Sternsinger gegen Kinderarbeit

Unser Pastor sprach im Konfirmandenunterricht immer von den „Heiligen Zwei Königen“. Wenn wir protestierten, wies er uns an das Matthäusevangelium, wo über „Magier“ geschrieben wird. Er genoss unsere Überraschung: „Weder König, noch drei, noch heilig“. Wir sollten die Bibel genau lesen. So streng war 1962 der evangelische Unterricht.

In Württemberg ist „Heilige Drei Könige“ ein gesetzlicher Feiertag. Und die evangelische Pfarrerin im Gottesdienst hört schnell auf mit „Erscheinungsfest“ oder  „Epiphanias“, weil sie statt Predigt Geschichten von den Königen vorlesen will.

Am Nachmittag kommen dann wie jedes Jahr die Sternsinger ins Haus. Es sind keine Kinder, sondern ausgewachsene Männer. Ihr Gesang ist entsprechend. Sie sammeln für ein Projekt, das Kinderarbeit in Indien überwinden will. Eine eindrucksvolle Aktion, die mittlerweile ökumenisch organisiert wird.

https://www.sternsinger.de/fileadmin/bildung/Dokumente/kinder/2017_03_sternsinger-spezial_dks_ausbeutung_A.pdf

Kinderarbeit gibt es leider auch in China. Und da sind wir als Konsumenten direkt beteiligt. Viele Weihnachtsgeschenke (Spielzeug, Kleidung, das neue iPhone, Dekoration usw.) werden von Kindern hergestellt.

Die kleine Stadt Yiwu in der Zhejiang-Provinz produziert 60% der weltweiten Weihnachtsdekoration. 2001 waren es hier nur zehn Fabriken, doch mittlerweile gibt es sechshundert in der Stadt. Tausende Arbeiter produzieren hier die Weihnachtsdekoration  und nach Weihnachten geht es weiter mit Valentinstag, Ostern und Halloween. Yiwu ist bekannt als Weihnachtsstadt, aber auch hier arbeiten Kinder in den Fabriken. Viele sind unter sechzehn Jahre alt und arbeiten mehr als zwölf Stunden am Tag.

China ist bekannt für seine schlechten Arbeitsbedingungen und auch Kinder arbeiten hier in den Fabriken. Zehn bis- zwölf-Stunden Arbeit am Tag, sieben Tage die Woche, sind hier oftmals normal, denn die Arbeiter bekommen so wenig Lohn, dass sie ohne die Überstunden nicht über die Runden kommen würden. Zudem sind die Bedingungen in den Fabriken meist sehr schlecht und die Arbeiter sind ohne Schutzkleidung Chemikalien und anderen Gefahrenquellen ausgesetzt.

Erst Ende November 2017 wurde bekannt, dass bei dem chinesischen Zulieferbetrieb Foxconn jugendliche Praktikanten elf Stunden am Tag arbeiteten. Foxconn ist einer der größten Produzenten im Elektronikgewerbe und beliefert unter anderem Apple und Hewlett Packard. Die chinesischen Arbeitergesetzte verbieten unter 16- jährigen jegliche Arbeit und 16 bis 18- jährige dürfen höchstens acht Stunden am Tag arbeiten, jedoch sind unabhängige Kontrollen in dem autoritären Land kaum möglich und daher kommt es immer wieder zu Skandalen. Foxconn hatte schon früher schlechte Presse gehabt, als  sechzehn Arbeiter in den Jahren 2010 bis 2013 Selbstmord begingen und auch seitdem gab es in den Fabriken weitere Selbstmorde von Arbeitern.“ ( Financial Times;   27.11.2017 )

Wichtiger als Spenden und Caritas  ist ein politisch aufgeklärter Konsum. Aber wo wird man schon aufgeklärt in konsum-festlichen Zeiten?

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