Weltfriedenstag

Seit 1968 begeht die katholische Kirche den 1. Januar als Weltfriedenstag. Jedes Jahr gibt der Papst beachtenswerte Botschaften  heraus. Allerdings ist das Echo bescheiden. In hiesigen Gottesdiensten habe ich nichts davon gehört. Die meisten schlafen sowieso aus.Letztes Jahr gab es eine konkrete Ankündigung:

„Ich versichere, dass die katholische Kirche jeden Versuch, den Frieden auch durch die aktive und kreative Gewaltfreiheit aufzubauen, begleiten wird. Am 1. Januar 2017 tritt das neue „Dikasterium für den Dienst zugunsten der ganzheitlichen Entwicklung des Menschen“ in Funktion. Es wird der Kirche bei der Förderung » der unermesslichen Güter der Gerechtigkeit, des Friedens und der Bewahrung der Schöpfung « immer wirkungsvoller helfen und sie in ihrer Fürsorge für die Migranten, » die Bedürftigen, die Kranken und die Ausgeschlossenen, die Ausgegrenzten und die Opfer bewaffneter Konflikte und von Naturkatastrophen, die Gefangenen, die Arbeitslosen und die Opfer jeder Form von Sklaverei und Folter « immer durchgreifender unterstützen. Jede Handlung in dieser Richtung, so bescheiden sie auch sei, trägt zum Aufbau einer gewaltfreien Welt bei, und das ist der erste Schritt zur Gerechtigkeit und zum Frieden.

Ich wünsche mir von Herzen, dass dieser Geist den Prozess bestimmt, der im Laufe des Jahres 2018 dazu führen wird, dass die Vereinten Nationen zwei globale Pakte definieren und verabschieden – einen für sichere, geordnete und reguläre Migration, den anderen für Flüchtlinge. Als Vereinbarungen auf globaler Ebene stellen diese Pakte einen wichtigen Bezugsrahmen für politische Vorschläge und praktische Maßnahmen dar. Deshalb ist es wichtig, dass sie von Mitgefühl, Weitsicht und Mut inspiriert sind, so dass jede Gelegenheit genutzt wird, den Aufbau des Friedens voranzubringen. Nur so ist es möglich, dass der notwendige Realismus der internationalen Politik nicht dem Zynismus und der Globalisierung der Gleichgültigkeit zum Opfer fällt.“

Das Thema Migration hat er auch dieses Jahr aufgenommen:

„Dialog und Koordinierung stellen tatsächlich eine Notwendigkeit und ureigene Pflicht der internationalen Gemeinschaft dar. Jenseits nationaler Grenzen ist es möglich, dass auch weniger reiche Länder eine größere Anzahl von Flüchtlingen aufnehmen oder besser aufnehmen können, wenn durch internationale Zusammenarbeit die Bereitstellung der notwendigen Mittel gewährleistet ist.“

Leider sind durch den Fokus Migration die gegenwärtigen Kriege nicht im Blick. Auch unsere deutschen Medien blenden vieles aus, zum Beispiel den Krieg im Jemen. Liegt es am schlechten Gewissen? Denn Deutschland ist unmittelbar beteiligt.

„Die größte humanitäre Krise unserer Tage spielt sich im Jemen ab. Alle zehn Minuten stirbt dort ein Kind an Hunger oder vermeidbaren Krankheiten, Tausende sind der größten Cholera-Epidemie der letzten Jahrzehnte zum Opfer gefallen. Die Infrastruktur ist fast gänzlich zerstört oder zum Erliegen gekommen. Eine verbrecherische, von Saudi-Arabien verhängte umfassende Blockade hat dazu geführt, dass mittlerweile 7 Millionen Menschen im Jemen akut vom Hungertod bedroht sind. Fast drei Millionen Menschen sind aus Angst um ihr Leben auf der Flucht im eigenen Land. Ein Verlassen des Landes ist kaum möglich.

Das alles sind Folgen eines völkerrechtswidrigen Angriffskrieges, der hauptsächlich die Zivilbevölkerung trifft und der darauf ausgerichtet ist, das Selbstbestimmungsrecht der Jemenitischen Bevölkerung im Keime zu ersticken. Es ist ein Krieg, den die saudische Herrscherfamilie führt um den Jemen, den sie seit jeher als ihren Hinterhof verstanden hat, weiterhin als Vasallenstaat unter ihrer Kontrolle zu halten. Die bisher mehr als 10 000 getöteten Jemeniten nimmt sie dafür billigend in Kauf. Die UNO schlägt seit Monaten Alarm, denn das Morden ist für alle Welt offensichtlich. Doch aus den Regierungen des „Westens“ ist nur ein Schweigen zu vernehmen.

Mithilfe deutscher Patrouillenboote wird die verbrecherische Vollblockade des Jemens aufrechterhalten. Alleine in den letzten zehn Jahren haben deutsche Bundesregierungen Waffen und Kriegsgerät im Wert von fast 3,5 Milliarden Euro an die saudische Diktatur exportiert. Im Jahr 2015 waren es Waffen und andere Rüstungsgüter im Wert von 270 Millionen Euro, im Jahr 2016 sogar im Wert von 570 Millionen. Darunter Kampfflugzeuge, Hubschrauber, Munition und Patrouillenboote. Maschinengewehre der Marke Heckler & Koch aus Oberndorf am Neckar sind ebenfalls im Einsatz gegen die jemenitische Zivilbevölkerung. Dank deutscher Unterstützung werden diese Waffen mittlerweile in Riad in Lizenz produziert. Als wäre das nicht zynisch genug, bezeichnet die Bundesregierung Saudi Arabien, trotz aller Verbrechen, als „Stabilitätsanker“ in der Region. Die Bundesregierung schweigt nicht nur zu diesen massiven, von Saudi-Arabien und seinen Verbündeten im Jemen begangenen Völkerrechtsbrüchen, sondern ist durch die exportierten Waffen Teil dieses Krieges und macht sich damit auch der Mittäterschaft schuldig.“                                                                  Quelle: Die Freiheitsliebe

Man würde wohl die Friedensaufrufe zum Neuen Jahr ernster nehmen, wenn die Predigten in der Kirche deutlicher wären. Denn: Die Wahrheit ist konkret.

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