Anstöße

Heute trifft sich die kleine Redaktion der “anstöße“, das „Zentralorgan der Offenen Kirche (OK)“ in Württemberg. Wir wollen  das nächste Heft vorbereiten, müssen aber erst einmal die leidige Synode mit ihren unseligen Beschlüssen zur „Trauung für alle“ „verdauen“. Es liegen eine Menge schriftlicher Reaktionen von Leuten vor, die naturgemäß alle ihre Enttäuschung ausdrücken. Man könnte allein damit ein Heft füllen, das leider nur viermal im Jahr erscheint. Der Platz ist  also beschränkt. Und es gibt natürlich noch andere wichtige Themen.

Ich finde, man muss den Gegnern einer Trauung gleichgeschlechtlicher Christen bestreiten, dass sie sich zu recht auf Bibel und Bekenntnis berufen. Das Evangelium ist  reicher als die Auslegung die üblicherweise zu diesem Thema geboten wird. Vielleicht können die Texte aus dem „Hohen Lied der Liebe“, die im Januar zur Bibelwoche vorgeschlagen werden, die Wahrnehmung mancher Leute erweitern. Mein Lehrer Helmut Gollwitzer hat schon 1978 dazu ein schönes Plädoyer für Liebende „Das hohe Lied der Liebe“ (Kaiser Traktate) geschrieben. Wie es im Klappentext heißt: „Helmut Gollwitzers Auslegung des Hohenliedes wird zum Lobpreis der geschlechtlichen Liebe als wunderbares Geschenk des Schöpfers. Gollwitzer entwirft Grundzügen eine neue Sexualethik, ja  eine neue Ethik der Liebe. Er spannt den großen verbindenden Bogen von der Sexualität über Eros und Agape bis zur Feindesliebe und einer „Theologie  der Zärtlichkeit“. Dieses Buch setzt ein Signal, es ist die „Aufforderung an die Kirche und die Christen, endlich ein unbefangenes Verhältnis zum Sexus und Eros zu  gewinnen.“ Endlich!

Es ist dringend, dass wir eine entsprechende „Trauagende“ erarbeiten. Das muss ja kein Kirchengesetz sein. Gute „Text-Bausteine“ würden manchem Liturgen auf die  Sprünge helfen. Wahrscheinlich werden ja überall im Ländle irgendwelche Segnungen stattfinden. Ein offener Austausch wäre wünschenswert.

Schon jetzt werden viele Trauungen nicht in der zuständigen Gemeinde gehalten. Viele Paare suchen sich eine hübsche Kirche aus. Könnten man nicht für gleichgeschlechtliche Paare irgendwo eine nette Schlosskapelle finden, die für solche Gottesdienste gut geeignet ist? Braucht man eigentlich noch ein „Kirchenregisteramt“? Seit 1871 übernimmt das Standesamt die rechtlich relevante Registrierung.

Leider kann man von der weltweiten Ökumene nicht viel Unterstützung erwarten. In Rußland, Afrika oder Asien ist Homosexualität noch immer tabu. Sie haben oft nicht einmal die Frauenordination akzeptiert. Der „rechte Rand“ der Kirchen ist ziemlich dick!

Immer wieder fragen wir nach dem spezifischen Beitrag unserer Kirche. Ich übersetze das „eccclesia semper reformanda“ mit „Kirche als Vortrupp des Lebens“ und nicht als „Nachhut  der Tradition“. Dazu muss man nun aber das „Priestertum aller Glaubenden“ wirklich ernst nehmen. Da wäre doch interessant, welche Erfahrungen die „Regenbogengemeinden“ machen. Siehe z.B www.bkh-wue.de/initiative-regenbogen.

Na ja, und dann müssen wir schauen, was wir für Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung tun sollten. Die nächste Landessynode trifft sich jedenfalls  vom 8.-10. März 2018.

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