Ostasienmission

In Stuttgart  treffen sich Mitglieder und Freunde der Deutschen Ostasienmission zu ihrem Studientag  im Advent. Viele haben früher länger in Japan, China oder Korea gearbeitet, weshalb man sich ein wenig wie auf einem Familientreffen vorkommt. Jüngere Leute fehlen leider.

Zunächst erklärt Pfarrerin Eva Ursula Krüger die Geschichte der Evangelischen Kirche in China anhand von neuen Rollbildern, die der Chinesische Christenrat (CCC) hergestellt hat. Es ist aufschlussreich, wie sich die chinesischen Christen selber sehen. Es ist bekannt, welchen enormen Zuwachs das Christentum in China derzeit erlebt. Mangels genauer Statistiken vermuten manche 100 Millionen. Genau bekannt ist hingegen die Einwohnerzahl der Volksrepublik: 1,4 Milliarden wurden 2015 gezählt.

Dass die Kirchen Probleme mit dem Staat haben, verwundert nicht. Die neue Regierung scheint die Zügel wieder anzuziehen. Der Co-Präsident der Ökumenischen Gesellschaft Schweiz—China Christoph Waldmeier referiert über die revidierten „Vorschriften für religiöse Angelegenheiten“ der VR China. Die Verfassung gewährt Religionsfreiheit, aber die Autorität der kommunistischen Partei darf nicht  gefährdet werden. Im Konflikt gibt es keine Anwälte, die die Rechte der Kirchen durchsetzen könnten.

Lutz Drescher, früher Referent für Ostasien im Evangelischen Missionswerk EMS hat schon öfter aus Nordkorea berichtet. https://ems-online.org/laender/asien/korea/nordkorea. Nun zeigt er Bilder von seiner jüngsten Reise in dieses noch immer ziemlich unbekannte Land. Er korrigiert einmal mehr das düstere Bild, das die meisten Medien zeichnen und betont, dass die Raketen- und Atomtests ausdrücklich der Verteidigung dienen sollen.

„In Nordkoreas Hauptstadt Pjöngjang entdecke ich viele neue Restaurants, sogar auf einem Vergnügungsdampfer mit dem schillernden Namen „Regenbogen“ kann man seit kurzem dinieren. Fast an jeder Ecke gibt es inzwischen einen Kiosk und eine Vielzahl an Geschäften säumt die Straßen. Angeblich sind die Läden auch gut bestückt, hauptsächlich mit Produkten aus China. Selbst dort einkaufen oder nur einmal einen Blick hineinwerfen, dürfen wir leider nicht, erklärt mir einer unserer Begleiter.

Ja, ohne Begleitung kann ich mich auch bei meinem vierten Besuch in Nordkorea nicht bewegen. Unsere internationale Delegation des Ökumenischen Rates der Kirchen ist in einem 47-stöckigen Hotel auf einer kleinen Insel im Taedong-Fluss untergebracht. Um uns herum chinesische Touristengruppen. Für sie gibt es sogar ein Freizeitbad und ein Skigebiet. Viele neue Hochhäuser wurden errichtet, und am Ufer des Taedong-Flusses ist ein ganzes Areal von Apartment-Türmen für Wissenschaftler entstanden. In Weiß, Rot und Blau prangt der Slogan für die Staatsdoktrin der unabhängigen Entwicklung an der Fassade. Neu ist jedoch die Kombination mit den Schlagwörtern „Kwahakhwa“ und „Hyundaihwa“ – wissenschaftlicher Fortschritt und Modernisierung.

Ich kann nur spekulieren, was diese neuen Slogans zu bedeuten haben: Zusammen mit der wachsenden Privatisierung könnten diese zum Programm des noch jungen neuen Führers des Landes, Kim Jong-Un, gehören. Offensichtlich will er aus Pjöngjang ein Musterbeispiel dafür machen, wie das gesamte Land in Zukunft aussehen soll.“

Schließlich berichtet Dieter Bullard-Werner ( Basler Mission BMDZ) von einem Projekt der Esslinger Jugendkantorei (JU KA), die mit jungen Chören in Asien musiziert  hat. Das ist offenbar eine tolle  Möglichkeit, junge Leute mit Christen in Asien zsammenzubringen und alte Vorurteile über die Mission aufzulösen. Sie schreiben selber u.a.:

„Die Reise mit der Jugendkantorei war für mich eine sehr große Bereicherung. Mich haben vor allem die Fußstapfen der frühzeitigen Missionsarbeit beeindruckt. Selbst in weiter Ferne kann ich heute noch meinen Schwestern und Brüdern offenherzig begegnen.“

„Es war eine sehr schöne Reise mit vielen, tollen Impressionen, welche uns noch sehr lange nachgehen werden. Die so ganz anderen und ungewohnten Bedingungen machten es uns in Malaysia anfangs schwer, doch nach und nach lernten wir die verschiedensten Facetten des dortigen Lebens kennen und schätzen. Außerdem merkte man genau, das „Musik verbindet“ nicht nur eine leere Worthülse ist; diesen Vorgang am eigenen Leib zu spüren empfand ich als sehr beeindruckend. Europe meets Asia, quasi ein musikalisches Eurasien. Musik ist Völkerverständigung, Diplomatie, sie bringt Menschen zusammen. Ich denke, dass man mit Musik viel in Richtung Frieden bewirken kann.“

„Ich bin nun seit vier Jahren in der Jugendkantorei und diese Reise hat mir gezeigt, wie gut wir zusammenhalten. Natürlich ist mir das auch in Italien und Zuhause bewusst, jedoch haben wir noch nie eine Reise in solch einer Dimension unternommen. Für viele war das etwas völlig Unbekanntes, und trotzdem hatten wir eine riesen Menge Spaß und konnten zusammen viel Neues entdecken, weil gut aufeinander Acht gegeben wurde und man sich anderen JuKalern anvertrauen und sich aufeinander verlassen konnte.“

„Beeindruckende Gastfreundlichkeit, die man in jedem Land erfahren konnte. Beim direkten Kontakt mit lokalen, jungen Leuten – vor allem im Dschungel von Malaysia – wurde uns die Vorbestimmtheit deren Leben aufgezeigt. Nur für wenige ergibt sich die Möglichkeit eines Studiums und auch die Wahl dieses Studium ist eng begrenzt. Das hat uns einerseits die Wichtigkeit der Basler Mission – die viele bei Ihrem Theologiestudium unterstützt – aufgezeigt und wie viel man dort schon mit kleinen Dingen bewirken kann. Andererseits wurde uns vor Augen geführt, was für ein Leben wir führen dürfen, mit einer freien Wahl unserer Zukunft, ganz egal in welche Richtung. Diese Wahl haben die meisten Menschen nicht und wir sollten öfter darüber nachdenken, welches Glück wir haben. Glück, das man nicht verschwenden sollte, stattdessen lieber dafür sorgen, dass mehr Menschen solch eine Wahl haben. Dass diese Jugendlichen auch glücklich waren und in welchen Dingen sie Glück finden, hat uns nochmals gezeigt, dass Erfolg und Reichtum ein ganz anderes, viel kurzweiligeres Glücksgefühl erzeugen, als es Musik und eine gute Gemeinschaft tun.“

„In der Volksrepublik war es hochinteressant zu sehen, auf welch vielfältige Weise sich kirchliches Leben in einem mehrheitlich nichtchristlichen und vor allem politisch vollkommen areligiösen Umfeld vollzieht. Eine gemeinsame Erfahrung durften wir jedoch sowohl in der riesigen, modernen Tin Ho Church in Guangzhou, als auch in der baufälligen Kirche in Xingning oder auch in Meizhou machen: wir wurden unfassbar herzlich begrüßt und unser Chorgesang wurde begeistert aufgenommen. Letzteres galt auch für unseren Aufenthalt in der pulsierenden Finanzmetropole Hongkong: Allen voran unsere Ausflüge in Kleingruppen zu verschiedenen sozialen Einrichtungen der Tsung Tsin Mission werden mir wohl in lebhafter Erinnerung bleiben.“

Weitere Berichte und Bilder findet man unter https://juka-in-asien.com/.

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