverursacher der erhöhten Stickstoffdioxid-Werte in der Luft sind Diesel-Pkw. Eigentlich müsste man jeden Diesel-Fahrer wegen Körperverletzung vor Gericht bringen. Aber mit denen will sich keine Partei, auch keine „Groko“, anlegen.

Gesunde Luft für alle sollte ein Menschenrecht sein, ist es aber nicht. Aber nun kommt Bewegung in die Sache, weil die Regierung unbedingt drohende Fahrverbote vermeiden will. Die Idee steht in einem Brief, den Umweltministerin Barbara Hendricks (SPD), Verkehrsminister Christian Schmidt (CSU) und Kanzleramtschef Peter Altmaier (CDU) an den Umweltkommissar der Europäischen Union geschrieben haben.

Im Koalitionsvertrag von Union und SPD ist bezeichnenderweise von der Finanzierung eines kostenlosen Öffentlichen Personennahverkehrs nirgends die Rede. Wie viel Geld die Bundesregierung zahlen könnte und würde, ist offensichtlich noch gar nicht gesprochen worden. Da kommen bereits die ersten „Bedenkenträger“. Die echten Kosten sind aber schwer zu ermitteln. Steigen wirklich viele Autofahrer um, spart nicht  nur der Einzelne, sondern auch die ganze Gesellschaft. Man braucht eben insgesamt weniger PKW-Infrastruktur.

OB Palmer hat in seiner Facebook-Seite die verschiedenen Argumente pro und contra aufgelistet: „was dagegen spricht, und warum ich trotzdem dafür bin.“ Er kommt zu dem Schluss: „Kostenfreier Nahverkehr ist die einfachste und billigste Lösung für Staus, Parkplatznot, schlechte Luft und Klimaschutz im Stadtverkehr. Und sie erspart Ärger mit der EU-Kommission. Machen!“

In Tübingen gibt es versuchsweise schon samstags kostenlosen Busverkehr. Deswegen erstaunt es, dass in der Regierungsvorlage u.a. ausgerechnet Reutlingen vorgeschlagen wird. Aber das wird man ja regeln können.

Ich selber hätte wenig davon, da ich jenseits der Tübinger Stadtgrenze wohne. Ich nutze eine Monatskarte für den Nahverkehr der ganzen Region (Naldo), die für Senioren sehr günstig ist. „Autofasten“ wäre auch für die christliche Fastenzeit eine gute Idee.

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