Krieg in Syrien

Es ist noch nicht lange her, dass ich in besseren Zeiten  mehrfach Reisegruppen nach Nordsyrien geführt habe. Die jetzt umkämpfte Gegend von Afrin haben wir seinerzeit aus historischem Interesse besucht. Insbesondere der späthethitische Tempel von Ain Dara hat uns begeistert. Jetzt liegt er in Trümmern. So fatal die Zerstörung einmaliger Kulturschätze ist, ist die massenweise Bombardierung der Menschen natürlich noch schlimmer. Der alte Begriff der „Toten Städte“ bekommt eine aktuelle, fatale Bedeutung. Darum berührt es mich besonders, wenn ich immer wieder Bilder vom Krieg in Syrien sehen muss.

Nun gab es am Wochenende endlich auch Demonstrationen bei uns gegen den Angriffskrieg der Türkei gegen die Kurden in Syrien. Die mehrheitlich kurdischen Demonstranten forderten in Tübingen ein Ende der militärischen Angriffe und Sanktionen gegen die türkische Regierung.

Organisiert hatte unter dem Motto „Hände weg von Afrin“ das „Solidaritätskomitee Afrin“. Eine zentrale Aussage der Sprecherin des Solidaritätskomitees lautete, türkisches Militär habe Afrin mit Hilfe radikaler islamistischer Gruppierungen völkerrechtswidrig angegriffen. Hunderte Kurden seien bereits getötet und verletzt worden. Mit Parolen wie „Türkei bombardiert, Deutschland kassiert!“ und „Deutsche Waffen, deutsches Geld, morden mit in aller Welt!“ kritisierten Demonstranten auch die deutschen Waffenexporte an die Türkei.

Die „Informationsstelle Militarisierung“ IMI, der ich die ausführlichsten Informationen verdanke scheibt:

„Die Empörung, die das türkische Vorgehen und die nüchtern betrachtet selbstverständliche Beteiligung deutscher Waffensysteme auslöst, hat jedoch andere Gründe. Denn das Märchen, dass die westlichen Mächte in den syrischen Bürgerkrieg eingegriffen hätten, um demokratische oder irgendwie „bessere“ Verhältnisse zu schaffen, steht nun endgültig vor seiner Entlarvung. Denn mit der kurdischen Selbstverwaltung und der SDF greifen die Türkei und ihre Milizen jene Kräfte an, die mit Abstand am ehesten für eine demokratische und multikonfessionelle Ordnung stehen und diese explizit und glaubhaft anstreben.“

Nun beteiligt sich  Deutschland schon spätestens seit dem 4. Dezember 2015 am Syrienkrieg. Anlass waren die terroristischen Anschläge von Paris. Die Angriffe laufen seitdem ohne Mandat der UNO. Sie sind darum illegal. Der schweizer Friedensforscher Daniele Ganser folgert in seinem Buch „Illegale Kriege“ (Zürich 2016): „Mit dem illegalen Angriff auf Serbien 1999, dem illegalen Angriff auf Afghanistan 2001 und dem illegalen Angriff auf Syrien 2015 hat Deutschland unter dem Druck der USA und anderer NATO-Partner wieder das Kriegsbeil ausgegraben. Das ist nicht nur bedauerlich, sondern gefährlich, denn illegale Kriege gehören zu den schwersten Verbrechen, die es gibt. Die deutsche Friedensbewegung steht daher heute vor ihrer größte Herausforderung seit 1945: Sie muss trotz Terrorangst zeigen, ob sie Deutschland wieder auf den Pfad des Friedens und des Völkerrechts zurückführen kann.“ S. 327

Leider kann ich nicht behaupten, dass Kirchen oder christliche Gruppen diese Herausforderung schon begriffen haben. Man begnügt sich weithin mit der Gebetslitanei „Verleih uns Frieden gnädiglich“.

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