Der beschnittene Jesus

Der Schluss meiner Weihnachtspredigt über Lukasevangelium Kap. 2 hat einige überrascht.

Die Hirten beten das Kind an und erzählen, was sie erlebt haben. Der Frieden Gottes setzt in Bewegung. Die Empfänger werden Verkündiger. Sie loben Gott. Und dann denken wir: Ein schöner Schluss. Denn soweit wird die Geschichte in den Weihnachtsgottesdiensten meistens verlesen und bedacht. Aber – das wird euch überraschen!  – der eigentliche Schuss kommt in  Lukasev. Kapitel 2, Vers 21!

21 Als acht Tage vorüber waren und das Kind beschnitten werden sollte, gab man ihm den Namen Jesus, den der Engel genannt hatte, noch ehe das Kind im Schoß seiner Mutter empfangen wurde.

Alle Geburtsgeschichten der Bibel enden mit Beschneidung und  Namensgebung: Ismael, Isaak, die Söhne Jakobs, Simson, Johannes der Täufer.

Der jüdische Ritus der Beschneidung nach der Tora war und ist den Christen immer ein wenig unheimlich. Ich kann das hier nicht vertiefen. Es genügt zu verstehen, dass damit ein jüdischer Junge in den Bund Gottes hineingenommen wird. Die Beschneidung ist das Zeichen des Bundes mit Gott.

Hätten die Kirchen diesen Vers in ihren Weihnachtsgottesdiensten nicht weggelassen und auf weniger wichtige Sonntage verschoben, hätte wohl kein Nazi auf die Idee kommen können, dass Jesus ein nordischer Arier war. Er war ein Jude, wird in dieses Volk hineingeboren, dessen Auftrag er nicht auflöst, sondern für die ganze Welt erweitert. Wo heute die Judenfeindlichkeit wieder in Deutschland auftaucht, dass wir einen Antisemitismusbeauftragten der Regierung brauchen, ist mir wichtig zu betonen, dass wenigstens jetzt die Christen diese unselige Vergangenheit überwinden. Man kritisiert mit Recht die islamische Judenfeindschaft. Aber wir Christen haben selber eine bald zweitausendjährige Judenfeindschaft. Da ist noch  viel zu tun, nicht zuletzt ein besserer Umgang mit der Bibel.

Der „Retter der Welt“ ist Jude. Und dieser Jude ist nicht nur Prophet, der sieht, wo es lang gehen sollte, sondern er ist der Heiland, der diese Welt erlösen kann. Ob das einer den Muslimen in Abu Dhabi erklärt, wenn künftig das Bild „Salvator Mundi“ dort ausgestellt wird?

Jesus bringt den Frieden, der höher ist als alle Vernunft, aber dies oft in Konfrontation mit den Erlassen der Mächtigen dieser Welt. Das erste Wort ist „Augustus, der Kaiser“. Das letzte Wort ist aber Jesus, der wahre Heiland der Welt. Sie sind Antipoden! Innerer und äußerer Friede gehören zusammen. Man muss sich aber schon auf ihn einlassen. Er kommt nicht von allein. Weihnachten ist also nicht einfach das „Fest der Liebe“, sondern das Fest der Liebe Gottes. Nicht einfach das „Fest des Friedens“, sondern das Fest des von Gott geschenkten Friedens.

Dieser Friede Gottes wird gefeiert in dem Brief des Paulus an die Philipper (4,4ff.): „Freut euch im Herrn allezeit. Und immer wieder will ich es sagen. Freut euch! Lasst alle (!) Menschen eure Güte erfahren. Sorgt euch um nichts. Und Gottes Friede, welcher weiter reicht als alle Vernunft bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus.“

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